Fische küssen und andere Bräuche an Bord von Kreuzfahrtschiffen

Weihnachtliches Stockholm (Bild Lucian Milasan Shutterstock.com)

Über Bord fliegende Wunschbäume an Weihnachten, Hafenfeuerwerke zu Silvester und Fischküsse beim Passieren des Äquators: Nicht nur an Feiertagen werden auf Schiffsreisen Traditionen gelebt. Viele Bräuche auf hoher See werden schon seit Jahrhunderten zelebriert. Das Kreuzfahrtportal Dreamlines stellt außergewöhnliche Rituale auf Schiffen vor.

Wenn das Christkind an Heiligabend nicht das passende Geschenk bringt, können Kreuzfahrtgäste an den Folgetagen Wunschzettel an Weihnachtsbäume hängen. Die werden dann in einer Zeremonie über Bord geworfen, damit Meeresgott Neptun die Wünsche erfüllt. Während Weihnachten auf größeren Schiffen mit Gala-Essen und Live-Musik gefeiert wird, ist die Atmosphäre auf kleinen Schiffen familiärer: In einer gemeinsamen Andacht liest beispielsweise der Kapitän die Weihnachtsgeschichte vor und die Mannschaft singt als Engelschor verkleidet Weihnachtslieder.

Vom Kreuzfahrtschiff Feuerwerk in Sydney beobachten   

Auch Silvester wird auf Schiffen gebührend gefeiert. Neben klassischen Silvester-Attraktionen wie Feuerwerk und Mitternachtsmenü bieten Reedereien Unterhaltungsprogramme von der Schlagerparty bis zum Live-Konzert. Viele Schiffe passieren in der Silvesternacht eine Stadt mit imposantem Feuerwerk wie Sydney. Vom Wasser aus ist das Himmelsspektakel über dem Hafen besonders gut zu beobachten. Am Neujahrstag verteilen beispielsweise als Schornsteinfeger verkleidete Crew-Mitglieder Glücksmünzen.

Fisch küssen am Äquator    

Seegras verzehren oder einen Fisch küssen: Wer zum ersten Mal den Äquator überquert, dem droht ein Jahrhunderte altes Ritual: die Äquatortaufe. Früher musste die Mannschaft daran glauben, heute die Passagiere. Damals galt es, sich abscheuliche Flüssigkeiten aus Fischabfällen und Essensresten einzuverleiben. Heute sind die Mutproben harmloser und freiwillig. Ein als Meeresgott Neptun verkleidetes Crew-Mitglied nimmt die Prüfung ab, danach folgt ein gemeinsamer Sprung in den Pool und der Täufling erhält eine Urkunde mit maritimem Taufnamen wie „Clara Clownfisch“.

Captains Dinner – ohne Smoking und Abendrobe       

Zu den Höhepunkten einer Kreuzfahrt gehört das Captains Dinner. An diesem Abend begrüßt der Kapitän jeden Passagier persönlich. Wer Glück hat, erhält sogar eine Einladung an den Tisch des Kapitäns. Beim Captains Dinner wird Wert auf die Einhaltung der Kleiderordnung gelegt – Smoking und Abendrobe sind heute aber kein Muss mehr. Für Herren empfiehlt sich ein schlichter schwarzer Anzug, für Damen ein festliches Kleid.

Schiffe, die sich auf dem Meer begegnen, grüßen einander, indem sie die Nationalflagge niederholen und wieder hissen. Wer zuerst grüßt, ist genau geregelt. Beispielsweise machen überholende Schiffe stets den Anfang. Oft erweisen sich auch nur Schiffe, die derselben Reederei angehören oder deren Kapitäne befreundet sind, den Gruß. Der Ausruf „Ahoi“ gilt mittlerweile als veraltet, wird dafür jedoch im Segelsport immer beliebter.

Der Seemannssonntag ist ein Brauch, der erstmals 1727 in den Geschichtsbüchern auf-tauchte. An einem ausgewählten Wochentag, der übrigens kein Sonntag sein muss, gibt es für die Besatzung des Schiffes ein besonders gutes Essen. Kreuzfahrt-Passagiere betrifft dies natürlich nicht, denn sie bekommen jeden Tag die feinsten Speisen. Heute gibt es den Seemannssonntag vor allem noch auf Handelsschiffen.

„Und ich taufe dich auf den Namen“      

Das Taufen von Schiffen lässt sich weit zurückverfolgen. Vor vielen Jahrtausenden weihten Menschen neue Schiffe mit Opfergaben ein, heute wird vor dem Stapellauf eine Flasche an der Bordwand zerschlagen. Während in Deutschland Sekt bevorzugt wird, kommt in Schottland Whiskey und in Indien eine Kokosnuss zum Einsatz. Dabei erhält das Schiff feierlich seinen Namen und bekommt gute Wünsche wie „Allzeit Gute Fahrt“ und „Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“ mit auf den Weg gegeben. Die Königin der Schiffstaufen ist übrigens Schauspiel-Legende Sophia Loren.

Jedes Kreuzfahrtschiff ist in einem Hafen registriert. Wenn es seinen Heimathafen auf einer Reise passiert, wird es von einem Komitee mit Musik und Plakaten empfangen. Eine besondere Beziehung pflegen die Hamburger zur Queen Mary II, obwohl Hamburg nicht ihr Heimathafen ist. Als der Transatlantik-Kreuzer 2004 auf einer seiner ersten Fahrten in der Hansestadt anlegte, kamen eine halbe Million Besucher in den Hafen. Seitdem schippert die Queen Mary II regelmäßig nach Hamburg und wird von Besucherscharen gefeiert.

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