Schlagerfans lassen mit Stars auf See die Costa Victoria beben

Stimmung pur - auch im Pool - an der Stars auf See (Bild Stieger)

Zum zweiten Mal hieß es vom 5. bis 12. Oktober Leinen los für den Schweizer Schlagerliner. Diesmal allerdings nicht nur mit Schlager, sondern auch mit Vertretern von Pop und Volksrock, deshalb auch nicht mehr Schlagerwelle, sondern Stars auf See. 1‘250 Schlagerfans liessen die Costa Victoria erbeben und sorgten für eine Riesenstimmung mit Stars wie Maite Kelly, Francine Jordi, Vincent Gross und DJ Ötzi. Mit der sehr gut gelungenen Routenauswahl hatte Veranstalter Hotelplan Destinationen abseits der bekannten Kreuzfahrt-Rennstrecken ausgesucht und so gab es kleine Bijous wie Saranda, Brindisi oder Argostolion auf Kefalonia zu entdecken. Das Fazit der meisten Passagiere war ganz klar: Wir freuen uns auf die nächste Stars auf See.

Von Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Viele Monate lang haben Marco Strub und sein Team von der Hotelplan-Kreuzfahrten Abteilung die diesjährige Stars auf See Musikkreuzfahrt geplant und vorbereitet. Am 5. Oktober war es endlich soweit. 1‘250 Schlagerfans starteten in Venedig zur Kreuzfahrt entlang der adriatischen Küste. Damit war die Costa Victoria nicht ganz ausgebucht, bietet das Kreuzfahrtschiff doch bei Vollbelegung 1‘928 Gästen Platz. Trotzdem sehr zufrieden erklärte Mit Organisator Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe.„Sie erwartet eine Woche voller guter Musik, aussergewöhnlichen Stars, tollen Destinationen und vielen weiteren Highlights“. Blick und Sonntags-Blick hatten das Patronat der Stars auf See übernommen und berichteten auch täglich von Bord, so beispielsweise über den Überflieger an Bord Vincent Gross oder Kreuzfahrt mal Anders mit Thomas Anders.

Note 6 für die Route

Nachdem die Schlagerwelle im Frühling 2018 noch auf der deutlich kleineren Celestyal Olympia stattgefunden hatte, richteten die Organisatoren in diesem Jahr mit der grösseren Kelle an. Als Heim für die Stars auf See diente die Costa Victoria und das Schiff hielt, was die Reederei verspricht: Italy‘s Finest. Wer das erste Mal auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs war, der dürfte dies sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein und wer schon Kreuzfahrten unternommen hat, dem dürfte die Costa Victoria zweifellos gefallen haben. Ein ausführliches Portrait über die Costa Victoria gibts hier.

Was mir besonders an dieser musikalischen Kreuzfahrt gefallen hat, ist nicht nur das künstlerische Programm, sondern vor allem die Route. Nach über 35 Kreuzfahrten hatte ich es mit dieser Reise geschafft, in keinem einzigen (Ausnahme der Start- und Zielhafen Venedig) Hafen anzulegen, den ich schon früher einmal besucht hatte. Hier gibt es ganz klar die Note 6 (für meine deutschen Leserinnen und Leser – in der Schweiz ist die 6 die beste Note). Und so habe ich denn natürlich in Brindisi, Argostoli, Saranda, Kotor und Split einen Ausflug mitgemacht, um die Sehenswürdigkeiten der Region – wenn auch nur kurz – kennenzulernen. Und auch hier gilt: Hut ab vor der Organisation. Trotz jeweils bis zu zehn Bussen ging es äusserst zügig von Bord. Die Organisation klappte perfekt. Und fünf Ausflüge für gesamthaft 199 Euro (Dauer jeweils 3.5 bis 4.5 Stunden) ist – so finde – ich ein durchaus akzeptabler Betrag.

Schon Maria Callas sang einst in den Drogaratihöhlen

Brindisi/Italien: Nach einem Seetag haben wir Brindisi erreicht. Im apulischen Brindisi lohnt vor allem die Kirche Santa Maria del Casale aus dem 13. Jahrhundert einen Besuch. Hier war schon der Heilige Franz von Assisi zu Besuch und hatte eine unheimliche Begegnung mit einer Spinne. Worum es sich dabei handelt, kann man im Blog nachlesen. Die römischen Säulen von Brindisi, die Virgil-Treppe (ähnlich der Spanischen Treppe in Rom), die Kirche San Giovanni al Sepolcro mit ihrem schön verzierten Marmorportal und die romanische Kathedrale sind weitere Sehenswürdigkeiten im Ort.

Argostoli/Kefalonia: Am nächsten Tag erreichten wir Argostoli und steigen in den „Bauch“ der griechischen Insel Kefalonia. Die rund 150 Millionen alten Drogaratihöhlen wurden vor 300 Jahren entdeckt und sind seit 1963 für Besucher zugänglich. Die Drogaratihöhlen mit ihren unzähligen Stalaktiten und Stalagmiten ziehen jeden Besucher unweigerlich in ihren Bann.  Im grössten Raum mit seinem phantastischen Klang, den man auch das „Zimmer der Apotheose“ nennt, sang sogar einst Operndiva Maria Callas. Abschluss des Ausflugs bildeten ein Besuch des wunderschönen Strandes von Myrtos und das kleine Fischerdorf Agia Efimia an der Ostküste Kefalonias.

