Expeditions Kreuzfahrten lassen keinen Spielraum für Experimente

Mit der Veröffentlichung der neuen Reisen für den Zeitraum 2020-2021 für die Expeditionsflotte gibt Hapag-Lloyd Cruises bekannt, dass auf allen Expeditionsschiffen ab Juli 2020 ausschließlich das schadstoffarme Marine Gasöl (MGO) verwendet wird (Graf Hapag-Lloyd Cruises)

Expeditions-Reisen liegen im Trend. Mit den kleinen, wendigen Schiffen erleben max. 300 Passagiere die schönsten Natur- und Tiererlebnisse in abgelegenen, unbekannten und schönen Destinationen wie Arktis, Antarktis oder auch dem Amazonas. Nicht weniger als 20 neue Expeditions-Schiffe sind bis 2020 geplant, was aber nur rund 6’000 zusätzlichen Passagieren – also etwa gleich viel wie ein einziger der gigantischen Mega-Liner beherbergt – entspricht. Trotzdem warnt Karl J. Pojer, Chef von Hapag-Lloyd Cruises und Marktkenner: «Expeditions Kreuzfahrten lassen keinen Spielraum für Experimente.»

Von Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Während vielen Jahren hat sich die Flotte der eisverstärkten Expeditionsschiffe praktisch nicht verändert. Es gab ein gutes, aber nicht grosses Angebot an meist älteren Schiffen, die sich ihren Platz vor allem in den Polarregionen gesichert haben. Einzig die immer wieder renovierten und erneuerten Expeditionsschiffe von Hapag-Lloyd Cruises und Silversea Cruises machten den älteren Schiffen Konkurrenz, wenn auch mit deutlich teureren Reisen. Nun kommt Bewegung in den Markt. Bis ins Jahr 2020 sind nicht weniger als 20 neue Polar-Schiffe geplant. Darunter solche mit eher grenzwertigen Gadgets wie einem Helikopter an Bord oder U-Booten.

Neue Expeditionsschiffe von Silversea bis Ponant

Für Silversea Cruises sind aktuell vier Expeditionsschiffe unterwegs, die Silver Cloud, Silver Galapagos, Silver Explorer und Silver Discoverer. Die Silver Discovererr wurde allerdings kürzlich an CrosiEurope verkauft. Ab 2020 kommt mit der Silver Origin ein weiteres Schiff für max. 100 Passagiere hinzu, das exklusiv in der Natur- und Tierwelt der Galapagos Inseln unterwegs sein wird.

Auch für die Galapagos Inseln erhält Celebrity Cruises mit der Celebrity Flora ein neues Schiff, die in diesem Jahr erstmals unterwegs sein wird. Ein weiteres Schwester-Schiff ist in Planung und wird die Flotte der Xpedition, Xperience und Xploration ergänzen.

Ab 2019, 2020 und 2021 erkunden für die Reederei Hurtigruten MS Roald Amundsen, MS Fridtjof Nansen und das noch nicht benannte Schwesterschiff einige der entlegensten Gebiete unseres Planeten. „Die Schiffe werden eine neue Ära der Expeditionskreuzfahrt einläuten. Umweltfreundliche Technologie kombiniert mit erstklassigem Komfort, die einzigartige Hurtigruten Atmosphäre und hervorragende kulinarische Erlebnisse werden es unseren Gästen ermöglichen, das Beste aus ihrem persönlichen Abenteuer zu machen“, so  Hurtigruten CEO Daniel Skjeldam.

Bereits vier eisverstärkte Mega-Luxus-Yachten betreibt die französische Reederei Ponant. Sie hat sechs zusätzliche Expeditionsschiffe für jeweils 180 Gäste bestellt, wobei die Hälfe bereits in Betrieb ist. Es folgenden noch Le Dumont-d’Urville in diesem sowie im nächsten Jahr Le Bellot und Le Jacques Cartier. 2021 folgt mit der Le Commandant Charcot der erste Luxus-Eisbrecher.

Neben diesen in Europa bekannten Reedereien sind weitere Expeditions-Schiffe unter anderem von Coral Expeditions, Lindblad Expeditions, Seabourn Cruises, Crystal Cruises, Oceanwide Expeditions, Scenic und Mystic geplant.

