Heute nahm Scandlines seine neue Fähre The Baltic Whale auf der Route Rødby–Puttgarden in Betrieb. Die Fähre zählt zu den größten weltweit, die ausschliesslich mit Ladestrom von Land betrieben werden können. Damit setzt Scandlines einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zu einem emissionsfreien Fährbetrieb bis 2040 und stärkt gleichzeitig die Kapazitäten für Frachtkunden.
Jungfernfahrt der Baltic Whale mit besonderer Bedeutung
Die „The Baltic Whale“ startete heute Morgen um 08.05 Uhr zu ihrer Jungfernfahrt von Dänemark nach Deutschland. An Bord sind neben der Besatzung auch Vertreter von Scandlines sowie Frachtkunden, die diese besondere erste Überfahrt erleben. Die Fähre verfügt über eines der weltweit grössten Batteriesysteme an Bord einer Fähre und kann die Überfahrt im Regelbetrieb ohne direkte Emissionen absolvieren. Zudem reduziert sie Geräuschemissionen über und unter Wasser, was das Passagiererlebnis verbessert und die Meeresumwelt schont – insbesondere den in der Ostsee lebenden Schweinswal, nach dem die Fähre benannt ist.
Ein Meilenstein für nachhaltige Schifffahrt
Michael Guldmann Petersen, COO von Scandlines, betont: „Die Indienststellung der ‚The Baltic Whale‘ auf dem Fehmarnbelt ist ein Meilenstein für Scandlines – ein Tag, auf den wir viele Jahre gewartet haben. Bereits 2018 hatten wir die Idee zu einer batteriebetriebenen Fähre, und nun ist es so weit. Das ist ein grosser Erfolg und etwas, worauf wir uns sehr gefreut haben.“
Die Fähre ist speziell für den Frachtverkehr konzipiert und bietet Platz für 66 Lkw auf zwei Decks. Sie ermöglicht zudem den effizienten und planbaren Transport von Gefahrgut, darunter Industrieprodukte, Batterien, Kosmetik und Autoteile. Durch die Verlagerung von mehr Fracht auf diese Fähre entstehen zusätzliche Kapazitäten für Pkw und Passagiere auf den übrigen Scandlines-Fähren, was besonders in der Hochsaison von Vorteil ist.
Scandlines plant bis 2040 den Fährbetrieb ohne direkte Emissionen
Weiter führt Michael Guldmann Petersen aus: „Die neue Fähre ist ein wichtiger Baustein von Scandlines‘ Grüner Ambition, bis 2040 den Fährbetrieb ohne direkte Emissionen sicherzustellen. Gleichzeitig ist sie darauf ausgelegt, das zu liefern, was unsere Kunden jeden Tag von uns erwarten: Stabilität und Betriebssicherheit.“
Mit der Inbetriebnahme erhöht Scandlines die Transportkapazität für Frachteinheiten auf der Route Rødby–Puttgarden um 27 Prozent. Die Frachtkunden profitieren von besseren Rahmenbedingungen an Bord, darunter dedizierte Kapazität für Gefahrgut, effizientere Abwicklung und hohe Betriebssicherheit. Michael Guldmann Petersen ergänzt: „Mit dedizierter Kapazität für Gefahrgut, effizienter Abwicklung und hoher Betriebssicherheit können unsere Kunden verschiedene Ladungsarten in einer Lösung bündeln. So können sie einen einfacheren, planbareren und wettbewerbsfähigeren Transport über den Fehmarnbelt realisieren. Zudem erhöhen wir die Frequenz deutlich, insbesondere für Gefahrgut, das künftig auf wesentlich mehr täglichen Abfahrten transportiert werden kann. Das macht unsere Route als Frachtverbindung zwischen Nordeuropa und dem übrigen Europa noch attraktiver.“
Moderne Ladeinfrastruktur und Hybridbetrieb
Die Überfahrt von 18,5 Kilometern bewältigt „The Baltic Whale“ in etwa 45 Minuten. Dank einer hochmodernen Ladeinfrastruktur in den Häfen beträgt die Ladezeit lediglich 12 Minuten pro Überfahrt. Eine intelligente Ladestation sorgt dafür, dass die Fähre unabhängig von Wasserständen und Bewegungen in weniger als 15 Sekunden automatisch eingeschaltet wird. Das Schiff ist zudem für den Hybridbetrieb ausgelegt und mit Dieselgeneratoren ausgestattet, die bei Bedarf zum Einsatz kommen können.
NABU begrüsst die Jungfernfahrt der batteriebetriebenen Fähre als starkes Zeichen für die Verkehrswende auf dem Wasser
Auch der NABU (Naturschutzbund Deutschland) begrüsst die Jungfernfahrt der batteriebetriebenen Fähre als starkes Zeichen für die Verkehrswende auf dem Wasser. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger erklärt: „Die Jungfernfahrt der ‚The Baltic Whale‘ ist ein wichtiger Meilenstein für den Klimaschutz in der Schifffahrt. Sie zeigt, dass emissionsfreie Antriebe auch heute schon auf anspruchsvollen Fährverbindungen machbar sind. Dieses Projekt ist ein starkes Beispiel dafür, wie unternehmerischer Mut, technologische Innovation und Klimaschutz zusammengehen können. Es beweist, dass die Elektrifizierung auch auf See kein Zukunftsversprechen mehr ist, sondern Realität. Solche Leuchtturmprojekte sind entscheidend, um Vertrauen in neue Technologien zu schaffen und ganze Branchen in Bewegung zu bringen.“
NABU-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener ergänzt die Bedeutung für die Politik: „Diesem Beispiel müssen weitere Reedereien folgen. Perspektivisch sollte jede Fähre in Deutschland elektrisch betrieben werden. Die meisten Fährlinien hierzulande sind deutlich kürzer als die Strecke Puttgarden–Rødby. Technisch gibt es kaum noch Ausreden. Abgesehen von einigen Verbindungen bis nach Finnland oder ins Baltikum sind alle Verbindungen Batterie-elektrisch möglich.“
Gerade auf Binnengewässern und kurzen Seestrecken bietet die Elektrifizierung grosses Potenzial für schnellen Klimaschutz, saubere Luft und weniger Lärm. Eine gezielte Elektro-Offensive für Fähren in Deutschland kann hier rasch Wirkung entfalten, wenn Politik und Förderinstrumente konsequent nachziehen.
Ein wichtiger Schritt für nachhaltige Schifffahrt
Mit „The Baltic Whale“ zeigt Scandlines, wie moderne Technik, Umweltbewusstsein und wirtschaftliche Effizienz Hand in Hand gehen können – ein wichtiger Schritt für eine nachhaltige Zukunft der Schifffahrt.
Fakten zu The Baltic Whale
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Länge: 147,4 Meter
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Breite: 25,4 Meter
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Konstruktionstiefgang: 5,30 Meter
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Ladekapazität: 66 Frachteinheiten (1.200 Lademeter)
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Maximale Passagierzahl: 140
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Dienstgeschwindigkeit: 16/10 Knoten
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Überfahrtszeit: 45 Minuten
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Batteriesystem: 10 MWh
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Laden im Hafen: 12 bis 18 Minuten
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Projektinvestition: 84 Millionen Euro










