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Neubuchungen für Hochsee- und Flusskreuzfahrten ziehen wieder an

Grundsätzlich stehen die Zeichen bei den Menschen nach zwei Jahren Pandemie auf Urlaub, das zeigen die eingehenden Reisebuchungen aktuell sehr deutlich. Neben Flugpauschalreisen ziehen im Gleichklang auch die Neubuchungen für Hochsee- und Flusskreuzfahrten wieder an. Aktuell konzentriert sich das Angebot bei den Hochseekreuzfahrten noch auf Europa, die Karibik und die Golf-Region. „Einen dunklen Schatten der Unsicherheit wirft der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine“, erklärt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, im Vorfeld der Anfang März digital stattfindenden internationalen Reisemesse ITB Berlin.

„Die brutale Invasion Russlands hat die Welt tief getroffen und schockiert. Es ist unfassbar und macht mich persönlich tief betroffen, dass im 21. Jahrhundert diplomatische Bemühungen nicht erfolgreich waren und den Angriff Russlands auf die Ukraine nicht verhindern konnten. Die Diplomatie muss jetzt schnell die Oberhand gewinnen, damit dieser völkerrechtswidrige Krieg und das zunehmend große Leid der Menschen schnellstmöglich gestoppt werden kann. Das muss jetzt im Mittelpunkt allen politischen Handelns stehen”, erklärt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes.

Mit Blick auf die Reisewirtschaft ergänzt Fiebig: „Abzuwarten bleibt zum jetzigen Zeitpunkt, ob und inwieweit der von Russland begonnene Krieg in den nächsten Wochen zu einer allgemeinen Verunsicherung führen und damit auch Auswirkungen auf das Buchungs- und Reiseverhalten der Bundesbürger haben wird.“

Urlaubsbuchungen ziehen an

Die Urlaubsbuchungen für die Hauptreisezeit in den Sommermonaten ziehen derzeit deutlich an – seit Anfang Februar übertrifft das wöchentlich gebuchte Umsatzvolumen sogar das der Vergleichswochen im Februar 2019 und damit der Zeit vor Corona. Dabei setzen die Urlauber auf die Absicherung und Vorteile der organisierten Reise: Dreiviertel aller Neubuchungen in stationären Reisebüros und auf Online-Reiseportalen sind derzeit Pauschalreisen – so die aktuellen Auswertungen von Travel Data + Analytics (TDA) für den DRV.

Am gestrigen Abend hat das RKI alle noch bestehenden Risikogebietseinstufungen mit Wirkung zum 3. März 2022, 0:00 Uhr aufgehoben. „Damit gibt es bei Einreise nach Deutschland keiner Quarantäne- oder Anmeldepflichten mehr“, erklärt der DRV-Präsident. „Das war überfällig“, so Fiebig. „Reisebarrieren müssen dauerhaft verschwinden“, fordert er von der Politik. „Die Menschen brauchen mehr Verlässlichkeit – auch bei der Reiseplanung.“

Der Sommer 2022: Mittelmeer liegt vorn

Bei den Flugpauschalreisen für den kommenden Sommer sind vor allem die klassischen Urlaubsländer rund um das Mittelmeer gefragt: Sie alleine vereinen zwei Drittel der bislang erzielten Umsätze auf sich. Aber auch zahlreiche Fernreiseziele sind für die Sommermonate schon sehr gut gebucht.

Die Rangliste der Top-Reiseziele nach Umsatzhöhe (bis Buchungsstand Mitte Februar):

  1. Spanien (inklusive Balearen und Kanaren)

  2. Griechenland

  3. Türkei

  4. Ägypten

  5. Italien

  6. Portugal

  7. Deutschland

  8. Malediven

  9. USA

  10. Bulgarien

Basis der Auswertung von TDA sind Buchungsdaten von Reisebüros und Online-Reiseportalen, die Reiseveranstalter-Produkte vertreiben.

Auch das wichtige Fernreiseziel USA befindet sich weiter auf Erholungskurs. Die Buchungseingänge der vergangenen Wochen haben das Land wieder in die Top-10-Liste gebracht – über anderthalb Jahre waren die USA für Touristen Corona-bedingt nicht zu bereisen.

Neubuchungen für Hochsee- und Flusskreuzfahrten ziehen wieder an

Neben Flugpauschalreisen ziehen im Gleichklang auch die Neubuchungen für Hochsee- und Flusskreuzfahrten wieder an. Aktuell konzentriert sich das Angebot bei den Hochseekreuzfahrten noch auf Europa, die Karibik und die Golf-Region. „Die Stimmung in der Branche ist gut. Die Unternehmen sind sehr zuversichtlich, dass das Geschäft anzieht und ab Sommer und im nächsten Winter auch wieder deutlich mehr Ziele angesteuert werden können“, so DRV-Präsident Fiebig zu den guten Vorausbuchungen auch für Fern- und Weltreisen bei den Hochseekreuzfahrten.

