Santa Maria del Casale – Juwel an Schönheit und Farben in Brindisi

Zu den schönsten Fresken In der Kirche Santa Maria del Casale in Brindisi zählt der Lebensbaumau dem 14. Jahrhundert (Bild Stieger)

Wer Kirchen, Klöster und Kathedralen mag, der mag Brindisi. Brindisi ist die älteste Stadt in der Region Apulien und hat viele, viel sakrale Sehenswürdigkeiten. Eine davon – und wahrscheinlich die bezauberndste – ist die Kirche Santa Maria del Casale. Um das Juwel an Schönheit und Farben mit ihren bezaubernden Fresken ranken viele Geschichten und Legenden. Eine davon handelt vom heiligen Franz von Assisi. Dieser soll die Kirche auf seinem Weg vom heiligen Land besucht und dabei Bekanntschaft mit einer wunderschönen Madonna geschlossen haben. Der Bekanntschaft stand nur eine Spinne im Weg, die sich seinen Wünschen allerdings beugte. Brindisi ist auch eine Station im Jules Vernes Roman Reise um die Erde in 80 Tagen.

Von Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Die fünf Provinzen der Region Apulien befinden sich alle im Stiefelabsatz Italiens. Bari ist die Hauptstadt, während Brindisi mit seinen gut 90‘000 Einwohnern die älteste Stadt der Region ist. Brindisi hat einen der grössten Häfen und wird oft auch als „Tor zum Osten“ oder „Tor zum Orient“ bezeichnet, da das griechische Korfu mit dem Schnellboot in knapp drei Stunden erreichbar ist. 60 Millionen Oliven Bäume lieben die bis zu 46 Grad Wärme in den Sommermonaten. Die Bevölkerung lebt ausserdem vom Anpflanzen von Artischocken, gelben Melonen und Wein. Die bekannte Rebsorte Negromaro wird unter anderem auch vom bekannten Sänger Al Bano in der Region angebaut. Die Hauptbeschäftigung finden aber viele Einheimische von Brindisi im Hafen.

Ein Juwel der romanisch-gotischen Epoche – S. Maria del Casale

So genau weiss man es nicht, aber man vermutet, dass die romanisch-gotische Kirche Santa Maria del Casale Endes des 13. Jahrhunderts in Brindisi erbaut wurde. Ziemlich sicher ist, dass es schon vorher eine kleine Kapelle zu Ehren der Jungfrau von Casale (Name eines Stadtteils von Brindisi) gab. Errichtet wurde die Kirche von Philip I., Prinz von Tarent, der nach der Legende mit dieser Stiftung Vater eines Sohnes werden wollte. Dieser Wunsch ging in Erfüllung – ob mit göttlicher Unterstützung oder nicht, wer weiss es? Auf dem Weg ins heilige Land wie auch auf dem Rückweg von den Kreuzzügen kamen viele Kreuzritter in der Kirche Santa Maria del Casale vorbei, um die göttliche Gunst zu erbitten. Nach Überlieferungen, die allerdings nicht abgesichert sind, sollen in Brindisi auch Templer Prozesse stattgefunden haben. 1311 gewährte Papst Klemens V. allen Ablass ihrer Sünden, die am 8. September die Kirche Santa Maria del Casale besuchten. Seitdem ist die Kirche in Brindisi Wallfahrtsort für Pilger.

Legende vom hl. Franz von Assisi und der Spinne

Auch der Heilige Franz von Assisi besuchte auf einer Reise Santa Maria del Casale vorbei. Dabei entdeckte er eine wunderschöne Freske der Jungfrau Maria über die eine Spinne ihr Netz gesponnen hatte. Der Heilige Franziskus soll darauf die Spinne angesprochen und ihr klar gemacht haben, dass dies nicht passend sei und sie ihr Werk doch bitte entfernen möchte. Selbstverständlich soll die Spinne – so die Legende – seinem Wunsch unverzüglich nachgekommen sein.

Darstellung des Jüngsten Gerichts und Lebensbaum

S. Maria del Casale wurde im Lauf der Jahre immer wieder restauriert und renoviert. So sind viele der wunderschönen Fresken noch sehr gut erhalten. Zu früheren Zeiten, war allerdings noch das gesamte Innere der Kirche mit Fresken bedeckt. Zu den schönsten Fresken zählt die Darstellung des jüngsten Gerichts von Rainald von Tarent und das Lebensbaum-Fresko aus dem 14. Jahrhundert. Santa Maria del Casale ist – ohne zu übertreiben – ein beeindruckendes und faszinierendes Juwel an Farben und Schönheit.

Ein weiteres Schmuckstück in Brindisi, versteckt in der Altstadt, ist die Kirche San Giovanni al Sepolcro (Kirche des Heiligen Johannes zum Grab). Die Kirche wurde 1128 von Ritterorden vom Heiligen Grab errichtet. Die heilige Stätte wurde als eine Kopie des Rundbaus der Grabeskirche von Jerusalem erbaut. Die Kirche wurde später von der Stadt übernommen und stellt die enge Beziehung zwischen der Stadt Brindisi und dem Heiligen Land während der Kreuzzüge dar.  Die nicht sehr gut erhaltenen Fresken in der Kirche S. Giovanni al Sepolcro wurden deutlich später gemalt, man geht davon aus, dass dies zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert geschehen ist. Es gibt Fresken die zur byzantinischen Tradition gehören, aber auch modernere.

Virgil Treppe zu Ehren des Dichters Virgil

Ein weiteres Highlight der Stadt ist die im 18. Jahrhundert errichtete romanische Kathedrale San Giovanni Battista. Im Inneren der Kathedrale können die Besucher an Ende des linken Seitenschiffs und um den Hochaltar Reste des früheren Mosaikbodens bewundern. Das eigentliche Symbol der Stadt Brindisi ist die antike Marmor Säule bei der Virgil Treppe. Diese Treppe – ähnlich der Spanischen Treppe in Rom, aber natürlich nicht so berühmt – wurde zu Ehren des altrömischen Dichters Virgil errichtet, der dort im Jahr 19 vor Christus starb. Brindisi und auch die gesamte Region Apulien haben aber natürlich noch viel, viel mehr zu bieten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

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