Albanien ist neues Ziel für Kreuzfahrtschiffe

Saranda/Albanien: Albanien zählt ohne Zweifel – noch – nicht zu den Tourismus Hochburgen. Das könnte sich aber in den nächsten Jahren ändern. Erste Reedereien, so eben auch Costa, legen auf ihren Adria Routen schon in Saranda an. Die Region bietet 300 Sonnentage, zahlreiche wunderschöne Sandstrände und türkis blaues Wasser. Und Saranda ist ein preisgünstiges Reiseziel. Einziger grosser Nachteil: Noch hat Südalbanien keinen eigenen Flughafen, was sich aber gemäss unserem Reiseleiter ändern soll. Wer mit einem Kreuzfahrtschiff in Saranda anlegt, sollte unbedingt die Archäologische Stätte Butrint besuchen. Butrint vereinigt Archäologie und unbefleckter Natur. Highlights sind das 22-stufige Theater aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, wo noch heute Veranstaltungen für bis zu 2‘000 Besucher stattfinden. Die griechische Akropolis, römische Ruinen, öffentliche Bäder, ein Gotteshaus und ein Taufstein sind weitere Highlights. Einen ausführlichen Bericht über Butrint findest Du hier.

Bezaubernde Insel St. Marien auf den Felsen

Kotor/Montenegro: Kotor ist zweifellos die bekannteste Destination der Stars auf See Musikkreuzfahrt. Unser Reiseleiter hat erzählt, dass hier jährlich bis zu 500 Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die 15 Meter hohen Mauern, die die Stadt auf einer Länge von 4.5 Kilometer umgeben, reichen bis zu der 280 Meter über dem Meeresspiegel emporragenden Festung Sveti Ivan. Ich habe mir aber nicht Kotor angeschaut, sondern bin mit einem kleinen Boot durch den einzigen und grössten Fjord am Mittelmeer – mit bis zu 1‘800 Meter hohen Felswänden – zur Insel St. Marien auf den Felsen gefahren. Der Legende nach wurde die Insel im Laufe der Jahrhunderte aus alten, versunkenen Schiffsteilen um einen kleinen Felsen herumgebaut. In der malerischen Kapelle St. Marien auf dem Felsen sind 68 farbenfrohe Gemälde des Peraster Künstlers Tripo Kokolja zu besichtigen. Auch vor dieser Insel macht die Touristenschar keinen Halt. Viele, viele Boote spucken unzählige Touristen aus, die durch die kleine Insel und die noch kleinere Kirche geschleust werden. Vorbei an der Insel St. Georg mit dem Marinefriedhof fahren wir zum kleinen Ort Perast mit seinen 16 Palästen und 19 Kirchen aus der Barockzeit.

Split/Kroatien: Und schon steht der letzte Tag unserer Kreuzfahrt an. Der heutige Ausflug führt mich zuerst in die mittelalterliche Stadt Trogir, die im 3. Jahrhundert gegründet wurde und damals Tragurion, „Insel der Ziegen“ hieß. Höhepunkt ist die St. Laurentius Kathedrale, deren Bau sagenhafte vier Jahrhunderte gedauert hat (da wird die seit 1882 noch immer unvollendete Sagrada Familia von Antonio Gaudi in Barcelona ja direkt rasch fertig – 2026 soll es soweit sein). Ein wahres Meisterwerk der mittelalterlichen Kunst ist die Hauptfassade. Der 47 Meter hohe Glockenturm umfasst drei verschiedene architektonischen Stile. Nachdem wir die seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Altstadt von Trogir verlassen haben, steht eine Kurzvisite in der zweitgrössten Stadt Kroatiens mit dem eindrücklichen Diokletianpalast auf dem Programm. Der aus dem 3./4. Jahrhundert stammende Palast in Split wurde auf Befehl des Kaisers gebaut, der sich nach seiner Abdankung hierhin zurückgezogen hatte. Die 180 x 215 Meter grosse Anlage ist das Herzen der Stadt, hat aber seinen ursprüngliche Funtikon verloren. Heute befinden sich unzählige Läden und Cafés in der Anlage und laden zum Bummeln und Flanieren ein.

