Was die Kreuzfahrt-Crew wirklich an Passagieren nervt

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Reception bekommen oft viel vom Ärger frustierter Passagiere ab. Dabei würde ein Lächeln oft mehr bewirken als Schreien (Bild Stieger)

Es ist selbstverständlich: Die Crew an Bord eines Kreuzfahrtschiffes arbeitet rund um die Uhr, lächelt immer freundlich, liest den Urlaubern jeden Wunsch von den Lippen ab und verhält sich stets höflich und zurückhaltend. Doch was denken Crew-Mitglieder wirklich über deutsche Gäste und was stört sie am meisten?

Kreuzfahrtberater.de  hat durch Insiderkontakte mit Mitarbeitern verschiedener Reedereien gesprochen und Spannendes erfahren:

Vanessa S. (Barkeeper):  “Es ist schön, wenn Gäste unsere Arbeit würdigen”

„Es ist kein Geheimnis, dass die Crew zwischen 10 und 12 Stunden pro Tag arbeitet, häufig sogar noch länger, wenn Überstunden nötig sind. Besonders Mitarbeiter aus dem Servicebereich – wie Barkeeper, Kellner oder Reinigungskräfte auf den Kabinen – verdienen dabei ein geringes Festgehalt und sind auf Trinkgelder angewiesen. Wenn Gäste für gute Leistungen kein oder unangemessen wenig Trinkgeld geben, kommt das bei uns überhaupt nicht gut an. Wir sind enttäuscht und demotiviert, denn wir versuchen, täglich 100 Prozent zu geben, obwohl wir keinen einzigen Tag zur Erholung haben. Es ist schön, wenn Gäste unsere Arbeit würdigen.“

Thomas R. (Rezeptionist): „Wer schreit, hat Unrecht“

„Während meiner Arbeit an Bord kam es hin und wieder vor, dass Gäste nicht zufrieden waren – sei es mit dem Service, dem Essen, der Sauberkeit in ihrer Kabine oder auch organisatorischen Abläufen. Schlimm war für mich, wenn die Gäste uns in aller Öffentlichkeit angeschrien haben, obwohl wir persönlich nicht die Ursache des Problems waren, sondern helfen wollten. Ich wünsche mir, dass Gäste bei ihren Anliegen freundlich bleiben, uns nicht beschimpfen oder gar beim Vorgesetzten anschwärzen. Gerade an der Rezeption kriegen wir sehr viel Ärger ab, dabei wollen wir Hilfestellungen in alle Richtungen anbieten und sind ehrlich am Wohlbefinden des Gastes interessiert. Wenn wir nicht mit Respekt behandelt werden, fällt mir meine Arbeit schwer. Wir sind monatelang auf See und von Familie und Freunden getrennt, absolvieren ein hohes Arbeitspensum, da wünschen wir uns zumindest ein bisschen Empathie und Wertschätzung.“

Nadja A. (Fitnesstrainer): „Kommen Sie als Gast und gehen Sie als Freund“

„Crew-Mitglieder, die keine weiße Offiziersuniform tragen, weil sie keinen Offiziersstatus haben, werden von einigen Gästen wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Manchmal werden wir nicht mal gesehen oder gegrüßt. Das tut schon weh, denn wir leisten sehr viel Arbeit. Ich wünsche mir, dass wir beachtet und nicht ignoriert werden und Gäste ihre höflichen Umgangsformen nicht vergessen. Einige Urlauber benehmen sich wie die Axt im Wald, dabei sind auch sie zu Gast an Bord und haben das Schiff nicht gekauft. Gegenseitiger Respekt und anständiges Verhalten sind mir wichtig.“

Gonzo K. (Fotomanager): „My English is not the yellow from the egg“

„Deutsche Reedereien werben häufig mit dem Vorhandensein von deutschsprachigem Personal an Bord. Das stimmt auch, aber oft betrifft das sogenannte Schlüsselpositionen, wie z. B. Manager. Wir haben direkten Kontakt zu den Gästen, leiten aber nebenbei ein meist internationales Team. Da kommen Asiaten, Inder, Amerikaner und Europäer zusammen. Gäste sollten daher nicht erwarten, dass jeder einzelne Mitarbeiter an Bord perfekt Deutsch spricht oder versteht. In Zeiten von Personalnot und immer größer werdenden Schiffsneubauten kann das auch überhaupt nicht mehr gewährleistet werden. Gäste machen sich nicht sonderlich beliebt, wenn Sie meine philippinische Mitarbeiterin permanent in deutscher Sprache anweisen, diese aber aus Höflichkeit, Ängstlichkeit oder Unwissenheit gar nicht weiß, wie sie sich verhalten soll. Mit ein paar Brocken Englisch kommen Urlauber viel leichter durchs Bordleben. Schon der Versuch allein, eine sprachliche Schnittmenge zu finden, wird von der Crew sehr hochgeschätzt.“

