Polarstern wird in der Lloyd Werft für die nächste Arktis-Reise fit gemacht

In der Lloyd Werft erfolgen diverse Schutzmaßnahmen für die Überwinterung der Polarstern im arktischen Eis (Foto Hoppmann)

Bei der Bremerhavener Lloyd Werft wird Ende Juni ein Dauergast erwartet, das deutsche Polarforschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Dabei handelt es sich um die mittlerweile 70. Dockung bei dem traditionsreichen Werftunternehmen an der Unterweser. “Kein anderes Schiff wurde häufiger bei uns gedockt und gewartet, wie die “Polarstern”, die erstmals am 22. Dezember 1982 das Trockendock der Werft ansteuerte” erklärte Lloyd Werft Geschäftsführer Rüdiger Pallentin.

Vom 29. Juni bis zum 10. August bleibt die 118 Meter lange, 25 Meter breite und 11,5 Meter tiefgehende “Polarstern” bei der Werft, wobei das Schiff in der Zeit vom 4. Juli bis zum 2. August für Arbeiten am Unterwasserschiff auf den Pallungen des Kaiserdocks II trockengestellt wird. Aufgrund des großen Tiefgangs des Forschungsschiffes stehen nur wenige Dockanlagen für die “Polarstern” zur Verfügung, hierzu gehören aber die beiden großen Trockendocks der Lloyd Werft.

Arbeiten an Flossen-Stabilisatoren

Während dieser 70. Werftliegezeit erfolgt an der “Polarstern” unter anderem die Demontage und die Überholung der Flossen-Stabilisatoren. Notwendige Wartungsarbeiten am Propeller, Ruder, der Stevenrohrabdichtung und dem Bugstrahler werden durchgeführt und die Aufbauten erhalten einen neuen Farbanstrich. Weiterhin erfolgen während der Dockung Stahlarbeiten im Bereich des Schornsteinzwischendecks, der Aufbau des Bug-Krans, die Installation einer neuen Tankheizung sowie die Errichtung einer neuen Lagerplattform für Ersatzteile im Heli Hangar. Im Innenbereich des Forschungsschiffes werden zudem 20 Bäder in den Kabinen erneuert.

Polarstern überwintert im arktischen Eis

In Vorbereitung auf die anstehende Forschungsreise des MOSAiC-Projektes, eine der spektakulärsten Arktisexpeditionen überhaupt, erfolgen diverse Schutzmaßnahmen für die Überwinterung der “Polarstern” im arktischen Eis. Der 1982 abgelieferte Forschungseisbrecher “Polarstern” ist das wichtigste Werkzeug der deutschen Polarforschung.

Bis heute ist die “Polarstern” eines der leistungsfähigsten Polarforschungsschiffe weltweit und kann sogar in der Packeiszone arbeiten und mit seinem doppelwandigen Stahlrumpf bis zu 1,5 Meter dickes Eis brechen. Die notwendige Energie hierfür liefern vier KHD-Hauptmaschinen mit einer Maschinenleistung mit insgesamt 14.120 kW. Außerdem ist die “Polarstern” für Arbeiten bei Temperaturen von bis zu -50 Grad Celsius vorgesehen und kann sogar im Eis der Polarmeere überwintern. Ohne die “Polarstern” wäre auch die Forschung an den Stationen des Alfred-Wegener-Instituts nicht möglich, die zum Beispiel die antarktische, ganzjährig besetzte Neumayer-Station III mit Lebensmitteln oder auch Material zur Instandhaltung versorgt.

Nachfolger der Polarstern ist in Planung

Eine regelmäßige Wartung des Polarforschungsschiffes, gerade durch die Eisfahrt ist zwingend notwendig, da dieser vor allem den Schiffskörper beansprucht. So werden die Schiffspropeller durch Eiskontakt belastet, dies gilt auch für die Ruderanlage. Im Überwasserbereich beeinflussen starke Minustemperaturen den Betrieb aller Winden und Kräne. Die letzte große Generalüberholung erfolgte von 1999 bis 2001, in dieser Zeit wurde das Schiff technisch auf den damals neuesten Stand gebracht.

Ein Nachfolger für die mittlerweile 37 Jahre alte Polarstern ist in Planung. Auch im Hause der Lloyd Werft laufen seit geraumer Zeit die Vorplanungen für den möglichen Neubau der Polarstern II, mit der Entscheidung über die Auftragsvergabe wird noch in diesem Jahr gerechnet.




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