Stars, Stars, Stars – von Beatrice Egli bis Maite Kelly

Geballte Star-Power wartete auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Stars auf See Musik-Kreuzfahrt. Von Beatrice Egli und Francine Jordi, über Maite Kelly und Kerstin Ott bis zu Florian Ast und dem erfolgreichsten Schweizer Männerchor Heimweh. Thomas Anders, der mit Modern Talking die Musik-Welt erobert hatte, war ebenso an Bord der Costa Victoria wie DJ Ötzi, Miss Helvetia, die Jungen Zillertaler, Linda Fäh und der neue Schlager-Shooting-Star Vincent Gross. Während einzelne Stars nur kurze Zeit an Bord waren und dann schon wieder abreisten, fand ich persönlich es sehr sympathisch Vincent Gross während der gesamten Reise immer wieder irgendwo zu sehen. Er hatte ganz klar keine Berührungsängste, währende die Entourage von Maite Kelly (das Konzert war absolut spitze und sensationell, da gibt es gar nichts zu rütteln) auf wenig freundliche Art und Weise Fotos während der Autogrammstunde und auch dem Konzert behinderten und verhinderten. Spannend und informativ der Talk von Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe mit Beatrice Egli, Heimweh und Thomas Anders. Ein zweiter solcher Talk wäre durchaus wünschenswert gewesen. Thomas Anders erklärte beispielsweise auf die Frage, wie es so auf einem Schiff im direkten Kontakt mit den Fans sei: „Das gehört dazu. Viel schlimmer wäre es wenn wir nicht mehr angesprochen würden.“ Und auch Beatrice Egli meinte: „Es ist doch schön wenn wir angesprochen werden. Nur beim Essen mag ich es weniger, weil ich dann nicht zum Essen komme und dann die Zeitungen wieder schreiben, ich hätte abgenommen.“ Übrigens: Nicht an Bord gekommen waren Krokus, da deren Boss Chris von Rohr eine akute Schleimbeutel Entzündung erlitten hatte.

Die Musik-Kreuzfahrt Stars auf See war für alle Beteiligten, Organisatoren, Stars und Passagiere ein gigantischer Erfolg. Musikalische Höhepunkte, malerische Destinationen und tolle Erlebnisse mit Mitreisenden und Stars sind Garant dafür, dass viele von Ihnen auch bei der 2. Stars auf See – die hoffentlich stattfinden wird – mit dabei sein werden.

Mein Fazit – fast – nur positiv

Die Stars auf See war zweifellos ein voller Erfolg. Und dennoch gibt es von jemandem der ein wenig Kreuzfahrt-Erfahrung hat doch Anmerkungen

Als sehr positiv habe ich die Mahlzeiten empfunden. Besonders das Selbstbedienungs Buffet – sonst nicht gerade ein Ort kulinarischen Köstlichkeiten – vermochte zu überzeugen. Die Speisen waren durchwegs gut und vor allem stets warm.

Ebenfalls top die frisch zubereitete Pasta und nicht zu vergessen die Pizza und Burger im Spezialitätenrestaurant – auch wenn dort ein kleiner Zuschlag bezahlt werden musste.

Die Victoria, im Jahre 1996 erbaut, ist trotz ihres doch nicht mehr ganz so jungen Alters noch gut im Schuss.

Die Ausflüge waren top organisiert. Ein Lob gebührt hier auch den lokalen Reiseleitern die einen wirklich guten Job gemacht und es verstanden haben, ihr Land, ihre Region ins beste Licht zu rücken.

Was mir persönlich weniger gefallen hat – das ist nun aber schon meckern auf hohem Niveau – ist das Spezialitätenrestaurant Pummid’Oro. Die Burger und die Pizza haben sehr gut geschmeckt, da gibt’s nichts zu rütteln. Der Service liess aber sehr zu wünschen übrig. Den Sangiovese Wein von der Karte gab’s schon mal überhaupt nicht, so musste ich mit einem wenig geniessbaren Tischwein Vorlieb nehmen. Und bei der Burgerbestellung dauerte es 30 Minuten bis dieser geliefert wurde, aber nicht der den ich bestellt hatte (mit Pilzen und die mag ich nun gar nicht) und die zweite Lieferung – weitere 20 Minuten später – war nochmals der falsche Burger. Unakzeptabel.

Einige Gäste haben sich ziemlich geärgert, um nicht zu sagen aufgeregt über die täglich 10 Euro Trinkgeld. Erfahrene Costa Kreuzfahrer wissen, dass das Trinkgeld seit Anfang 2019 im Preis inbegriffen ist. Dies war auf dieser Kreuzfahrt nicht der Fall. Und so haben sich die Kreuzfahrt-Profis darüber geärgert, dass sie überhaupt Trinkgeld bezahlen mussten und Kreuzfahrt-Neulinge ärgerten sich darüber, dass sie so einen Posten auf ihrer Rechnung vorfanden.

Unterirdisch schliesslich – aber das hat wohl vor allem mich genervt – da ich ja arbeiten wollte und musste: Das Internet. So ein langsames Internet mit zeitweise Totalausfall (während der gesamten Fahrt von Split nach Venedig) habe ich schon lange nicht mehr auf einem Kreuzfahrtschiff erlebt.

Wie dem auch sei: All dies ist Meckern auf hohem Niveau. Den Organisatoren von Hotelplan ist es gelungen eine tolle Kreuzfahrt zu organisieren, von der die Teilnehmer ihren Liebsten und Freunden zu Hause sicherlich noch lange erzählen und schwärmen werden. Und manch einer hofft und freut sich auf eine Fortsetzung der Stars auf See.

Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Disclaimer: Ich bedanke mich für bei Hotelplan Kreuzfahrten für die freundliche Einladung zu dieser Kreuzfahrt mit der Costa Victoria. Meine Berichterstattung hat dies nicht beeinflusst




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