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Fische küssen bei Äquatortaufe und andere Bräuche an Bord von Kreuzfahrtschiffen

Die Äquatortaufe auf Kreuzfahrtschiffen ist für Gäste ein ganz besonderes Erlebnis (Foto mit KI erstellt)

Eine Kreuzfahrt besteht nicht nur aus neuen Häfen, weiten Meeresblicken und erholsamen Seetagen. An Bord werden auch zahlreiche Traditionen gepflegt. Manche Bräuche sind fest mit Feiertagen verbunden, andere begleiten Schiffsreisen schon seit Jahrhunderten. Über Bord fliegende Wunschbäume an Weihnachten, Hafenfeuerwerke zu Silvester und Fischküsse beim Passieren des Äquators: Aussergewöhnliche Rituale machen eine Reise auf dem Meer zu einem besonderen Erlebnis.

Weihnachtswünsche für Meeresgott Neptun

Wenn das Christkind an Heiligabend nicht das passende Geschenk bringt, haben Kreuzfahrtgäste noch eine Möglichkeit: Sie können in den Folgetagen einen Wunschzettel an einen Weihnachtsbaum hängen.

In einer feierlichen Zeremonie wird der Wunschbaum anschliessend über Bord geworfen. Die Hoffnung dahinter: Meeresgott Neptun nimmt die Wünsche entgegen und lässt sie wahr werden. Für viele Passagiere ist dieser Moment besonders emotional. Die Zettel verschwinden in den Wellen, während der Baum langsam vom Schiff wegtreibt.

Auf grösseren Schiffen wird Weihnachten meist mit einem Gala Essen, festlicher Dekoration und Live Musik gefeiert. Auf kleinen Schiffen ist die Atmosphäre oft familiärer. In einer gemeinsamen Andacht liest beispielsweise der Kapitän die Weihnachtsgeschichte vor. Die Mannschaft singt als Engelschor verkleidet Weihnachtslieder und sorgt damit für einen stimmungsvollen Heiligabend auf See.

Silvester mit Blick auf das Hafenfeuerwerk

Auch Silvester wird auf Kreuzfahrtschiffen gebührend gefeiert. Neben klassischen Silvester Attraktionen wie Feuerwerk und Mitternachtsmenü bieten die Reedereien verschiedene Unterhaltungsprogramme an. Die Auswahl reicht von der Schlagerparty bis zum Live Konzert.

Besonders eindrucksvoll ist der Jahreswechsel, wenn das Schiff in der Silvesternacht eine Stadt mit einem imposanten Feuerwerk passiert. In Sydney können Passagiere das berühmte Himmelsspektakel direkt vom Wasser aus beobachten. Der Blick auf den beleuchteten Hafen und die bunten Lichter am Nachthimmel bleibt vielen Reisenden lange in Erinnerung.

Am Neujahrstag verteilen beispielsweise als Schornsteinfeger verkleidete Crew Mitglieder Glücksmünzen. So beginnt das neue Jahr an Bord mit einem kleinen Glücksbringer und guten Wünschen für die kommenden Monate.

Äquatortaufe mit Fische küssen

Wer zum ersten Mal den Äquator überquert, erlebt an Bord ein ganz besonderes Ritual: die Äquatortaufe. Dieser Brauch geht auf die lange Tradition der Seefahrt zurück. Früher mussten vor allem Seeleute ihre Mutproben bestehen. Heute können Passagiere freiwillig an der Zeremonie teilnehmen.

Dabei werden die Täuflinge von einem als Meeresgott Neptun verkleideten Crew Mitglied empfangen. Je nach Schiff warten unterschiedliche Aufgaben auf sie. Manche müssen Seegras probieren, andere einen Fisch küssen oder eine kleine Mutprobe bestehen. Die früher oft sehr derben Rituale sind heute deutlich harmloser und sorgen vor allem für Spass und gute Stimmung.

Nach der Prüfung folgt häufig ein gemeinsamer Sprung in den Pool. Zum Abschluss erhält jeder Täufling eine Urkunde mit einem maritimen Taufnamen. Namen wie „Clara Clownfisch“ erinnern noch lange an diesen aussergewöhnlichen Moment.

Die Äquatortaufe ist mehr als eine lustige Unterhaltung. Sie markiert den Übergang über eine unsichtbare Linie, die seit Jahrhunderten eine besondere Bedeutung für Seeleute hat. Während das Schiff den Äquator überquert, erleben die Passagiere gemeinsam einen Moment, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Das Captains Dinner

Zu den Höhepunkten einer Kreuzfahrt gehört für viele Reisende das Captains Dinner. An diesem besonderen Abend begrüsst der Kapitän die Passagiere persönlich. Wer Glück hat, erhält sogar eine Einladung an den Tisch des Kapitäns.

Bei diesem Anlass spielt die Kleiderordnung traditionell eine wichtige Rolle. Smoking und Abendrobe sind heute jedoch kein Muss mehr. Für Herren empfiehlt sich ein schlichter schwarzer Anzug, für Damen ein festliches Kleid. Entscheidend ist, dass die Kleidung zum feierlichen Rahmen des Abends passt.