Veränderungen auch bei Hapag-Lloyd Cruises

Marktführer im deutschsprachigen Raum ist unbestritten Hapag-Lloyd Cruises. Auch bei dieser Reederei sind grosse Veränderungen angesagt. Im Herbst 2018 hat die Hanseatic die Flotte verlassen und 2021 geht auch das beliebteste Expeditionsschiff der Reederei, die MS Bremen und wird an die Schweizer Scylla verkauft. Aber die Nachfolge ist bereits geregelt. Kürzlich hat die Reederei mit der Hanseatic nature das erste neue Expeditionsschiff in Betrieb genommen, der im Herbst die Hanseatic inspiration folgt und 2021 die Hanseatic spirit. Die drei neuen Schiffe werden, so Karl J. Pojer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Cruises, Expeditions Kreuzfahrten auf ein neues Level heben. Die Schiffe vereinen die Ansprüche heutiger Expeditionskreuzfahrer mit den Komfort-Ansprüchen der neuen Kunden aus dem gehobenen Segment. Anlässlich einer Besichtigung der Hanseatic nature in Hamburg erklärte Pojer, das auch mit den geplanten neuen Expeditionsschiffen aller Reedereien 2020 das Nachfrage Potential dreimal so hoch sein werde, wie das verfügbare Angebot. «Allerdings» und damit gab es einen kleinen Seitenhieb an Anbieter ohne Expeditions-Hintergrund «lassen Expeditions Kreuzfahrten keinen Spielraum für Experimente.» Die Hapag-Lloyd Kapitäne verfügen über viele Jahre Erfahrung und Wissen in diesem Gebiet, wie auch die Routen-Planer in der Hamburger Zentrale. «Wir verfügen über das Know-How, eine langjährige Erfahrung mit Expeditions-Kreuzfahrten und damit über einen deutlichen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern», so Pojer.

Keine Helikopterflüge und U-Boot Reisen

Hapag-Lloyd liegt aber vor allem auch die Natur sehr am Herzen; das Schützen und Bewahren der Destinationen. Ab Juli 2020 werden die Expeditionssschiffe ausschließlich das schadstoffarme Marine Gasöl (MGO) verwenden (in Arktis und Antarktis* setzt Hapag-Lloyd schon seit 1993 auf freiwilliger Basis Marine Gasöl ein). «Der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Umwelt hat für uns immer höchste Priorität. Die Entscheidung, sukzessive unseren Treibstoff umzustellen und künftig ganzjährig auf allen Routen der Expeditionsflotte Marine Gasöl einzusetzen, ist für uns daher ein richtiger und wichtiger Schritt auf diesem Weg“, so Karl J. Pojer. Aber die Reederei geht noch weiter. So wird ein neuer Katalysatortyp den Ausstoss von Stickoxid um 95 Prozent verringern.

Hapag-Lloyd verzichtet aber auch ganz bewusst auf umweltschädliche Angebote wie Helikopterflüge von Bord aus oder Tauchgänge mit U-Booten, wie sie von Mitbewerbern angeboten werden. Sauberes Wasser wird über die bordeigene Meerwasserentsalzungsanlage produziert und biologische Kläranlagen reinigen das Abwasser. Abfall und Klärschlamm wird fachgerecht an Land entsorgt. Fast schon ein wenig genervt erklärt der Hapag-Lloyd Chef: «Plastikmüll hat nichts mit Kreuzfahrt zu tun. Die Kreuzfahrt hat die strengsten Regeln was Müllentsorgung betrifft. Wir verschmutzen die Meere nicht. Wir haben die Systeme, wir haben die Auflagen und wir haben die Regeln.»

Boom für Expeditions Kreuzfahrten geht weiter

Eines ist sicher: Statt Reisezielen im Mittelmeer, Ostsee und Karibik, werden Expeditions-Kreuzfahren in Arktis, Antarktis und den Amazonas an Interesse weiter gewinnen. Und wenn es den Reedereien gelingt, dabei genügend auf Natur und Tiere Rücksicht zu nehmen, so wird der Boom noch viele Jahre anhalten. Und wie es Karl J. Pojer abschliessend sagt: «Wir kreieren Momente die bleiben. Wir verkaufen keine Kabinen und Suiten, sondern Erlebnisse und Emotionen.»

* Weil die Antarktis über keine eigene staatliche Verwaltung verfügt, wurde 1991 die International Association of Antarctic Tour Operator (IAATO) gegründet. Sie hat ein Regelwerk zum Schutz der Region und Tiere aufgestellt, das beispielsweise je nach Region die Zahl der Passagiere pro Landgang auf 100 und die anlandenden Schiffe auf zwei pro Tag beschränkt. Die Schiffe dürfen auch nicht mit Schweröl betrieben werden. Leider – noch – keine solchen Vorschriften gelten für die Arktis.




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