Porträt Celestyal Olympia: Alte Lady mit viel Charme

Die alte Lady Celestyal Olympia (Bild Stieger)

Als 1982 für Royal Caribbean gebautes Kreuzfahrtschiff, ist die heutige Celestyal Olympia zweifellos eine ältere Lady. 36 Jahre auf dem Buckel, das hat schon was. Aber um gleich alle Vorurteile gegenüber älteren Kreuzfahrtschiffen vorwegzunehmen: Die ehemalige Song of America, Louis Olympia und eben heutige Celestyal Olympia wurde im Laufe der Jahre immer mal wieder erneuert, was besonders in den Innenräumen und den Kabinen positiv auffällt. Und was ebenfalls sehr angenehm in Erinnerung bleibt: Die Gäste der Celestyal Olympia werden von einer äusserst freundlichen, zuvorkommenden und umtriebigen Crew betreut.

Von Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Sagenhafte 36 Jahre ist es her, seit am 5. Dezember 1982 die Song of America für Royal Caribbean zu ihrer Jungfernfahrt in der Karibik startete. Im Juli 2004 kaufte die Louis Cruise Line, – seit 2014 umbenannt in Celestyal Cruises – das Schiff, vercharterte es allerdings zunächst an eine andere Reederei. Erst seit 2012 betreibt Crystal Cruises das Schiff selbst, zuerst unter dem Namen Louis Olympia (2014 diente das Schiff während den Olympischen Winterspielen in Sotschi als Hotel), seit 2014 unter dem heute bekannten Namen Celestyal Olympia.

Celestyal Olympia – himmlische Kreuzfahrt Erlebnisse

Celestyal bedeutet soviel wie Sternenhimmel und verspricht – laut Eigenwerbung – himmlische Kreuzfahrt Erlebnisse. Nun ja, gerade als himmlische Erlebnisse würde ich die Kreuzfahrt mit der Celestyal Olympia nicht gerade bezeichnen, das wäre denn wirklich ein wenig übertrieben. Aber als durchaus schöne und angenehme Reise. Die Celestyal Olympia ist benannt nach dem antiken Heiligtum, dem Geburtsort der olympischen Spiele und nach der Mutter von Alexander dem Grossen.

Das Schiff ist wie bereits erwähnt stolze 36 Jahre alt und das sieht man natürlich auch in verschiedenen Bereichen. Zugegeben: Als ich das erste Mal meine Kabine sah, bin ich schon ein wenig erschrocken. Nach über 20 Kreuzfahrten das erste Mal ohne Balkon auf Kreuzfahrt… Schon ein komisches Gefühl. Und dann noch die beiden auseinander stehenden kleinen Einzelbetten. Und die Kabine ist auch nicht gerade riesig. Beim näheren Betrachten konnte ich dann aber feststellen, dass die Kabine zwar klein, aber sehr sauber und vor allem großzügig in den Stauräumen ist. Ich habe auf grösseren Schiffen mit grösseren Kabinen deutlich weniger Platz zum Verräumen gehabt, als auf der kleinen Celestyal Olympia. Ein 36 Jahre altes Badezimmer, meine nächste Sorge. Aber auch hier: Kein Problem. Die Bäder wurde alle erneuert und entsprechen den heutigen Standards, ausser vielleicht in der Grösse nicht. Das Duschen in der engen Kabine ist nicht wirklich erquickend und dann noch dieser schreckliche Duschvorhang, der aufgrund der kleinen Dusche ständig irgendwo am Körper kleben bleibt. Unangenehm… Sonst ist aber auch im Bad alles vorhanden was es braucht. Genügend Ablagefläche, Dusch- und Haarshampoo, Seife und auf Wunsch täglich frische Tücher, was man natürlich nicht braucht, da man ja auch zu Hause die Badetücher nicht täglich wechselt oder? Übrigens: Safe und Haarföhn gibts selbstverständlich auch in der Kabine.

Pool, Laufdeck, Kids Club, aber keine Rutschen und Aqua Park

Die Celestyal Olympia bietet alles was es für einen schönen Urlaub braucht. Ihr ganz grosser Vorteil ist aber, dass sie mit gut 1‘400 Gästen auch kleinere griechische Häfen anlaufen kann, also nicht nur die Hot Spots wie Santorini, Mykonos oder Rhodos, sondern eben auch Milos, Patmos oder Zakynthos.

Einige technische Daten: Die Celestyal Olympia hat 37‘584 BRZ ist 215 Meter lang und 28.4 Meter breit (zum Vergleich: Die neue AIDA Nova hat 183’900 BRZ und ist 337 Meter lang). Sie verfügt über 418 Aussenkabinen, 306 Innenkabinen und 9 Suiten mit Balkonen. Auf den 10 Decks verteilen sich sieben Bars (meine persönliche Lieblingsbar ist die Argo Lounge auf Deck 5), das Aegean Restaurant, der Aura Grill und das Buffet-Restaurant Leda.

