Unsere zehntägige Familien-Flussreise mit der MS Edelweiss auf Rhein, Mosel und Saar stand von Beginn an im Zeichen der Flexibilität. Wegen Niedrigwasser musste die ursprüngliche Route mehrfach angepasst werden, doch dadurch entdeckten wir zahlreiche spannende Orte und Städte. Neben Andernach, Cochem, Luxemburg und Trier führten uns die Alternativen auch nach Düsseldorf und Köln. Für die Kinder sorgten abwechslungsreiche Ausflüge, eine Alpaka-Wanderung, Spielplätze und besondere Aktionen an Bord für viele Höhepunkte. Trotz mancher organisatorischer Hürden und kurzfristiger Änderungen blieb die Reise voller eindrücklicher Erlebnisse. So wurde aus einer nicht ganz planmässigen Flussfahrt eine abwechslungsreiche Familienreise mit vielen schönen Erinnerungen.
Text und Fotos von Dominik Stierli
F wie Flussfahrt und wie Flexibilität
Trotz der Hitzewellen im Sommer 2026 war Anfang Juli der Rheinpegel noch kein öffentliches Thema, sodass wir etwas überrascht zur Kenntnis nahmen, dass unsere Flussfahrt mit einer knapp 6-stündigen Carfahrt beginnt.
Ansonsten hat man sich bei Thurgau Travel bemüht, die 10-tägige Familienreise «Basel-Trier-Basel» so gut wie möglich über die Runde zu bringen. Mit der früher gestarteten Anreise schiffte man in Koblenz kaum zwei Stunden später als geplant auf der MS Edelweiss ein.
Ein erster Stopp in Andernach
Noch am Sonntag ging es auf dem Rhein von Koblenz nach Andernach. Aus dem geplanten ganztägigen Flusstag wurde nun ein halbtägiger Aufenthalt in Andernach – mit 2000 Jahren eines der ältesten Städtchen Deutschlands. Gut 30’000 Einwohnende beherbergt der Ort im nördlichen Rheinland-Pfalz, den wir am Montagmorgen mit einem Spaziergang entlang der alten Stadtmauer erkundeten. Es war alles noch sehr ruhig.
Zeitgleich startete für unsere 9- und 12-jährigen Kinder ihr Programm. Man lernte sich kennen, bastelte Türschilder für die Kabinen und erhielt sogar eine exklusive Schiffsführung vom Kapitän, inklusive Probesitzen auf dem Kapitänsposten. Gut 22 junge Gäste waren mit an Bord.
Ab auf die Mosel
Auf der Weiterfahrt am Nachmittag nutzten wir den Schiffspool. Wie erwartet war das Schwimmbecken eher klein, bot aber an diesen heissen Tagen eine angenehme Abkühlung. Auch zu viert fanden wir darin Platz. Um 15 Uhr passierten wir das Deutsche Eck in Koblenz und drehten auf die Mosel ab. Dank des regulierten Pegels gab es hier kein Niedrigwasser. Nach dem Abendessen erreichte unser Schiff Treis-Karden, einen weiteren zusätzlichen Halt. Wir erkundeten das 2000-Seelen-Dorf kurz zu Fuss.
Ab Dienstagmorgen folgten wir mit der Ankunft in Cochem der ursprünglich geplanten Reise. Der im Vorfeld angekündigte Ausflug in einen Tier- und Wildpark wurde allerdings durch eine Familienführung auf der Reichsburg in Cochem ersetzt. Für Hektik sorgte bei uns, dass der Starttermin eine halbe Stunde früher als im Tagesprogramm ersichtlich, stattfand und dies erst kurzfristig per Durchsage angekündigt wurde.
Interessante Familienführung
Die ehemalige Zollburg hat eine bewegte, über 1000-jährige Geschichte hinter sich. Unser Guide erklärte das kindgerecht und führte uns durch die Räumlichkeiten. Es gab Blind- und Geheimtüren zu entdecken, einen grossen Rittersaal und einen Balkon mit toller Aussicht.
Die Reise ging um den Mittag weiter. Den erneuten Halt in Traben-Trarbach am Abend, nutzten wir für einen Spaziergang über die schmucke Brücke auf die andere Fluss-Seite. Allerdings war hier am Abend kaum ein Restaurant oder eine Bar geöffnet.
Ausflug in den Kleinstaat – Mit KI-Tipps durch Luxemburg
Über Nacht erreichten wir das luxemburgische Städtchen Grevenmacher, welches wir am Morgen kurz zu Fuss erkundeten. Am Nachmittag nutzten wir den gebuchten Transfer in die Hauptstadt des Kleinstaats mit knapp 670’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Als Experiment liessen wir uns von KI-Tipps führen. Mit den Vorgaben von drei Stunden Zeit und dem Fokus auf die Kinder schlug das System als erstes Ziel einen Spielplatz vor. Der Piratenspielplatz im Stadtpark fand bei unseren Mädchen grossen Anklang.
