TUI Cruises plant im Frühjahr 2021 wieder mit allen Schiffen unterwegs zu sein

Mein Schiff 2 (Bild Stieger)

32 Millionen Passagiere wurden in diesem Jahr auf den über 400 Kreuzfahrtschiffen erwartet. Doch daraus wird nichts. Nicht einmal ein Bruchteil davon werden 2020 ein Kreuzfahrtschiff besteigen, auch wenn TUI Cruises, MSC Cruises, Costa Crociere, Hapag-Lloyd Cruises und die französische Ponant den Neustart mit wenigen Schiffen gewagt haben. In einem Artikel der «Welt am Sonntag» wird prophezeit, dass die Prognosen für die Branche verheerend seien und gegen Ende dieses Jahres die ersten grossen Reedereien pleitegehen könnten. Zuversichtlicher ist TUI Cruises Chefin Wybcke Meier. Sie äussert die Hoffnung, dass alle sieben Schiffe der Flotte im Frühjahr wieder unterwegs sein werden.

Die Kreuzfahrtindustrie hat im Jahr 2018 weltweit 1.177.000 Arbeitsplätze bereitgestellt, was 50,24 Milliarden US-Dollar (45,27 Milliarden Euro) an Löhnen und Gehältern entspricht. Insgesamt lag damit der gesamtwirtschaftliche Beitrag bei 150 Milliarden US-Dollar (135,1 Milliarden Euro), nach 134 Milliarden US-Dollar (117,1 Milliarden Euro) im Vorjahr. Das geht aus dem Jahresbericht “2020 State of the Cruise Industry Outlook” hervor, den der weltweit größte Kreuzfahrtverband CLIA (Cruise Lines International Association) veröffentlicht hat. 2020 wurden weltweit 32 Millionen Passagiere erwartet. Diesen in den letzten Jahren ständig steigenden Passagier Frequenzen auf den weltweit über 400 Kreuzfahrtschiffen hat das Corona-Virus aber einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Hunderte Kreuzfahrtschiffe stehen still

Seit Monaten stehen Hunderte Kreuzfahrtschiffe weltweit still. Nur ein paar wenige Schiffe in Europa haben den Neustart gewagt. TUI Cruises ist auf den sogenannt «Blauen Reisen» aktuell mit drei Schiffen, nämlich der Mein Schiff 1 und 2 im Norden und der Mein Schiff 6 in Griechenland unterwegs.

Für MSC Cruises fährt die MSC Grandiosa seit Mitte August im westlichen Meer. Mit fünf Wochen Verspätung später startet auch die MSC Magnifica am 19. Oktober 2020 zur ersten Reise.

Hapag-Lloyd Cruises war zusammen mit TUI Cruises die erste Reederei, die im Juli neu gestartet ist. Mit einer deutlich reduzierten Passagierzahl und umfangreichen Hygiene- und Präventionsmaßnahmen starteten die Europa 2 und die Hanseatic inspiration. Neu hinzu kommt noch diesen Monat das zweite Luxus-Schiff die Europa. Zahlreiche begeisterte Gästestimmen belegen den Erfolg der bisherigen Reisen. Zufriedenheitswerte und eine Weiterempfehlungsrate von durchschnittlich 94 Prozent bestätigen, dass die Reisen an Bord der Hapag-Lloyd Cruises Flotte auch unter den neuen Bedingungen weiterhin sicher und genussvoll bleiben.

Die italienische Reederei Costa Crociere schliesslich startete im September ausschliesslich mit Gästen aus Italien an Bord. Die einwöchigen Reiserouten der Costa Deliziosa ab Triest sind der Wiederentdeckung der schönsten Reiseziele Italiens gewidmet. Die Touren, die viele neue italienische Häfen beinhalten, sind ab dem 27. September 2020 auch für Gäste aus Österreich, Deutschland und der Schweiz und anderer europäischer Länder buchbar. Am 10. Oktober startet die Costa Diadema ab Savona ins westliche Mittelmeer.

Umfangreiche Vorsichts-, Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen

Um aber jeden weiteren Corona-Ausbruch an Bord der gestarteten oder noch startenden Kreuzfahrtschiffe zu verhindern und damit das Pflänzlein des Neustarts schon wieder im Keim zu ersticken hat die Branche umfangreiche Vorsichts-, Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen getroffen. Diese reichen von vorgeschriebenen COVID-19 Tests vor Betreten der Schiffe, bis hin zu Maskenpflicht und täglichen Temperaturmessungen. Mit maximaler Hygiene und gegenseitiger Rücksichtnahme versucht man das Virus in Schach zu halten.