Die Gäste an Bord werden von 540 Besatzungsmitgliedern betreut und diese Crew macht auch die kleinen Mängel, die es bei einem älteren Schiff zwangsweise gibt, mehr als wett. Filoxenia (Gastlichkeit) ist nicht nur eine Floskel, sie wird von der Crew tatsächlich gelebt. Und so spürt man das, was Celestyal-CEO Kyriakos Anastassiadis sagt, schon vom ersten Tag an: „Egal ob Sie mit uns im östlichen Mittelmeer oder in Kuba (Celestyal Cruises betreibt drei Schiffe, wovon eines in den Wintermonaten rund um Kuba unterwegs ist) reisen. Wenn Sie mit uns reisen, reisen Sie mit einer Familie. Unsere Leute lieben das, was sie machen, und jeder von ihnen betrachtet Sie als seinen persönlichen Gast.“

Das Kreuzfahrtschiff verfügt über zwei Swimming Pools, einen Lauf-Parcours, aber keine Rutschen und auch keinen Aqua Park- was auch niemand auf einem kleinen Schiff erwartet. Für Kinder gibt es einen kleinen Kids Club und für die Erwachsenen ein kleines Casino. Einige wenige Läden laden zum Shopping, darunter fällt vor allem der Agora Shop mit griechischen Produkten auf. Selbstverständlich fehlen auch ein Wellness-Center mit Coiffeur und Sauna und ein Fitness-Center mit zahlreichen Geräten nicht.

Tagsüber sorgt die Crew für viel Unterhaltung. So gibt es Kurse in Papierblumen basteln, Sprachkurse in Griechisch und Italienisch, man erfährt mehr über die griechische Mythologie, kann bei Kochkursen über die griechische Küche mitwirken oder an Sport-Aktivitäten wie Ping Pong, Minigolf oder Dart teilnehmen. Die Bars locken mit Live-Musik und galante Tänzer lehren die Passagiere in Salsa, Merengue oder Bachata.

Gratis-Kaffe beim Frühstück – und das natürlich serviert

Ganz wichtig auf einer Kreuzfahrt ist auch immer das Essen. Zugegeben, das ist absolut Geschmacksache, was der eine für gut erachtet, schmeckt dem anderen gar nicht. Ich für meinen Fall war mit dem Frühstücksbüffet absolut zufrieden. Da gab es alles was das Herz begehrt. Eine grosse Auswahl an Broten, Fleisch, Eier, Käse, frischen Früchten und vieles mehr. Und was auch gefällt: Der Kaffee wird am Tisch serviert und nachgefüllt (kostenlos), wie auch kostenloser Apfel-, Grapefruit- oder Orangensaft. Am Mittag oder Abend kann man zwischen bedientem Essen im Aegean Restaurant oder Buffet-Verpflegung auswählen. Die Auswahl im Aegean Restaurant ist sehr gross und vielfältig (3 Gänge mit jeweils fünf Varianten zur Auswahl), allerdings mit viel Lamm, Artischocken ja sogar Schnecken und anderem mehr.

Im Buffet Leda kann man selbst auswählen. Die Speisen sind ok, allerdings ist das Ambiente eher ungemütlich. Das Buffetrestaurant liegt am Heck, aber da die Fenster sich nicht richtig schliessen lassen zieht es gewaltig, was einen Verbleib in der jetzigen Zeit nickt wirklich attraktiv macht.

Ich würde das Essen als gutbürgerlich bezeichnen. Ich bin überhaupt nicht verhungert, aber das Essen war – teilweise – nicht ganz mein Geschmack. Gerne gebe ich aber zu, dass ich viele Reisende getroffen haben, die mit dem Essen sehr zufrieden waren.

