Queen Mary 2 lässt die Menschen die Zeit vergessen

Manfred Ertel mit seinem Buch "Leben mit einer Königin - Vom Alltag an Bord der Queen Mary 2 (Bild Stiegers Kreuzfahrt Tipps)

24 Porträts von Menschen, die viele Tage ihres Lebens – manche sogar Jahre – an Bord der Königin der Meere, der Queen Mary 2 verbracht haben. Diese Menschen stellt Autor Manfred Ertel in den Mittelpunkt seines Buches «Leben mit einer Königin – Vom Alltag an Bord der Queen Mary 2.»

Menschen aus über 40 Nationen verbringen zusammengerechnet Jahre ihres Lebens auf der Mary, gehen an Bord um dort zu arbeiten und die Zukunft ihrer Familien zu finanzieren, um die Welt zu reisen oder einfach den Ruhestand auf einem Mythos der internationalen Schifffahrtsflotte zu geniessen. Manfred Ertel porträtiert den Kapitän ebenso wie das philippinische Zimmermädchen, den Küchenchef oder die englischen Pädagogen auf der Flucht vor Dracula und seinen Erben oder die 88-jährige Claire, die auf dem Schiff günstiger als im Altersheim lebt.

Blick hinter die Kulissen ihrer Majestät Queen Mary 2

Bücher über die Queen Mary 2 gibt es nicht gerade wie Sand am Meer, aber doch bereits einige auf dem Markt. Manfred Ertel verfolgte denn mit seinem Werk einen anderen Ansatz. Er will nicht die zwar faszinierende und spannende Geschichte der Queen Mary 2 – die noch immer Hundertausende bei der Einfahrt in Hamburg in ihren Bann zu ziehen vermag – erzählen, sondern vielmehr hinter die Kulissen blicken. Hinter die Menschen, die auf der Queen Mary 2 ein paar Tage, ein paar Monate oder ihr halbes Leben verbringen. 24 Porträts, 24 Geschichten, 24 Erinnerungen und 24 spannende Beiträge über Menschen die von der Queen Mary 2 faszinieret sind und diese Faszination auch auf die Leserinnen und Leser von «Leben mit einer Königin – Vom Alltag an Bord der Queen Mary 2» übertragen können.

Taufpatin: Ihre Majestät Königin Elisabeth II

Die Hamburgerinnen und Hamburger lieben ihre Queen Mary 2 und Cunard liebt Hamburg. 400’000 Menschen bereiteten der Königin der Meere am 19. Juli 2004 (die Taufe fand am 8. Januar 2004 durch ihre Majestät, Königin Elisabeth II statt) bei ihrem ersten Anlauf im Hamburger Hafen einen königlichen Empfang. Seither läuft das Schiff mehrmals im Jahr in Hamburg ein und immer wieder stehen unzählige Fans am Hafen und an der Elbe. Einige Male legte sie auch auf der Werft im Hamburger Dock an, um sich einer Schönheitskur zu unterziehen. Mal kleinere «Operationen», mal grössere wie zuletzt im Sommer 2016 mit Auslagen von 100 Millionen Euro. Bei Blohm + Voss erhielt die Queen Mary 2 vor vier Jahren 35 neue Balkonkabinen, neue Farben und Teppiche, neue Restaurant und anderes mehr.

“An Land ist meine Frau der Kapitän”

Auto Manfred Ertel schreibt in seinem Buch, dass die Queen Mary 2 ein besonderes Schiff sei um neue Kulturen zu entdecken, für neue Begegnung und neue Freundschaften. «Sie lässt die Menschen die Zeit vergessen. Und Menschen zusammenkommen.» Von diesen Menschen erzählt der Autor in seinem Buch und beginnt natürlich gleich mit dem Chef der Queen Mary 2, dem Kapitän. Christopher Wells war einst der jüngste Schiffsführer bei Cunard, der ein so grosses Schiff kommandieren durfte. Inzwischen hat er alle drei Königinnen befehligt, die Elizabeth, Victoria und aktuell die Queen Mary 2. Manfred Ertel erzählt, dass Master Wells unter den Kapitänen das sei, was man auf der Rockbühne gerne eine Rampensau nenne. Aber nur auf dem Schiff. Denn zu Hause hat auch noch 20 Jahren Ehe noch immer das Gewicht, was seine Frau sagt. «An Land ist meine Frau der Kapitän, da bin ich nur noch Gärtner und Daddy-Chauffeur für die Kinder.»

Bei Cunard hat seit unzähligen Jahren der Beruf des Gentleman Dancers Tradition. John Anthony Hilton ist einer von ihnen. Er fordert alleine reisende Frauen beim Tanztee oder auf den abendlichen Bällen zum Tanz auf. Und man mag es kaum glauben, Männer wie er haben Konjunktur. Männer wie er haben allerdings eine Herausforderung noch nicht gelöst, nämlich den Umgang mit schwulen Männern, bei denen Kreuzfahrten und vor allem die Transatlantikpassagen mit der Queen Mary 2 immer beliebter werden. Wie John Hilton und seine Kollegen, die mit Jung und Alt, Gross und Klein, Dick und Dünn ohne Unterschied tanzen, aber eben nicht mit schwulen Männern, diese Herausforderung lösen, Manfred Ertels Buch verrät es.