Das Captains Dinner bietet nicht nur gutes Essen. Es erinnert auch an die maritime Tradition, bei der der Kapitän eine besondere Verbindung zu seinen Passagieren pflegt.

Der Gruss zwischen zwei Schiffen

Auch Schiffe, die sich auf dem Meer begegnen, haben ihre eigenen Regeln. Sie grüssen einander, indem sie die Nationalflagge niederholen und anschliessend wieder hissen.

Wer zuerst grüsst, ist genau geregelt. Überholende Schiffe machen beispielsweise stets den Anfang. Oft erweisen sich auch Schiffe derselben Reederei oder Schiffe, deren Kapitäne befreundet sind, diesen besonderen Gruss.

Der Ausruf „Ahoi“ gilt mittlerweile als veraltet. Im Segelsport wird er jedoch wieder beliebter und erinnert an die lange Geschichte der Seefahrt.

Der Seemannssonntag

Der Seemannssonntag tauchte erstmals 1727 in den Geschichtsbüchern auf. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um einen Sonntag. An einem ausgewählten Wochentag gibt es für die Besatzung ein besonders gutes Essen.

Kreuzfahrtpassagiere betrifft dieser Brauch natürlich nicht in gleicher Weise. Sie dürfen sich meist an jedem Tag auf eine grosse Auswahl an Speisen freuen. Heute wird der Seemannssonntag vor allem noch auf Handelsschiffen gepflegt.

Für die Besatzung ist er eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag und ein Zeichen der Wertschätzung. Schliesslich verbringen viele Crew Mitglieder lange Zeit fern von ihrer Heimat und ihren Familien.

„Und ich taufe dich auf den Namen“

Das Taufen von Schiffen lässt sich weit zurückverfolgen. Vor vielen Jahrtausenden weihten Menschen neue Schiffe mit Opfergaben ein. Heute wird vor dem Stapellauf meist eine Flasche an der Bordwand zerschlagen.

In Deutschland wird dafür bevorzugt Sekt verwendet. In Schottland kommt Whiskey zum Einsatz, in Indien eine Kokosnuss. Während der Zeremonie erhält das Schiff feierlich seinen Namen. Dazu kommen gute Wünsche wie „Allzeit Gute Fahrt“ und „Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel“.

Die Königin der Schiffstaufen ist übrigens die Schauspiel Legende Sophia Loren. Sie taufte mehrere Schiffe und wurde dadurch zu einem bekannten Gesicht feierlicher Schiffstaufen.

Ein besonderer Empfang im Heimathafen

Jedes Kreuzfahrtschiff ist in einem Hafen registriert. Wenn es seinen Heimathafen während einer Reise passiert, wird es traditionell von einem Komitee mit Musik und Plakaten empfangen.

Eine besondere Beziehung pflegen die Hamburger zur Queen Mary II, obwohl Hamburg nicht ihr Heimathafen ist. Als der Transatlantik Kreuzer 2004 auf einer seiner ersten Fahrten in der Hansestadt anlegte, kamen eine halbe Million Besucherinnen und Besucher in den Hafen.

Seitdem schippert die Queen Mary II regelmässig nach Hamburg und wird dort von grossen Besucherscharen gefeiert. Der Empfang zeigt, welche Faszination ein Schiff auslösen kann. Für viele Menschen ist es mehr als ein Verkehrsmittel. Es steht für Fernweh, Abenteuer und die Sehnsucht nach der grossen weiten Welt.

Traditionen, die im Herzen bleiben

Eine Kreuzfahrt führt zu neuen Ländern, beeindruckenden Häfen und faszinierenden Landschaften. Doch oft sind es die kleinen Rituale an Bord, die eine Reise besonders machen.

Ein Wunschbaum, der im Meer verschwindet. Ein Feuerwerk, das sich über einem Hafen spiegelt. Eine Glücksmünze am Neujahrstag oder eine Urkunde nach der Äquatortaufe. Solche Momente verbinden Menschen und schenken einer Reise ihre eigene Geschichte.

Viele Bräuche auf Kreuzfahrtschiffen erinnern daran, dass die Seefahrt von Hoffnung, Mut und Zusammenhalt geprägt ist. Sie erzählen von vergangenen Generationen und werden an Bord von heute weitergelebt. Genau darin liegt ihr besonderer Zauber.

Wenn am Ende der Reise der letzte Hafen näher kommt, bleiben nicht nur Fotos und Souvenirs zurück. Im Gepäck sind auch gemeinsame Erinnerungen, neue Freundschaften und vielleicht ein maritimer Taufname. Und wer einmal erlebt hat, wie ein Schiff durch die Nacht gleitet, während am Horizont die Lichter einer fremden Stadt leuchten, wird sich noch lange nach dem nächsten Abenteuer auf dem Meer sehnen.

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