Auszeichnungen für Celestyal Cruises

2015 erhielt Celestyal Cruises, übrigens die einzige Reederei mit Heimathafen Griechenland, anlässlich der griechischen Tourismusauszeichnungen den Gold Award für Kreuzfahrten und zwei Mal den Silber Award für die Unterstützung lokaler Organisationen und für den bedeutenden Beitrag zur Wirtschaft Griechenlands. Ein Jahr zuvor erhielt die Reederei den Bronze Award für herausragende regionale griechische Küche. Und noch grösser war der Erfolg 2018 bei den Cruisers´ Choice Awards 2018 des renommierten Kreuzfahrten-Webportals Cruise Critic. Da sahnte die Reederei gleich vier Preise ab. Darunter befinden sich zwei erste Plätze für die besten Landausflüge und das beste Preis-Leistungsverhältnis sowie zwei zweite Plätze in der Kategorie Service und Entertainment. Alle vier Auszeichnungen wurden in der Klasse der mittelgroßen Schiffe erzielt, die eine Passagierkapazität von 1200 bis 1999 Gästen umfasst. Entsprechend erfreut zeigte sich denn auch der Chef von Celestyal Cruises: „Wir freuen uns sehr, diese Cruise Critic Cruisers’ Choice Awards 2018 erhalten zu haben, beweisen sie doch, dass unsere Gäste unsere unermüdlichen Anstrengungen schätzen, sie mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis der gesamten Kreuzfahrtbranche zu bedienen und dass sie es genießen, die einzigartigen Landausflüge in unseren magischen Destinationen als Teil der Celestyal-Inclusive-Paketes zu erfahren. Dazu gehören auch alle Getränke, Hafengebühren und Trinkgelder“, sagt Kyriakos Anastassiadis, Celestyal Cruises-CEO.

Mein Fazit – was spricht für, was eher gegen eine Kreuzfahrt mit der Celestyal Olympia

Ganz sicher für die Celestyal Olympia spricht die sehr freundliche und zuvorkommende Crew. Ein grosser Pluspunkt ist auch, dass das Schiff an kleineren, unbekannteren Häfen anlegt und im Verlauf der letzten 36 Jahre am Schiff immer wieder Renovationen vorgenommen wurden, so dass sich die Celestyal Olympia in einem recht guten Zustand präsentiert.

Was mir weniger gefallen hat ist das Essen, aber das ist natürlich Geschmacksache – ich bin da wohl auch ein wenig verwöhnt. Und der Duschvorhang in der engen Nasszelle geht gar nicht. Für Kreuzfahrt-Passagiere, die die Meeresluft auf dem Balkon geniessen möchten, kommt das Schiff mit nur 9 Balkonkabinen eher nicht in Frage. Sehr teuer ist das Internet an Bord (1 Stunde 7 Euro, 3 Stunden 16 Euro, 6 Stunden 25 Euro). Positiv hier zu vermerken ist, dass Celestyal Cruises keine Störsender installiert hat, wie dies auf anderen Schiffen der Fall ist und man so bereits in Hafen- oder Landnähe mit dem eigenen Datenpaket surfen kann.

Ansonsten kann die Celestyal Olympia ohne Einschränkung empfohlen werden, denn sicher ist: Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt auf jeden Fall.

 

Disclaimer: Ich bedanke mich bei Hotelplan Kreuzfahrten für die Einladung zu dieser Kreuzfahrt mit der Celestyal Olympia. Meine Berichterstattung hat dies nicht beeinflusst.

1 Antwort

  1. […] Plätze für Service und Entertainment. Celestyal Cruises betreibt zwei mittelgroße Schiffe, die Celestyal Olympia und die Celestyal Crystal, beide klein genug, um authentischen und hochgradig persönlichen Service […]

  2. […] Inseln und ins östliche Mittelmeer. Das Unternehmen betreibt zwei mittelgroße Schiffe, die Celestyal Olympia und die Celestyal Crystal, beide klein genug, um authentischen und hochgradig persönlichen Service […]

  3. […] stehen auf dem Tagesprogramm. Nach einer Woche geht es mit dem komfortablen Mittelklasseschiff Celestyal Olympia entlang griechischer Inseln sowie dem Festland. Highlights wie Santorin, die „weiße Insel“ […]

  4. Die Spanier und Zyprioten zeigen, dass man mit gut gepflegten, älteren Schiffen, gutem Service und einem stimmigen All-Inclusive-Paket nach wie vor ein gutes Angebot machen kann.
    Mit der Neuausrichtung hat Louis den Fokus auf “Greek Experience” gesetzt, das schlägt sich im Essensangebot und im im Artikel erwähnten Agora-Shop nieder. Wobei ich die Namenswahl mit dem unmöglich zu schreibenden “Celestyal” und das Logo furchtbar finde.
    2013 waren wir noch mit der Orient Queen in der Ägäis unterwegs, das Schiff war in hervorragendem Zustand trotz des Alter von über 40 Jahren und der Service wirklich gut.

    Celestyal ist allerdings nicht die einzige Reederei, die Schiffe in griechischen Häfen stationiert hat, Marella Cruises, ebenfalls eine Reederei mit einem gut eingeführten, einfach zu merkenden Namen, die sich unverständlicherweise in einen bescheuerten Namen umbenennt und pikanterweise einige Schiffe von Louis gechartert hat, hat in der Sommersaison immer ein Schiff auf Korfu stationiert.

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