Der Deutsche Reiseverband (DRV) fordert bessere Rahmenbedingungen für die Kreuzfahrt in Deutschland. In einem neuen Positionspapier zeigt der Verband auf, wie der Standort langfristig wettbewerbsfähig bleiben kann. Im Mittelpunkt stehen leistungsfähige Häfen, eine bessere Verkehrsanbindung, weniger Bürokratie und verlässliche Bedingungen für die Hochsee und Flusskreuzfahrt.
Das Papier wurde am 21. September 2026 in Berlin an Christoph Ploß, den Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, übergeben. Anlass war ein Treffen in der Landesvertretung Hamburg. Daran nahmen auch zahlreiche Führungskräfte grosser Kreuzfahrtunternehmen teil. [1]
Kreuzfahrten bleiben ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
Die Bedeutung der Kreuzfahrt für Deutschland ist hoch. Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen rund 6,7 Mrd. Euro für Hochsee und Flusskreuzfahrten aus. Das entspricht einem Plus von acht Prozent. Damit bleibt die Kreuzfahrt ein wichtiger Wachstumsmotor für die deutsche Reisewirtschaft.
Von den Ausgaben profitieren nicht nur die Reedereien. Auch Häfen, Ausflugsanbieter, Hotels, Restaurants, Transportunternehmen und viele weitere Dienstleister sind beteiligt. Zusätzlich schafft die Branche Arbeitsplätze und erhöht die internationale Sichtbarkeit deutscher Reiseziele.
„Die Nationale Tourismusstrategie zeigt explizit die Notwendigkeit moderner, auf Nachhaltigkeit ausgerichteter, leistungsfähiger Häfen und deren Anbindung als wichtige Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg, die erfolgreiche Umsetzung der nationalen Energie und Klimaziele sowie den allgemeinen Wohlstand in Deutschland auf“, betont Felix Eichhorn, Präsident von AIDA Cruises und DRV Vizepräsident.
Entscheidend sei nun, die angekündigten Massnahmen zügig und konsequent umzusetzen.
Deutschland hat gute Voraussetzungen
Auch Benjamin Krumpen, Geschäftsführer von Phoenix Reisen und Vorsitzender des Ausschusses Kreuzfahrt im DRV, sieht grosses Potenzial für Deutschland als Kreuzfahrtstandort.
„Deutschland verfügt über hervorragende Voraussetzungen als Kreuzfahrtstandort“, erklärt er. Gleichzeitig müssten Infrastruktur, politische Rahmenbedingungen und administrative Prozesse mit der Marktentwicklung Schritt halten. Nur so könne Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen.
Gerade internationale Reedereien achten bei ihren Standortentscheidungen zunehmend auf eine gute Hafeninfrastruktur, kurze Genehmigungswege und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Auch nachhaltige Technologien und klimafreundliche Kraftstoffe spielen eine immer wichtigere Rolle.
Niedrigwasser setzt die Flusskreuzfahrt unter Druck
Wie dringend Verbesserungen sind, zeigt das extreme Niedrigwasser im Sommer 2026. Auf Rhein, Mosel und Donau kam es zu erheblichen Einschränkungen für die Flusskreuzfahrt.
Reisen mussten umgeroutet werden. Ein und Ausschiffungsorte wurden verlegt, Schiffe gewechselt und Teilstrecken mit zusätzlichen Bustransfers überbrückt. Einige Reisen und Veranstaltungen mussten vollständig abgesagt werden. Auch Liegestellen konnten bei extremen Pegelständen teilweise nicht genutzt werden. Die sichere Ein und Ausschiffung der Gäste war dadurch zusätzlich erschwert. [2]
Für Reisende bedeutete das kurzfristige Änderungen und eine geringere Planungssicherheit. Für Reedereien und Veranstalter entstanden zusätzliche organisatorische und finanzielle Belastungen.