Was für die Passagiere gilt, gilt noch mehr für die Crew. Die Besatzung auf den drei Mein Schiffen wird zum eigenen Schutz und dem der Gäste getestet, ausführlich geschult und für ihren Einsatz an Bord ausgestattet. Bereits der Rekrutierungsprozess der Crew folgt strengen Regeln: Bevor neue Besatzung an Bord kommt, wird sie an Land getestet. Es kommen nur Besatzungsmitglieder an Bord, die negativ getestet sind und diese begeben sich zusätzlich in 14-tägige Einzel-Isolation auf einer Balkonkabine. Erst dann nehmen die Besatzungsmitglieder ihren Dienst auf.

Und wo bleibt AIDA?

AIDA hat den Neustart immer wieder verschoben und will nun im November endlich starten. Als erstes Schiff der AIDA Flotte nimmt AIDA Mar ab dem 1. November 2020 auf siebentägigen Reisen Kurs auf die bei deutschsprachigen Urlaubern so beliebte Inselwelt der Kanaren. Ab dem 7. November 2020 folgt AIDA Perla. Das Problem ist nur: Die Kanarischen Inseln wie Gran Canaria, Teneriffa oder Lanzarote gelten – noch – als Risikogebiet. Ob der Start somit wie geplant stattfinden kann, steht noch in den Sternen.

Aber auch TUI Cruises möchte im Winter ihre Gäste zu den Kanarischen Inseln führen. So erklärte TUI Cruises Chefin Wybcke Meier gegenüber der Welt am Sonntag: «Auf politischer Ebene werden aktuell Gespräche hinsichtlich der Errichtung sicherer Luftkorridore geführt.» Das gleiche gelte für die Vereinigten Arabischen Emirate. Dies würde dann wohl bedeuten, dass Schweizerinnen und Schweizer – wie bei den Griechenland Kreuzfahrten der Mein Schiff 6 – nur ab einem deutschen Flughafen zu den Kanaren oder Dubai starten könnten.

Wybcke Meier, CEO von TUI Cruises (Bild TUI Cruises)

TUI Cruises will ab Frühjahr 2021 wieder mit allen 7 Schiffen unterwegs sein

Und wie sieht die finanzielle Situation bei den Reedereien aus. Da braucht man kein Wahrsager zu sein, um ohne Kristallkugel feststellen zu können, dass diese wohl äusserst schwierig ist.  «Die erfolgsverwöhnte Kreuzfahrtbranche war bislang weitgehend hochprofitabel, global-flexibel aufgestellt und entsprechend krisenerprobt. Mittlerweile hat sie aber Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe zu verkraften», erklärte der Schweizer Branchenanalyst Thomas P. Illes gegenüber der Welt am Sonntag. Und er sieht gegenüber der Zeitung noch lange kein Ende der Krise. Schlimmer noch. Illes erklärt in der Welt am Sonntag, dass das Wiedererlangen eines Mindestmasses an Kundenvertrauen notwendig sei. »Sonst werden auch grosse Reedereien – womöglich noch gegen Ende dieses Jahres – in ernste Bedrängnis geraten», so der Kreuzfahrt-Analyst in der Welt am Sonntag.

Positiver sieht es TUI Cruises Chefin Meier. Sie sagte der Welt am Sonntag: «Wir haben unsere Hausaufgaben was die Finanzen betrifft gemacht und werden daher auch diese Phase mit weniger Schiffen und geringerer Auslastung überstehen.» Und sie gibt noch ein äusserst positiv stimmendendes Statement ab: «Wir hoffen, spätestens im Frühjahr 2021 wieder mit allen sieben Schiffen unterwegs zu sein, mit etwas weniger Auslastung und den passenden Gesundheitskonzepten.» Das wäre dann wohl die Nachricht des Tages.

1 Antwort

  1. Hans-Georg

    TUICruises hat ja gegenüber anderen Reederein den Vorteil einer relativ kleinen Flotte. Das wird der Reederei helfen, die Krise leichter zu überstehen.
    Ich hatte heute morgen irgendwo gelesen, dass die Kanaren beabsichtigen, das Kreuzfahrtgeschäft ab November wieder zu starten.

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