Die Kreuzfahrtbranche boomt weiterhin: Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Reise auf hoher See. Doch mit dem Wachstum steigen auch die Belastungen für Klima und Umwelt. Das heute vom NABU veröffentlichte Kreuzfahrtranking 2025 zeigt deutlich, dass die bisherigen Anstrengungen der Reedereien nicht ausreichen, um die ökologischen Auswirkungen der Branche signifikant zu reduzieren.
Grosse Veränderungen an der Spitze gab es auch 2025 keine: Die beiden norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten belegen gemeinsam Platz 1, gefolgt von dem französischen Anbieter Ponant. Etwas mehr Bewegung gibt es bei den deutschen Kreuzfahrtunternehmen: AIDA verbessert sich um einen Platz und erreicht Rang 5, MSC klettert sogar um zwei Plätze auf Rang 7.
Fortschritte bei den Spitzenreitern – aber noch kein Grund zur Entwarnung
Die Top-Reedereien im Ranking wie Havila, Hurtigruten und Ponant haben bereits einige vorbildliche Maßnahmen zur Reduktion ihrer Emissionen umgesetzt. Dazu zählen energieeffizientere Neubauten, technische Verbesserungen bestehender Schiffe und erste Tests zukunftsweisender Technologien. Zudem sorgt der verstärkte Einsatz von Landstrom in deutschen Häfen für einen Rückgang der Schadstoffemissionen vor Ort, was von NABU-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener positiv bewertet wird:„Viele Kreuzfahrtanbieter steuern beim Klimaschutz in die richtige Richtung – etwa mit energieeffizienteren Neubauten oder technischen Verbesserungen bestehender Flotten. Manche erproben erste zukunftsweisende Technologien. Vor allem in deutschen Häfen gehen die Schadstoffemissionen zurück, da häufiger Landstrom genutzt wird.“
Dennoch bleibt der entscheidende Hebel für eine klimafreundlichere Schifffahrt der Umstieg auf grüne eFuels – also synthetische Kraftstoffe, die klimaneutral hergestellt werden. Hier zeigen sich die Reedereien jedoch weiterhin zögerlich. Stattdessen setzen viele auf fossiles LNG (Flüssigerdgas) oder Biokraftstoffe, deren Klimabilanz oft zweifelhaft ist. Mutige Investitionen, etwa in Neubauten, die mit Methanol betrieben werden können, sind bislang die Ausnahme. Diesener mahnt:„Unterm Strich ist die Branche einmal mehr aufgefordert, unsere Gesundheit, unsere Umwelt und unser Klima nicht weiter zu belasten, sondern im Einklang mit ihnen zu wirtschaften.“
Schweröl – ein unverantwortlicher Missstand
Ein besonders großer Kritikpunkt im Kreuzfahrtranking 2025 ist die weiterhin weit verbreitete Nutzung von Schweröl. Dieser Brennstoff ist nicht nur klimaschädlich, sondern auch hochgiftig. Lediglich vier der untersuchten Reedereien schließen den Einsatz von Schweröl kategorisch aus.
Die meisten Anbieter setzen weiterhin in großem Stil auf Schweröl und verschärfen die Umweltproblematik zusätzlich durch den Einsatz von Abgaswäschern, die Schadstoffe ins Meer leiten. NABU-Expertin für Schifffahrt, Raija Koch, kritisiert diesen Zustand scharf:„Der Einsatz von Schweröl schadet Mensch und Natur massiv und muss sofort beendet werden. Für die Reedereien ist der Umstieg auf sauberere fossile Alternativen sowohl technisch machbar als auch wirtschaftlich zumutbar.“
AIDA und MSC auf dem Vormarsch – aber noch Luft nach oben
Die Verbesserung von AIDA auf Platz 5 und MSC auf Platz 7 zeigt, dass auch große deutsche Kreuzfahrtunternehmen ihre Anstrengungen verstärken. Dennoch bleiben auch sie hinter den Anforderungen zurück, die der Klimaschutz dringend stellt. Die Branche insgesamt muss sich deutlich ambitioniertere Ziele setzen und diese konsequent verfolgen.
NABU fordert verbindliche und ambitionierte Maßnahmen
Der NABU appelliert an alle Kreuzfahrtunternehmen, verbindliche und ambitionierte Schritte einzuleiten, um die Umweltauswirkungen der Branche zu minimieren. Ein schneller Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen und Investitionen in erneuerbare, nicht-biogene Alternativen sind unerlässlich, um glaubwürdig zum Klima- und Umweltschutz beizutragen.
Die Kreuzfahrtindustrie steht vor einer entscheidenden Herausforderung: Sie muss ihre Verantwortung ernst nehmen und nachhaltiger wirtschaften – im Interesse der Gesundheit der Menschen, des Schutzes der Meere und des globalen Klimas.
Weitere Informationen zum NABU-Kreuzfahrtranking 2025 finden Sie hier.