Durch die nahegelegene «Grand Rue» mit vielen Einkaufsmöglichkeiten ging es weiter zum kostenlosen Panorama-Aufzug Pfaffenthal, der einen grossartigen Ausblick auf Teile der Stadt bot. Der dritte Tipp schlug uns einen Fussmarsch unter der grossen Adolphe-Brücke hindurch vor. Unter dieser Strassenbrücke existiert eine Art Hängebrücke mit Fussgänger- und Veloweg. Interessant, aber nicht ganz so spektakulär. Die restliche Zeit nutzten wir für eine kostenlose Tramfahrt durch die Stadt. Der öffentliche Verkehr darf kostenlos benutzt werden.
Atemberaubender Blick auf die Saarschleife
Am Abend setzte sich die MS Edelweiss flussabwärts auf der Mosel in Bewegung und bog bei Konz in die Saar ab. Am Donnerstagmorgen erreichten wir Merzig, wo kurz vor 9 Uhr unser geführter Ausflug zum Baumwipfelpfad startete. Inmitten eines grossen Waldgebietes führte der Weg zuerst waagerecht über die Baumwipfel und dann zum 42 Meter hohen Turm mit der atemberaubenden Aussicht auf die Saarschleife. Die Saar fliesst auf 235 Kilometern von Frankreich nach Deutschland und ist der längste Zufluss der Mosel.
Dieser Ausflug war zwar im Familien-Ausflugspaket drin, aber die Führung war sehr allgemein gehalten und wir erhielten von der Reiseleiterin kaum Infos. Auch hätten unsere Kinder noch gerne den riesigen Abenteuerspielplatz besucht, dafür fehlte aber die Zeit und es wäre ein zusätzlicher Eintritt nötig gewesen.
Nächster Halt in Mettlach
Zurück auf dem Schiff passierten wir die Saar-Schleife und wurden zudem beim Mittagessen von einem feinen asiatischen Buffet überrascht. Den Nachmittag verbrachten wir in Mettlach. Eine kleine, aber feine Fussgängerzone lud zum Verweilen ein. Zahlreiche Outlet-Geschäfte, unter anderem des dort ansässigen Keramikherstellers Villeroy & Boch, luden zum Shoppen. Für uns gab es in einem Café eine üppige Eis-Schokolade und ein Eis-Café. Nicht dass es auf dem Schiff zu wenig Essen gab, aber die Atmosphäre passte hier sehr gut für einen Zwischenstopp.

Alpaka-Wanderung bei Schweich
Lamas und Alpakas – Fanny, Emmy und Roony wuchsen uns schnell ans Herz
Für viele Gäste ging es am nächsten Morgen von Schweich aus nach Trier – eine der ältesten Städte Deutschlands. Mit dem Familien-Ausflugspaket erwartete uns aber eine spassige Alpaka-Wanderung. Der Weg führte nicht auf die Hügel, sondern rund um den Freizeitsee Triolago. Praktisch alle der gut 20 Erwachsenen und Kinder durften ein eigenes Alpaka oder Lama führen. Das gestaltete sich nicht ganz einfach, denn die Tiere waren entweder zu schnell, zu langsam oder interessierten sich mehr für die Gräser am Wegesrand als für den Spazierweg. Fanny, Emmy, Roony oder wie die Tiere alle hiessen, wuchsen uns schnell ans Herz. Nach zwei Stunden mussten aber alle Paarhufer wieder abgegeben werden.
Am Nachmittag ging unsere Reise in Richtung Bernkastel-Kues weiter. Ab 16 Uhr wurden wir zur High-Tea-Time geladen. Wir konnten uns am grossen Dessertbuffet mit Waffeln, Torten, Macarons, Fruchtsalat, Gebäck und Schoko-Saucen bedienen. Nach dem wiederum feinen Abendessen stoppten wir nochmals in Traben-Trarbach. Die kurzen Stopps an den Abenden wurden zur angenehmen Gewohnheit. Mit den Kindern konnte man sich so – an den Spielplätzen in der Nähe der Anlegestelle – noch etwas austoben und sich selbst auch etwas bewegen.
Aussicht muss man sich verdienen – Kinder wurden auf der MS Edelweiss verwöhnt
Am nächsten Morgen brachte uns ein Spaziergang ins schmucke Wein-Städtchen Bernkastel. Die schmalen Gassen mit den Fachwerkshäusern luden zum Herumlaufen ein und einige Geschäfte zum Shoppen. Für die schönste Aussicht auf die Gegend empfahl sich ein Marsch zur Burg Landshut. Etwas über 100 Höhenmeter und einige Schweisstropfen später genossen wir die Aussicht. Eine weniger anstrengende Variante wäre der kostenpflichtige Oldtimer-Bus, der stündlich die Strecke fährt.
