Eigentlich stand der Besuch der AIDAnova in Hamburg im Mittelpunkt meines Trips. Das beeindruckende Kreuzfahrtschiff faszinierte mich mit seiner modernen Ausstattung und dem maritimen Flair. Doch zum Programm gehörte – auf Einladung von AIDA Cruises – auch ein Konzert von Mari Boine im Rahmen des Arctic Voices Festivals in der Elbphilharmonie. Anfangs fragte ich mich, ob das wirklich etwas für mich sei, da ich eher Schlager höre und weniger mit World Music, Folk oder Rock vertraut bin. Doch die Musik von Mari Boine hat mich tief beeindruckt und fasziniert.
Von Kreuzfahrt Blogger Hans Stieger
Die Stimme des Nordens: Mari Boine und der Joik
Mari Boine ist Sängerin, Songwriterin und Aktivistin aus der samischen Kultur, die in den arktischen Regionen Schwedens, Norwegens und Finnlands beheimatet ist. Die 70-jährige gilt als das Aushängeschild dieser nordischen Musiktradition. Seit den 1980er Jahren verbindet sie den traditionellen Joik – eine uralte Gesangsform der Samen – mit Pop, Rock und Jazz. Mari Boine beschreibt ihre Musik so: „Ich weiß, dass die Leute meine Musik schon lange lieben, aber ich war nie zufrieden. Jetzt bin ich wirklich ich selbst: Ich mag, wer ich bin, ich weiß, worum es in meiner Musik geht und was meine Ziele sind.“
Joik – mehr als Musik, ein Ausdruck der Seele
Der Joik ist eine besondere Gesangsform, die Gefühle ausdrückt, wenn Worte nicht ausreichen. Mari Boine erläutert: „Es ist eine Art, Gefühle auszudrücken, wenn Worte nicht ausreichen.“ Gleichzeitig hat der Joik eine schamanische Dimension, die durch christliche Missionare lange Zeit unterdrückt wurde. Mari Boine selbst begann erst mit 25 Jahren, den Joik zu lernen, da ihre Eltern in einer christlichen Familie aufgewachsen waren und ihr diese Musik als vom Teufel stammend verboten hatten. Sie sagt: „Ich nenne mich keine traditionelle Sängerin, weil ich nicht damit aufgewachsen bin. Ich habe sie gelernt, indem ich anderen zugehört habe und in Archiven gesucht habe.“
Ein ausführliches Gespräch mit Mari Boine im Podcast der Elbphilharmonie kannst Du hier hören.
“Wenn die Natur zerstört wird, verlieren wir alles”
Die Musik von Mari Boine ist tief mit der Natur verbunden, was für die Samen so selbstverständlich ist wie das Atmen. In ihrem Lied „Rohkos“ ruft sie kraftvoll: „Mutter Erde, bitte erhalte die Früchte der Geburt.“ Die Sängerin setzt sich nicht nur für das musikalische Erbe der Samen ein, sondern auch für den Schutz der Umwelt angesichts des Klimawandels. Sie betont: „Wir wissen, dass Sprache und Kultur nur überleben können, wenn wir eine Verbindung zur Natur haben. Wenn die Natur zerstört wird, verlieren wir alles.“
Mari Boine sieht ihre heutige Aufgabe darin, junge Menschen zu ermutigen und durch ihre Musik ein Bewusstsein für die Herausforderungen indigener Völker und der Umwelt zu schaffen: „Heute, als ältere Frau, sehe ich meine Aufgabe darin, junge Menschen zu ermutigen. Ich habe nicht mehr die gleiche Energie, um vorneweg zu demonstrieren, aber ich kann es durch meine Musik tun.“
Ein unvergessliches Erlebnis
Das Konzert in der Elbphilharmonie hat mir gezeigt, wie kraftvoll und bewegend Musik sein kann, die tief in einer Kultur verwurzelt ist und gleichzeitig moderne Elemente aufnimmt. Obwohl ich ursprünglich eher Schlager bevorzuge, hat mich Mari Boines authentische und eindringliche Musik fasziniert und berührt. Dieses Erlebnis mit Stand Ovations des Publikums hat meinen Blick auf Musik erweitert und mir die Bedeutung von Tradition, Naturverbundenheit und kultureller Identität eindrücklich vor Augen geführt.
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