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Homeric und die Meyer Werft: Der Grundstein für über 60 Kreuzfahrtschiffe

Homeric auf See (Foto Meyer Werft)

Die erste Auslieferung eines Kreuzfahrtschiffs durch die Meyer Werft markierte den Beginn einer neuen Ära in der Schiffbaugeschichte. Am 6. Mai 1986 übergab die Papenburger Werft das Kreuzfahrtschiff Homeric an die Reederei Home Lines. Dieses Ereignis war nicht nur die erste Auslieferung eines Kreuzfahrtschiffs durch die Meyer Werft, sondern auch der Startschuss für eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Bis heute folgten mehr als 60 Kreuzfahrtschiffe, die das Bild der Branche massgeblich prägten.

Vom Fähr- und Tankerbau zum Kreuzfahrtschiff

Vor der Homeric war die Meyer Werft vor allem für den Bau von Fähren und Gastankern bekannt. Der Auftrag für das Kreuzfahrtschiff bedeutete für die rund 1200 Mitarbeitenden der Werft Neuland. Innerhalb von zwei Jahren sollte ein Schiff entstehen, das zwischen New York und den Bermudas pendeln würde. Wolfgang Nee, Mitarbeiter der Buchhaltung, erinnert sich an die damalige Skepsis: „Bei uns intern, aber auch hier in Papenburg und Umgebung haben ja viele von einem Wagnis und von einem Risiko gesprochen. Und viele haben auch prognostiziert, dass wir zu einer Eintagsfliege werden. Meyer wird sich da eine blutige Nase holen.“

Herausforderungen beim Bau der Homeric

Der Bau der Homeric war geprägt von besonderen Herausforderungen. Die Baunummer S.610 entstand unter freiem Himmel, was die Mitarbeitenden vor extreme Wetterbedingungen stellte. Schweißer Theodor Platt berichtet: „Im Winter minus 20 Grad, im Sommer hatten wir im Doppelboden über 50 Grad, das war extrem.“ Auch organisatorisch war der Bau anspruchsvoll. Joachim Gosling, damals in der Bordmontage tätig, erinnert sich: „Ich kann mich erinnern, dass ich Schweißelektroden holen sollte und dabei habe ich mich glatt verlaufen auf dem Schiff.“ Viele der damaligen Mitarbeitenden sind bis heute auf der Werft tätig.

Der spektakuläre Stapellauf der Homeric

Der Stapellauf der Homeric am 28. September 1985 war ein spektakuläres Ereignis für die Region. Petra Koppers beschreibt die Stimmung: „Das war sozusagen eine Pflichtveranstaltung für alle Papenburger. Man ging dahin. Es war ja auch eine Sensation. Und gerade bei diesem grossen Schiff, da haben sich ja auch viele gefragt, ob das wohl gut geht.“ Das Schiff lief erfolgreich quer vom Stapel ins Wasser.

Theodor Platt erinnert sich an eine besondere Begebenheit: „Und dann ist die Welle gekommen, ist auf die andere Seite auf das Land geschwappt, das Wasser ist abgelaufen und zwischen den Bäumen und Steinen sind die Fische liegen geblieben und die haben die Kinder dann aufgesammelt. Das war schon ein Ereignis für die Kinder, ohne Angel Fische zu fangen.“

Pünktliche Ablieferung und spätere Verlängerung

Die Homeric wurde pünktlich am 6. Mai 1986 an die Reederei übergeben und nahm ihren Dienst zwischen New York und den Bermudas auf. Bereits zwei Jahre später kehrte das Schiff zur Werft zurück, um verlängert zu werden. Jochen Zerrahn, damals Leiter der Produktion, beschreibt die Aufgabe: „Das war eine fantastische Aufgabe. Wir sind natürlich auf die Wünsche des Kunden eingegangen. Und was ganz wichtig war, die Demonstration, dass wir diesen Umbau, also Schiffschneiden, 40 Meter dazwischen bauen und das Ganze noch vier Tage vor dem Termin abzuliefern, schaffen. Das war auch wieder ein Erfolgserlebnis, auch ein Signal für die ganzen anderen Kunden, die sehen konnten, dass wir mit solchen Problemen fertig werden konnten.“

Der Grundstein für eine führende Position im Kreuzfahrtschiffbau

Das gewonnene Know-how und die Erfahrungen aus dem Bau der Homeric führten die Meyer Werft an die Spitze der Kreuzfahrtschiffbauer. Wolfgang Nee fasst zusammen: „Das ist ja auch, was bei unseren Bestandskunden geschätzt wird, aber auch bei Neukunden ja immer wieder ein Argument mit ist, hier in Deutschland bei der Meyer Werft ein Kreuzfahrtschiff zu bestellen. Werthaltige Arbeit, Qualität und Zuverlässigkeit. Natürlich, wir haben in den letzten Jahren Schwierigkeiten gehabt, ohne Frage, die auch alle ihre Gründe hatten. Aber ich denke, auch da werden wir mit vereinter Kraft gestärkt daraus hervorgehen und auch in den nächsten 30, 40 Jahren weiterhin Kreuzfahrtschiffe hier bauen.“

Das Ende einer Ära und ein bleibendes Andenken

Die Homeric war bis zu ihrer Ausmusterung im Jahr 2020 auf den Weltmeeren unterwegs, zuletzt unter dem Namen Marella Dream. Im Sommer 2022 trat sie ihre letzte Reise zum Abwracken in die Türkei an. Vor der Verwaltung der Meyer Werft erinnert heute ein Lampenmast an das erste Kreuzfahrtschiff der Werft und an den Beginn einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte.

Diese Geschichte zeigt, wie aus einem mutigen Schritt und grossem Engagement eine führende Position im Kreuzfahrtschiffbau entstehen kann. Die Meyer Werft hat mit der Homeric den Grundstein gelegt für eine Branche, die bis heute von den Schiffen aus Papenburg geprägt wird.

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Website: rettenmund.com