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Filipinos waren stets gut drauf, obwohl sie die miesesten Arbeitsverträge von allen hatten

Reise- und Kreuzfahrt-Blogger Daniel Dorfer

Heute im Sonntags-Interview: Daniel Dorfer, DJ, Ex-Crew-Member und Kreuzfahrt-Reise-Blogger

Daniel Dorfer *: Vor zehn Jahren hast Du erstmals eine Kreuzfahrt unternommen. Welche Erinnerung hast Du an Deine erste Reise auf dem Meer?

Zuerst einmal war es ein unglaublicher Anblick der mich gleich im Hafen auf Jamaika in seinen Bann zog. Wie kann dieser Koloss aus Stahl nur auf dem Wasser schwimmen? Und dabei war die AIDA Aura mit nur 1600 Passagieren noch eines von den kleineren Kreuzfahrtschiffen. Eine Woche nördliche Karibik, fast jeden Tag ein neuer, exotischer Hafen, an den Seetagen lockere Unterhaltung an Bord und das alles in einem schwimmenden Hotel mit großartiger Küche. Die Kreuzfahrt als faszinierende Art des Reisens hatte mich umgehend in seinen Bann gezogen. Da wollte ich mehr und ergriff die Chance…

Du verdienst Deine Brötchen hauptberuflich als DJ bei Privat- und Firmenanlässen im Raum München-Oberbayern und hast in dieser Tätigkeit auch einige Zeit auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Wann und auf welchem Schiff war das und wodurch unterscheidet sich die Arbeit eines DJ auf einem Kreuzfahrtschiff von der an einem Anlass an Land?

2009 und 2010 habe ich auf zwei Touren für insgesamt 117 Tage als DJ an Bord der AIDA Vita angeheuert. Die Tätigkeit als Discjockey auf Kreuzfahrt und damit als Teil des Animationsteams ist körperlich durchaus fordernd und beinhaltet nicht nur tägliche Auftritte mit verschiedenen musikalischen Themen. Eine große Bandbreite, Flexibilität und viel Erfahrung sind wichtig, ebenso der sichere Umgang mit dem Mikrofon und dem Publikum.

Der wohl größte Unterschied zur Arbeit als DJ an Land ist, dass die Passagiere an Bord in der Regel in bester Urlaubsstimmung sind, die Bordkarte dabei locker sitzt und man ausgelassen feiern will. Aber wohin sollen Sie auch sonst gehen, wenn das Schiff auf Hoher See ist?

Daniel Dorfer: Du kennst die Kreuzfahrt somit nicht nur als Passagier, sondern konntest auch einige Blicke hinter die Kulissen werfen. Wie lebt es sich als Crew-Mitglied, was ist Dir positiv aufgefallen, was eher negativ?

Als Teil der Crew an Bord eines Kreuzfahrtschiffes bist Du rund um die Uhr verfügbar und wirst daher auch für Arbeiten eingesetzt, die nicht explizit in Deinem Arbeitsvertrag stehen. So musste ich etwa Spalier stehen um die Gäste Abends zum Essen zu empfangen, beim wöchentlichen Passagierwechsel am Check-In-Schalter arbeiten oder für diverse Aktionen der Bordfotografen in Kostüme schlüpfen und mich mit den Passagieren fotografieren lassen – als Weihnachtsmann in der Karibik kommst Du ganz schön in Schwitzen, das kann ich Dir sagen! All das soll man natürlich gut gelaunt tun und die Standardantwort auf Wünsche seitens der Gäste war immer „Ja, gerne!“. Das fällt nicht immer leicht…

Besonders gut fand ich den Zusammenhalt in der Crew, insbesondere die Filipinos waren stets gut drauf, obwohl sie die miesesten Arbeitsverträge von allen hatten. Zwölf Monate pausenlos Dienst an Bord, teilweise nur zum Duschen und Schlafen auf einer Kabine unter Deck, in der sich zwei Menschen sechs Quadratmeter teilen. Dank meiner nächtlichen Tätigkeit hatte ich zwar nur einmal Zeit für eine Crewparty, aber da ging es wirklich ab. Allerdings war das noch vor dem Alkoholverbot für Crewmitglieder an Bord.