Bundeswasserstrassen widerstandsfähiger machen
Der DRV fordert deshalb, dass die besonderen Anforderungen der Flusskreuzfahrt in die weiteren Dialoge und Massnahmen der Bundesregierung einbezogen werden. Die akute Bewältigung von Niedrigwasser allein reicht aus Sicht des Verbandes nicht aus.
Die Bundeswasserstrassen müssen langfristig widerstandsfähiger werden. Dafür nennt der DRV unter anderem folgende Punkte:
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eine beschleunigte Umsetzung der Niedrigwasser Massnahmen am Mittelrhein
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verlässliche Wasserstandsprognosen
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europaweit abgestimmte Informationsangebote
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eine langfristig gesicherte Finanzierung
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die Modernisierung und der Ausbau der Wasserstrassen
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eine bessere Nutzbarkeit von Liegestellen
Diese Verbesserungen helfen nicht nur der Kreuzfahrt. Sie stärken auch die allgemeine Zuverlässigkeit und Nutzbarkeit wichtiger Verkehrswege in Europa.
Nationale Tourismusstrategie schneller umsetzen
Der DRV begrüsst die Ziele der Nationalen Tourismusstrategie. Dazu gehören die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, der Ausbau der Infrastruktur und der Abbau bürokratischer Hürden.
Im Positionspapier fordert der Verband nun konkrete Schritte. Dazu zählen eine bessere Verkehrsanbindung der Häfen, zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und schnellere Genehmigungsverfahren. Besonders für die Flusskreuzfahrt sieht der DRV einen hohen Investitionsbedarf.
Darüber hinaus brauche es bessere Voraussetzungen für nachhaltige Technologien und klimafreundliche Kraftstoffe. Reedereien benötigen Planungssicherheit, wenn sie in neue Antriebssysteme, Energieversorgung und emissionsärmere Lösungen investieren.
Einheitliche Regeln für eine internationale Branche
Die Kreuzfahrtbranche arbeitet international. Schiffe fahren durch mehrere Länder, laufen verschiedene Häfen an und müssen zahlreiche nationale und europäische Vorgaben erfüllen.
Der DRV betont deshalb die Bedeutung verlässlicher und international abgestimmter Rahmenbedingungen. Nationale, europäische und internationale Regelwerke müssten eng miteinander verzahnt werden. Nur so könne ein wettbewerbsfähiges Umfeld für die global tätige Kreuzfahrtbranche entstehen.
Für dich als Gast bedeutet das vor allem mehr Planungssicherheit. Klare Regeln und leistungsfähige Infrastrukturen helfen dabei, Reisen zuverlässig durchzuführen und attraktive Routen anzubieten.
Jetzt sind Politik und Wirtschaft gefragt
Deutschland verfügt über starke Häfen, erfahrene Unternehmen und eine hohe Nachfrage nach Kreuzfahrten. Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind damit grundsätzlich vorhanden.
Damit der Standort seine Chancen nutzen kann, müssen die im Positionspapier genannten Massnahmen jedoch zeitnah umgesetzt werden. Der DRV appelliert an die Bundesregierung, gemeinsam mit der Wirtschaft und den Ländern konkrete Lösungen zu entwickeln.
Das vollständige Positionspapier „Agenda für die Kreuzfahrt in Deutschland“ steht auf der Webseite des Deutschen Reiseverbandes im Themenbereich Kreuzfahrt zum Download bereit. [1]
Quellen
[1] Deutscher Reiseverband — „Kreuzfahrtstandort Deutschland stärken“ und „Agenda für die Kreuzfahrt in Deutschland“ (September 2026) — https://www.drv.de/anzeigen/txnews/kreuzfahrtstandort-deutschland-staerken.html
[2] Deutscher Reiseverband — Positionspapier des Kreuzfahrtausschusses, PDF (September 2026) — https://www.drv.de/public/Downloads_2026/Positionspapier_Kreufahrtausschuss.pdf