Ilona W. (Maître): „Dankbarkeit statt Jammern“

„Eine auffällige Eigenheit von vielen deutschen Kreuzfahrturlaubern ist es, jede Gelegenheit zu nutzen, um an kostenlose Goodies zu kommen. Da hat sich eine regelrechte Beschwerdekultur entwickelt, um an geschenkte Getränkegutscheine, Sektflaschen oder sonstige Werbeartikel zu kommen. Das sehen wir überhaupt nicht gern, denn oft werden dafür sogar Beschwerden erfunden oder kleine Mängel maßlos übertrieben. Wir Mitarbeiter rotieren sowieso schon und wollen uns nicht auch noch mit solchen Dingen herumärgern. Ich wünsche mir von einigen Gästen, dass sie dankbarer sind, sich auch an kleinen Dingen erfreuen und ein bisschen mehr Menschlichkeit an den Tag legen anstatt ihre persönliche Unzufriedenheit mit künstlichem Meckern und einem Cocktail-Gutschein aufzuwerten.“

Das nervt die Kreuzfahrt-Crew an deutschen Passagieren (Grafik kreuzfahrtberater.de)

Fazit – Freundlich sein und beim Trinkgeld nicht knausern

Auf jedem Kreuzfahrtschiff dieser Welt ist der Gast König und wird von allen Seiten umsorgt und bedient. Und das zu Recht: Schließlich hat er Urlaub und für diesen Service bezahlt. Werden Mitarbeiter schlecht behandelt, ist es für sie besonders schwierig, guten Service zu leisten und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Schenken Sie jedem Crew-Mitglied – vom Kellner bis zum Kapitän – die nötige Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Respekt und unterscheiden Sie nicht nach Herkunft, Position oder Sprache. So erreichen Sie am ehesten Ihre beabsichtigten Ziele und werden vielleicht sogar überrascht.

Seien Sie beim Trinkgeld nicht knauserig. Wir empfehlen bei normalen Geldbeträgen ein Trinkgeld von 10 Prozent. Bevor Sie ein Crew-Mitglied anschreien, beruhigen Sie sich und suchen Sie das konstruktive Gespräch. Meist trägt der Mitarbeiter keine direkte Schuld und möchte Ihnen helfen. Wenn Sie es einfacher haben wollen als andere: Mit ein paar Englischkenntnissen kommen Sie der Crew näher und erfahren vielleicht sogar den ein oder anderen Insidertipp. Reizen Sie die Großzügigkeit der Mitarbeiter nicht aus. Verdienen Sie sich doch mal einen Cocktail-Gutschein, weil Sie durch Freundlichkeit und Sympathie besonders positiv aufgefallen sind.

Mit diesen hilfreichen Tipps von www.kreuzfahrtberater.de fällt es leichter, die Gedanken und Gefühle von Crew-Mitgliedern zu verstehen und für ein angenehmeres Miteinander zu sorgen. Sie werden es nicht bereuen, denn was Sie an positiver Energie aussenden, kommt garantiert auch wieder zu Ihnen zurück und wird Ihren Urlaub umso schöner machen!

2 Antworten

  1. Kreuzfahrt Blog

    Salü Sascha. Spannend wäre natürlich der Preisunterschied. 1‘000 Franken inkl. Umrechnung des Angebots in Deutschland von Euro auf Franken?

  2. Thema Trinkgelder: Ich habe jetzt schon 15 Kreuzfahrten mit meiner Familie auf diversen Meeren und Reedereien gemacht. Was aber immer ein unfaires Thema ist, dass als Schweizer Passbesitzer die Trinkgelder immer extra belastet werden, diese Vorgehensweise aber von anderen Gästen aus anderen Ländern nicht immer erlaubt ist. Zudem bezahlt man als Schweizer grundsätzlich zu viel.
    Die letzte Buchungsanfrage bei MSC Schweiz, war für die selbe Balkonkabine, am selben Abfahrtsdatum, knapp 1000.- teurer, als die Buchungsanfrage, 2 Minuten später bei MSC Deutschland! Ich habe dann über MSC Deutschland gebucht. Wahrscheinlich hätte diese Kreuzfahrt noch günstiger erhalten wenn ich noch weitere Länder bei MSC abgeklappert hätte. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir immer wenn möglich die Trinkgelder gekürzt oder gestrichen, weil wir immer mehr bezahlt haben als die Nichtschweizer Gäste. Neuerdings kann man die Trinkgelder bei MSC nicht mehr streichen, warum wohl? Aus meiner Sicht, ist die undurchsichtige und unfaire Preisgestaltung Schuld, dass Gäste die Trinkgelder gestrichen haben und es wird jetzt so dargestellt, dass die Reedereien Ihre Angestellte unterstützen, anstelle faire Löhne zu bezahlen oder die Millionengewinne weiter zu geben. S. Müller

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