Toll waren auch die Landausflüge, die seitens der Crew abseits der üblichen Ausflugsrouten organisiert wurden. Eine Fahrt zu elft mit dem Speed Boot von St. Martin nach St. Barth bleibt mir da als ganz besonderes Highlight im Kopf.

Welches Kreuzfahrtschiff bzw. welche Reederei bevorzugst Du heute für Deine privaten Reisen mit Deiner Frau und bald auch Deiner kürzlich geborenen Tochter?

Aktuell steht MSC ganz hoch im Kurs. Auf der MSC Preziosa verbrachten wir letztes Jahr unsere Flitterwochen und meine Frau war sehr angetan von der hervorragenden italienischen Küche und dem Entertainment an Bord.

Ich selbst bin da offen und vor allem neugierig was andere Reedereien und deren Kreuzfahrtschiffe, aber auch was ausgefallene Routen mit kleineren Häfen betrifft.

Sollte es irgendwann einmal mit meiner kleinen Tochter auf Kreuzfahrt gehen, würde ich eine deutschsprachige Reederei bevorzugen. Doch zu guter Letzt entscheidet dann doch der Preis, wenn man die komplette Reise selbst bezahlt und nicht eingeladen wird.

Du betreibst seit vielen Jahren auch einen Reiseblog, bei dem es aber nicht nur um Kreuzfahrten, sondern auch viele andere Arten des Reisens geht. Wie kamst Du auf die Idee den fernwehblog.net zu starten, wie viel Zeit wendest Du für Deinen Blog auf?

Meine Zeit an Bord der AIDA Vita war ausschlaggebend dafür, denn ich wollte der Familie und meinen Freunden zuhause zeigen was ich so erlebe auf meinen Reisen. Nachdem die Besucherzahlen aber stetig stiegen und ich nicht nur auf Kreuzfahrt unterwegs war, wurde da ein wenig mehr draus. Die Malediven, Hawaii oder einfach nur Bella Italia – es gibt noch so viele schöne Flecken auf dieser Erde, davon will ich persönlich noch einiges selbst sehen und erleben um dann auch in Wort und Bild darüber zu berichten.

Eigentlich möchte ich wöchentlich einen Blogbeitrag posten, komme aber aus akutem Zeitmangel nicht immer dazu, auch wenn noch genug Material auf der Festplatte schlummert. Wenn man die Tätigkeit in den Sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter dazu rechnet sind es im Schnitt locker zehn Stunden pro Woche, ganz ohne dafür bezahlt zu werden.

Mittlerweile bin ich unter anderem Mitglied in der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten und werde immer öfter für andere Publikationen angefragt, was die Zeit für den eigenen Blog ein wenig einschränkt, aber auch viel Spaß macht.

Welches ist Dein persönliches Kreuzfahrt-Highlight, Daniel Dorfer?

Eine Woche mit der „NCL Pride of America“ durch die Gewässer von Hawaii zu kreuzen war definitiv das bisherige Highlight. So eine Reise leistet man sich nur zu besonderen Anlässen und mein 40. Geburtstag stand ganz im Zeichen von Hawaii. Ein absoluter Traum wäre noch eine Kreuzfahrt unter weißen Segeln oder einmal um die Welt an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, aber letzteres muss nun wohl erst einmal ein wenig warten…

* Daniel Dorfer über sich: Als ehemaliger DJ auf Kreuzfahrt schreibe ich in meinem Reise- und Kreuzfahrtblog gerne von meiner Zeit an Bord und natürlich von all den anderen Reisen und Kreuzfahrten, die ich nach dieser Zeit unternommen habe. Pro Jahr kommt mindestens eine Kreuzfahrt dazu und auch bei den diversen Städtereisen sammle sich so einiges an Wissen für individuelle Landgänge auf eigene Faust. Obwohl ich in den Bergen Bayerns meine Heimat habe, fühle ich mich seit meiner Kindheit sehr zum Meer hingezogen. Kreuzfahrten sind für mich daher die schönste Art zu reisen, am liebsten zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter.

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