Nancy will ihren Kindern auf den Philippinen eine bessere Zukunft bieten

Seit elf Jahren arbeitet Nancy inzwischen an Bord der Queen Mary 2 als Zimmermädchen. Dies obwohl zu Hause auf den Philippinen ihre fünf Söhne zwischen 13 und 20 Jahren leben. Neun Monate auf dem Schiff, dann drei Monate zu Hause. «Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich meine Kinder verlassen muss», erzählt Nancy im Buch. Auch ihr Mann kann die Lücke zu Hause nicht ausfüllen, denn auch er arbeitet auf dem Luxus-Schiff, im Spezialitätenrestaurant. Wer das verstehen will, muss wissen, dass rund ein Viertel der 100 Millionen Philippinos in Armut und Arbeitslosigkeit leben. Nancy widerspricht denn auch all jenen, die immer wieder von Ausbeutung der Arbeitskräfte auf Kreuzfahrtschiffen sprechen. Als einfaches Zimmermädchen verdient Nancy 1’500 Euro, bei freier Kost und Logis. «Ich habe viele Träume für meine Kinder und meine Familie, ich möchte nichts anderes machen. Wir wollen unseren Kindern eine bessere Zukunft bieten, sie sollen es einmal besser haben als wir.» Ins gleiche Horn stösst auch der Inder Stanley Williams, Chef im Britannia-Restaurant: «Solange ich auf dem Schiff bleibe, haben wir ein besseres Leben.»

Ich habe für Stars und Majestäten gekocht, aber für mich ist jeder Gast gleich

Nicholas Oldroyd ist Küchenchef auf der Queen Mary 2 und damit Herrscher über zwölf Restaurant, Snackbars und Imbissstationen sowie über 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 140 Köche aus acht verschiedenen Ländern. «Ich habe für Stars gekocht, für Majestäten, aber für mich ist jeder Gast gleich», erzählt er «und am Ende zählt nur, dass allen schmeckt, was ich koche, jedem Einzelnen.» Sein Zwillingsbruder Mark arbeitet auch als Küchenchef bei Cunard, allerdings bei der Konkurrenz, auf der Queen Victoria. Welche Küche ist die bessere? Die Antwort gibt’s im Buch von Manfred Ertel.

Kreuzfahrt günstiger als Altersheim

Ein weiteres Porträt ist der attraktiven, blonden Fünfzigjährigen Andrea Kulik gewidmet, die alleine jährlich zwei bis drei Mal auf den Weltmeeren unterwegs ist. «Ich fühle mich auf dem Schiff als allein reisende Frau sicher und es ist schön, sein Hotel mitzunehmen und die Koffer immer dabei zu haben.» Manchmal werde sie allerdings schon neugierig beguckt, wenn sie beispielsweise mit Männer spreche. Die Blicke sprechen dann Bände: «Hat sie jetzt einen?». Sie wisse das, erzählt sie dem Buch-Autor, aber sie habe damit leben gelernt und blende Vorurteile einfach aus.

Es gäbe noch viel über die spannenden Geschichten der Menschen auf der Queen Mary 2 zu erzählen. So beispielsweise über jene der 88-jährigen Claire, die nicht mehr so gut hört und auch nicht mehr so flink auf den Füssen ist. Sie verbringt ihre Tage nicht in einer teuren Seniorenresidenz, sondern auf Kreuzfahrten, am liebsten auf der Queen Mary 2, denn eine Weltreise kommt für Claire wohl günstiger als das nobelste und edelte Altersheim. Weitere Geschichten erzählen von Bridge das die Welt sein soll, einer Prinzessin im Bermuda Dreieck, wo man springende Fische ganz anders erlebt und vom Stolz, ein Ausländer zu sein.

«Leben mit einer Königin – Vom Alltag an Bord der Queen Mary 2» ist in allen guten Buchhandlungen oder natürlich online erhältlich. 192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 24 x 26 cm, 192 Seiten mit vielen Farbfotos. 24.95 Euro.

Zum Autor: Manfred Ertel ist 1950 in Hamburg geboren und reiste fast 39 Jahre lang als politischer Journalist und Redakteur des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL durch die Welt. Wenn er nicht unterwegs ist, lebt er mit seiner Frau auf St. Pauli – in Sicht- und Hörweite zu den Anlegern im Hamburger Hafen und dem Tuten der Fähren, Barkassen und Kreuzfahrtriesen. Inzwischen ist der Reise- und Fußballfan freier Autor für verschiedene Zeitungen und Buchverlage. Zuletzt erschien im Herbst 2016 seine autobiographische Abrechnung mit der Entwicklung im Profifußball „Hört die Kurve“.

2015 feierte Cunard das 125-jährige Bestehen der Reederei. Aus diesem Anlass veröffentlichte der Koehler-Verlag ein Buch über die Geschichte der vielen Königinnen der Meere. Am 4. Juli 1840 brach die Britannia zur ersten Fahrt über den Atlantik auf – viele weitere Cunardschiffe schlossen sich an, so auch das heutige Flaggschiff, die Queen Mary 2, die einen großen Beitrag zum Kreuzfahrtboom in Deutschland beigetragen hat. Aber nicht nur auf die Gegenwart ist man bei Cunard stolz, sondern auch auf die glorreiche Vergangenheit und die Tradition der Reederei: Die Cunard Line ist untrennbar verknüpft mit der Auswanderung von Millionen Emigranten von der Alten in die Neue Welt, der Rettung der überlebenden Passagiere der Titanic, dem Prunk der Goldenen Zwanziger Jahre, den Geschehnissen zweier Weltkriege, dem Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre, den Swinging Sixties und auch mit der Fortführung der klassischen Kreuzfahrt. Wunderschöne, vorrangig historische Fotos sowie eine Flottenliste aller 248 Schiffe, die in 175 Jahren für die Reederei auf den Meeren unterwegs waren, komplettieren dieses Buch zum Jubiläum der Cunard Line. Verfasst wurde es von Ingo Thiel einem langjährigen Kenner von Cunard.

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  2. […] erfahren möchte, vor allem über Menschen die auf und mit der Queen Mary 2 leben, dem sei das Buch “Leben mit einer Königin – Vom Alltag an Bord der Queen Mary 2” von Manfred Ertel […]

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