Nachholbedarf: Ausgabenbereitschaft steigt, Absicherung und Flexibilität zunehmend wichtig

Dass jetzt wieder vermehrt Urlaub geplant wird, zeigt den Nachholbedarf durch Corona. Viele Urlaubsreisen sind in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Pandemie ausgefallen. Nun wollen sich die Deutschen im Urlaub wieder etwas gönnen. Im Vergleich zu den Vorjahren geben sie mehr Geld für den Urlaub aus und buchen verstärkt höherwertige Reisen. „Die Wertschätzung für Reisen steigt und Qualität steht bei den Kunden hoch im Kurs“, so DRV-Präsident Fiebig. Darüber hinaus sichern sich die Urlauber auch stärker ab und kalkulieren Reiseversicherungs-Pakete und flexible Umbuchungs- und Stornierungskonditionen in die Planung mit ein. Überwiegend werden die Reisen einschließlich dieser sogenannten „Flex-Tarife“ gebucht, wie Reiseveranstalter berichten. Diese erlauben bis kurz vor Abreise ein zumeist kostenfreies Umbuchen oder Stornieren ohne Angabe von Gründen.

„Die aktuell steil ansteigende Buchungskurve insbesondere für die Sommerferien darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass erst etwa die Hälfte des sonst üblichen Umsatzniveaus erreicht ist – das Minus gegenüber dem Vor-Corona-Sommer 2019 beträgt Stand Mitte Februar kumuliert 48 Prozent“, so der DRV-Präsident. Gegenüber dem relativ schwachen Reisesommer 2021 ergebe sich hingegen ein sehr deutliches Plus von 159 Prozent.

Familien buchen jetzt Sommerferien

Üblicherweise werden im Januar eines Jahres die meisten Urlaubsreisen für die Sommersaison gebucht. In diesem Jahr wird sich der bisherige Buchungshöhepunkt voraussichtlich auf Februar und März verschieben. Fast die Hälfte aller Neubuchungsumsätze der Familien entfallen derzeit auf Abreisen im Juli und August. Dabei fließt fast jeder zweite Umsatzeuro in Reisen ins östliche Mittelmeer.

Die aktuelle Wintersaison 2021/22, die am 30. April endet, bleibt herausfordernd. Viele Reiseländer – besonders auf der Fernstrecke – sind noch nicht oder nur mit Einschränkungen zu bereisen. Daher zeigen die Fernreisen einen überproportionalen Rückgang gegenüber anderen Reisen. Der Winterumsatz gesamt liegt aktuell 46 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Winter 2018/19 im Minus. Im Vergleich zum Corona-Winter 2020/2021, der ein Totalausfall war, stiegen die Umsätze sehr deutlich an. Durch das aktuell steigende Buchungsaufkommen für die Osterferien wird sich Ergebnis für das Winterhalbjahr noch weiter verbessern. Traditionell sind im Winter besonders Ziele mit Sonnengarantie nachgefragt: So zeigen sich die Kanaren am umsatzstärksten. Gut gebucht und zurück auf Vor-Corona-Niveau sind zudem die Malediven und die Dominikanische Republik.

Trendwende zu Ostern erwartet: Hohe Nachfrage Richtung Türkei und Ägypten

Bis März bleibt das Reiseaufkommen noch überschaubar, zeigen die aktuellen Buchungszahlen. Die Trendwende läuten die Osterferien und Pfingsten ein, für die das Geschäft sichtlich an Fahrt aufnimmt. Fast ein Drittel aller im Februar getätigten Neubuchungen betreffen Abreisen rund um Ostern und Pfingsten. Für die Mitte April liegenden Osterferien zeichnet sich eine erhöhte Nachfrage für Flugpauschalreisen in die Urlaubsregionen rund um die Zielflughäfen Antalya (Türkei), Hurghada (Ägypten) und Palma de Mallorca ab, gefolgt von den Malediven und den kanarischen Inseln Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa. Auch Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) und Punta Cana (Dominikanische Republik) liegen in der Gunst der Urlaubsreisenden weit vorn.

Prognose: Vor-Corona-Ergebnis ab 2023 zu erwarten

„In diesem Jahr rechne ich mit einem richtig guten Sommer – die Reiselust der Deutschen ist grundsätzlich da. Schwer abzuschätzen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt jedoch die möglichen Auswirkungen aufgrund der Lage in der Ukraine“, so DRV-Präsident Fiebig. „Auf das gesamte touristische Jahr gesehen, werden wir aufgrund des herausfordernden Winters voraussichtlich noch nicht ganz an die Vor-Corona-Umsätze herankommen. 2023, da bin ich optimistisch, können wir aus heutiger Sicht wieder Umsätze auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit erwarten.“

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