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Kreuzfahrt-Rekorde trotz Umweltalarm: Die Gewinner und Verlierer des NABU-Rankings 2026

NABU Kreuzfahrtranking 2026 (Grafik NABU)

Die Kreuzfahrt boomt wie nie zuvor: Millionen Menschen gehen weltweit auf Seereise, die Branche meldet Passagierrekorde. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Reedereien, ihre Umweltbilanz zu verbessern. Das neue NABU-Kreuzfahrtranking 2026 zeigt: Es gibt Fortschritte bei Landstrom, Energieeffizienz und Abgastechnik. Beim entscheidenden Thema Klimaneutralität bleibt die Branche jedoch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Platz 1 belegt – wie im Vorjahr – Havila Voyages, gefolgt von Hurtigruten und Ponant. AIDA Cruises und TUI Cruises belegen mit gleicher Punktezahl Platz 4.

Die Kreuzfahrtbranche befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Nach dem Einbruch während der Corona-Pandemie haben die Passagierzahlen weltweit neue Höchststände erreicht. 2024 reisten rund 34,6 Millionen Menschen mit Kreuzfahrtschiffen, 2025 waren es bereits etwa 37,2 Millionen Gäste – ein Plus von rund 7,5 Prozent innerhalb nur eines Jahres. Auch Deutschland verzeichnete einen deutlichen Anstieg: Die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere stieg von 2,574 Millionen im Jahr 2024 auf 2,832 Millionen im Folgejahr – ein Wachstum von etwa zehn Prozent.

Naturschutzbund Deutschland (NABU) veröffentlich sein jährliches Kreuzfahrtranking

Von deutschen Kreuzfahrthäfen wie Hamburg, Kiel, Rostock oder Bremerhaven gingen nach Angaben des Statistischen Bundesamts zuletzt rund 1,51 Millionen Menschen auf Hochseekreuzfahrt. Damit entschieden sich 4,1 Prozent mehr Urlauber für eine Reise auf See als noch im Jahr zuvor.

Während die Nachfrage wächst, steht die Branche allerdings weiterhin im Fokus von Umwelt- und Klimaschützern. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat deshalb sein jährliches Kreuzfahrtranking veröffentlicht und untersucht, welche Reedereien beim Umweltschutz Fortschritte machen – und welche hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Zwischen Rekorden und Klimakrise: Das schwierige Verhältnis der Kreuzfahrt zur Umwelt

Mehr als 400 Kreuzfahrtschiffe sind inzwischen weltweit unterwegs. Die schwimmenden Hotels locken mit Komfort, exotischen Reisezielen und einer stetig wachsenden Auswahl an Angeboten. Gleichzeitig gelten Kreuzfahrten nach wie vor als eine der emissionsintensivsten Formen des Reisens.

Der NABU beschäftigt sich bereits seit 2011 mit den Umweltfolgen der Kreuzfahrtindustrie. Damals stand die Branche noch deutlich stärker wegen hoher Schadstoffemissionen in der Kritik. Der Verband verlieh den Unternehmen Aida Cruises und TUI Cruises den Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“. Die damalige Kritik: Die als „weiße Flotten“ beworbenen Kreuzfahrtschiffe seien in Wahrheit „schmutzige Russschleudern“.

Seitdem hat sich einiges verändert. Moderne Schiffe sind effizienter geworden, viele Reedereien investieren in neue Technologien, und in zahlreichen Häfen entstehen Landstromanlagen. Doch der NABU sieht weiterhin grundlegende Probleme – vor allem beim Umgang mit fossilen Brennstoffen.

NABU-Ranking 2026: Fortschritte ja, Durchbruch nein

Für das Kreuzfahrtranking 2026 bewertete der NABU die freiwilligen Angaben von mehr als einem Dutzend Kreuzfahrtunternehmen. Im Mittelpunkt standen mehrere Umweltkriterien:

  • Verzicht auf Schweröl als Treibstoff

  • Nutzung von Landstrom während der Hafenliegezeiten

  • Einsatz von Stickoxidkatalysatoren

  • Maßnahmen zur Energieeffizienz

  • Strategien für Klimaschutz und emissionsfreie Antriebe

Das Ergebnis fällt gemischt aus: Die Branche verbessert sich in einzelnen Bereichen, erreicht aber insgesamt noch kein ausreichendes Niveau. Selbst die bestplatzierten Unternehmen schaffen weniger als die Hälfte der maximal erreichbaren Punkte.

Besonders kritisch bewertet der NABU den weiterhin verbreiteten Einsatz von Schweröl. Nur vier der zwölf untersuchten Reedereien schließen diesen besonders klimaschädlichen und schadstoffreichen Treibstoff vollständig aus. Andere Unternehmen setzen auf sogenannte Scrubber-Systeme, also Abgaswäscher. Diese reduzieren zwar bestimmte Luftschadstoffe, lösen das Grundproblem aus Sicht des NABU aber nicht. Die Schadstoffe werden teilweise mit dem Waschwasser ins Meer eingeleitet.

„Noch immer setzen Kreuzfahrtunternehmen in großem Umfang auf Schweröl – mit fatalen Folgen für Klima und Umwelt. Dabei wäre der Ausstieg längst möglich“, sagt Raija Koch, NABU-Referentin für Schifffahrt. Nach Ansicht des Verbandes fehlen nicht die technischen Möglichkeiten, sondern verbindliche Entscheidungen der Unternehmen.

Wer fährt vorneweg, wer bleibt zurück?

In den vergangenen Jahren konnten sich vor allem kleinere norwegische Anbieter an der Spitze des NABU-Rankings behaupten. Besonders gut schnitten regelmäßig Havila Voyages und Hurtigruten ab. Beide Unternehmen setzen stärker auf alternative Antriebskonzepte und verzichten bei ihren modernen Schiffen zunehmend auf besonders problematische Kraftstoffe.