Am Nachmittag konnten wir wieder einmal das Sonnendeck geniessen. Die malerische Gegend mit den vielen Rebbergen zog an uns vorbei. Die Kinder kühlten sich nochmals im Pool ab. Wegen der niedrigen Brücken über Mosel und Saar war das Sonnendeck oft über Stunden geschlossen und man erfuhr jeweils nicht, wann es wieder geöffnet wird. Ein entsprechender Hinweis im Tagesprogramm oder eine Durchsage wäre wünschenswert.
Die Kinder wurden auf dieser Reise immer wieder verwöhnt. An diesem Abend belegten sie selbst Pizzas fürs Abendessen und kamen in den Genuss eines zweiten Filmabends.
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Zurück in Koblenz
Vor einer Woche waren wir zwar in Koblenz angekommen, doch blieb damals keine Zeit für eine Besichtigung. Dies holten wir nun nach. Es ging an diesem Sonntagmorgen ans nahe Deutsche Eck und von dort mit der Gondelbahn zur Festung Ehrenbreitstein. Das Museum liessen wir aus, so blieb Zeit, die Aussicht und den grossen Spielplatz zu nutzen.
Eisparty und Gala-Dinner mit 7 Gängen
Am Nachmittag folgte für die Kinder wie auch die Erwachsenen eine kühle Überraschung. Bei der Eisparty konnte man aus sechs Sorten, verschiedenen Toppings und Saucen sowie Rahm und Früchten den eigenen Coupe zusammenstellen.
Nicht, dass es am Abend dann weniger zu essen gab. Mit dem 7-gängigen Gala-Dinner folgte ein kulinarisches Highlight mit unter anderem knusprig frittierten Garnelen-Wonton, rosa gebratenem Rinderfilet oder dem Schoko-Lavakuchen. Der Zwischengang mit Sorbet und Sekt wurde auch in einer kindergerechten Variante mit Sprite serviert.
Düsseldorf und Köln als Alternative
Wegen des anhaltenden Niedrigwassers war auch der Rückweg nicht für die MS Edelweiss machbar und so lag auch der Stopp beim Europa-Park nicht drin. Als gelungene Alternative wurden zwei grosse deutsche Städte angesteuert.
Am späten Sonntagabend erreichten wir Düsseldorf. Bei der Einfahrt fiel uns der grosse Rheinturm (170 Meter hoch) auf, den wir gleich noch am Abend ansteuerten und der uns die imposante Aussicht auf die vielen Lichter der siebtgrössten Stadt Deutschlands bescherte. Am nächsten Tag durchstreiften wir in der Stadt mit 600’000 Einwohnenden die Königsallee, eine 1,2 Kilometer lange Pracht- und Luxuseinkaufsstrasse.
Bereits um 11 Uhr setzte die MS Edelweiss Kurs auf Köln. Wir erreichten die viertgrösste Stadt Deutschlands mit fast einer Stunde Verspätung um 16.30 Uhr. Zum Glück lag unsere Anlagestelle direkt bei der Hohenzollernbrücke und somit in Sichtweite des Kölner Doms. Dieses war von seiner Grösse her absolut beeindruckend und fast nicht auf ein Foto zu kriegen.
Beeindruckend war auch die Einkaufsmeile. Kaum eine bekannte Marke, welche hier nicht zu entdecken war. Dazu auch noch einige deutsche oder internationale Besonderheiten wie ein «Sendung mit der Maus-Shop», ein Zalando-Outlet und verschiedene Modehäuser.
Viele tolle Einblicke – aber doch ein bisschen Kritik
Mit den zwei grossen deutschen Städten wurde uns ein abwechslungsreiches Programm geboten. Leider auch fast etwas zu viel des Guten. Mit der Verspätung blieben für Köln nur etwas mehr als zwei Stunden für den Landgang. Ausser man liess das letzte Abendessen weg, welches sich erneut ziemlich in die Länge zog. Dadurch war dann auch der von der Reiseleiterin angekündigte Landgang nach dem Abendessen gar nicht mehr möglich, denn das Schiff legte um Viertel vor Neun ab.
Am nächsten Morgen holten uns die Cars in Andernach ab, von wo aus sie uns in gut sechs Stunden nach Basel brachten. Eine eindrückliche Reise, mehrheitlich nach Plan, ging für uns Vier zu Ende. Ein etwas weniger überfrachtetes Ersatzprogramm und eine angemessenere Kommunikation auf dem Schiff wären aber wünschenswert. So oder so war es beeindruckend, wie viele kleine und grosse Orte wir in den zehn Tagen kennen lernen durften.
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