Auch deutsche Anbieter wie TUI Cruises mit der Marke Mein Schiff sowie AIDA Cruises konnten zuletzt bessere Platzierungen erreichen. Fortschritte gibt es unter anderem bei der Nutzung von Landstrom und bei Effizienzmaßnahmen.

Deutlich schwächer schneiden dagegen große internationale Konzerne wie Norwegian Cruise Line und Royal Caribbean International ab, die in früheren Rankings häufig auf hinteren Plätzen lagen. Der NABU kritisiert insbesondere die weiterhin unzureichenden Schritte beim vollständigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern.

Landstrom wird zum neuen Standard – zumindest langsam

Ein Bereich, in dem die Kreuzfahrtbranche sichtbare Fortschritte macht, ist die Nutzung von Landstrom. Dabei werden Schiffe während ihrer Liegezeit im Hafen an das Stromnetz angeschlossen. Die bisher üblichen laufenden Schiffsmotoren können dadurch abgeschaltet werden.

Das reduziert nicht nur den Ausstoß von Kohlendioxid, sondern auch Luftschadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub – ein wichtiger Vorteil für Hafenstädte und deren Bewohner.

Auch bei der Energieeffizienz erkennt der NABU Verbesserungen. Neue Schiffe verfügen über optimierte Rumpfformen, sparsamere Maschinen und digitale Systeme zur Verbrauchssteuerung. Zudem werden ältere Schiffe technisch nachgerüstet. Dadurch sinken die Emissionen pro Passagierkilometer bei vielen Unternehmen.

Doch diese Fortschritte reichen nach Ansicht der Umweltorganisation nicht aus.

Der größte Streitpunkt: Was kommt nach Öl und LNG?

Die Kreuzfahrtindustrie hat sich verpflichtet, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Der Weg dorthin bleibt jedoch unklar. Viele Unternehmen setzen weiterhin auf Übergangstechnologien wie Flüssigerdgas (LNG) oder biogene Kraftstoffe.

Der NABU warnt davor, dass solche Lösungen den notwendigen Wandel verzögern könnten. LNG könne zwar bestimmte Schadstoffe reduzieren, bleibe aber ein fossiler Energieträger mit klimaschädlichen Methanemissionen. Auch biogene Kraftstoffe seien nicht unbegrenzt verfügbar und könnten nicht allein die gesamte Branche klimaneutral machen.

Nach Ansicht des NABU müssen Reedereien stärker in wirklich klimaneutrale Technologien investieren – etwa in synthetische Kraftstoffe, sogenannte eFuels, oder alternative Antriebssysteme.

„Die Kreuzfahrtbranche erwirtschaftet hohe Gewinne und trägt damit eine besondere Verantwortung, beim Klima- und Umweltschutz voranzugehen“, sagt Sönke Diesener, Schifffahrtsexperte beim NABU. Entscheidend sei nun, aus Konzepten konkrete Investitionen zu machen. „Statt weiter auf Schweröl, LNG oder biogene Kraftstoffe zu setzen, braucht es jetzt Investitionen in Technologien, die echten Klimaschutz ermöglichen. 2026 wurde das erste Konzept für ein vollelektrisches großes Kreuzfahrtschiff von einer deutschen Werft vorgestellt. Auch in der Schublade so mancher Reederei schlummern Konzepte, die eine klimaneutralen Betrieb von Kreuzfahrtschiffen vorsehen. Jetzt müssen daraus konkrete Investitionsentscheidungen werden, damit die nächste Generation von Kreuzfahrtschiffen tatsächlich klimafreundlicher unterwegs ist.“

Detail Ergebnisse des NABU Kreuzfahrtranking 2026 (Grafik NABU)

Schweiz bildet Ausnahme beim Kreuzfahrtboom

Während Deutschland und viele andere Märkte wachsen, entwickelt sich die Kreuzfahrt in der Schweiz zuletzt anders. Die Zahl der Schweizer Kreuzfahrtpassagiere sank von 111.000 im Jahr 2024 auf rund 106.000 im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang von etwa vier Prozent.

Damit liegt die Schweiz weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie. Damals wurden jährlich rund 140.000 Schweizer Kreuzfahrtpassagiere gezählt.

Mehr zum Thema: Schweizer Kreuzfahrtmarkt im Stillstand: Warum die Nachbarn boomen und wir nicht

Der Rückgang ändert jedoch wenig am globalen Trend: Die Kreuzfahrtindustrie wächst weiter – und mit ihr die Herausforderung, diesen Wachstumsmarkt umweltverträglicher zu gestalten.

Die Branche bewegt sich – aber laut NABU nicht schnell genug

Das NABU-Kreuzfahrtranking 2026 zeichnet ein ambivalentes Bild. Die Reedereien haben bei Landstrom, Effizienz und moderner Technik Fortschritte gemacht. Der vollständige Abschied von Schweröl bleibt jedoch aus, und bei klimaneutralen Antrieben fehlen weiterhin konkrete Großprojekte.

Die zentrale Frage der kommenden Jahre lautet deshalb nicht mehr, ob die Kreuzfahrtindustrie technisch sauberer werden kann. Die Technologien existieren bereits. Entscheidend ist, ob die Unternehmen bereit sind, Milliarden in eine tatsächlich klimafreundliche Zukunft zu investieren.

Denn eines zeigt das Ranking deutlich: Die Kreuzfahrt wächst – aber ihre ökologische Zukunft entscheidet sich daran, wie schnell sie sich von fossilen Brennstoffen verabschiedet.

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Website: rettenmund.com