Kreuzfahrt Markt wird sich nicht so schnell wieder erholen

Blick von oben auf die Meyer Werft in Papenburg (Bild Meyer Werft)

Die Corona-Pandemie hat die Kreuzfahrt-Branche mit voller Wucht in Mark und Bein getroffen. Fast sämtliche 500 Kreuzfahrtschiffe stehen weltweit still. Ein einziges stillgelegtes Schiff kostet gemäss der Carnival Corp. eine Million Dollar pro Monat. Die drei grossen Reedereien Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line und Carnival haben innert weniger Wochen an der Börse bis zu 80 % ihres Wertes verloren. Aber auch die Werften sind betroffen. In einem dramatischen Video äussert sich der führende Schiffsbauer der Welt, die Meyer Werft, zur Zukunft der Kreuzfahrt. Ein Stellenabbau sei wohl unumgänglich. Kreuzfahrten würden voraussichtlich erst wieder Ende 2020 aufgenommen werden und dies auch nur mit 50 – 70 % der Schiffsflotte. Bis 2023 oder 2024 sei nicht mehr mit neuen Schiffsbestellungen zu rechnen, so die Verantwortlichen der Meyer Werft.

Das Corona-Virus hat die Menschheit mit voller Wucht getroffen. Über zwei Millionen Menschen haben sich weltweit angesteckt, schon fast 150’000 Frauen und Männer sind an den Folgen der Ansteckung gestorben. Das Virus hat aber auch massive wirtschaftliche Auswirkungen. Wochenlang standen und stehen ganze Länder still. Die Regierungen versuchen mit Billionen von Euro, Dollars und anderen Währungen die Wirtschaft zu stützen und das Schlimmste zu verhindern. Ob und wie das gelingt ,werden erst die kommenden Wochen und Monate zeigen.

Stillgelegtes Kreuzfahrtschiff kostet pro Monat 1 Mio. US Dollar

Ganz besonders hart hat das Corina Virus auch die Kreuzfahrt Branche getroffen. Fast alle der rund 500 Kreuzfahrtschiffe weltweit stehen – teilweise seit Wochen – still. Die Kosten sind immens. Nach Medienberichten verschlingt ein stillgelegtes Kreuzfahrtschiff der Carnival Corp. (dazu gehören unter anderem AIDA, Costa und Cunard) pro Monat bis zu einer Million Dollar. Bei 104 Kreuzfahrtschiffen die von der Carnival Corp. Betrieben werden, kann man sich ausrechnen, was der Stillstand kostet.

Und vorläufig sieht man noch kein Licht am Ende des Horizonts (eine Aufstellung wann die Reedereien voraussichtlich wieder mit den ersten Reisen starten möchten findest Du hier). Die drei Grossen der Branche Carnival Corp, Royal Caribbean Cruises Ltd. und Norwegian Cruise Line Holdings haben an der Börse bis zu 80 % ihres Wertes verloren. Trotzdem dürften diesen Drei die Luft nicht ausgehen. Branchen-Insider gehen davon aus, dass Royal Caribbean, Carnival und Norwegian mindestens bis ins vierte Quartal genügend finanzielle Reserven haben. Aber wie sieht es danach aus? Und wie sieht es für kleine Reedereien aus, die nur wenige Schiffe betreiben und nicht die grossen finanziellen Polster haben?

Meyer Werft prüft Kurzarbeit und Job-Abbau

Thomas Weigend Geschäftsführer der Meyer Werft

Ein Unternehmen, das wissen muss, wie es in dieser Krise weitergeht und wie sich die Folgen auswirken werden, ist die Meyer Werft in Papenburg. Der weltweit führende Schiffsbauer steuert mit seinen 7’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Kurzarbeit zu und rechnet auch mit Jobverlusten in Papenburg, aber auch in den Tochterunternehmen. In einem dramatischen Video zur Frage, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Kreuzfahrt-Branche hat, wenden sich die Verantwortlichen der Meyer Werft an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Öffentlichkeit.  “Wir müssen in allen Bereichen über Kurzarbeit, ja, aber auch über den Abbau von Arbeitsplätzen nachdenken”, sagt im Video Bernhard Meyer. Geschäftsführer Thomas Weigend ergänzt, dass die Arbeitsleistung mit verschiedenen Mitteln um etwa 40 Prozent reduziert werden müsse.

Marktbeobachter rechnen mit Wideraufnahme der Kreuzfahrten bis Ende Jahr von max. 50-75 % der Flotte

Meyer Werft Geschäftsführer Thomas Weigend meint: «Marktbeobachter rechnen maximal mit einer Wideraufnahme der weltweiten Kreuzfahrtschiffflotte bis Ende 2020 von 50 – 75 % der Schiffe, was bedeutet, dass die Reedereien 2020 massive Verluste erleiden werden.» Bis 2023 oder 2024 sei somit nicht mit neuen Bestellungen von Kreuzfahrtschiffen zu rechnen, so Weigend. Und falls eine oder mehrere Reedereien in die Insolvenz rutschten, so seien diese Schiffe als billige Gebrauchsschiffe auf dem Markt zu kaufen, was die Bestellung von neuen Schiffen noch weiter hinauszögern würde. Kurzfristig könnten Reedereien keine Neubauten gebrauchen, mittelfristig würden sie versuchen Ablieferungstermine zu verschieben und Optionen nicht einzulösen und langfristig keine neuen Schiffe bestellen.

Statt drei Schiffen, werden in der Meyer Werft in Zukunft nur noch zwei Schiffe gebaut

Statt zwei grossen und einem kleinen Kreuzfahrtschiff, wird in Papenburg in Zukunft voraussichtlich nur noch ein grosses und ein kleines Schiff pro Jahr gebaut. Werft-Mit-Inhaber Bernhard Meyer, der seit 47 Jahren auf der Werft tätig ist, erklärt in eindrücklichen Worten: «Ich habe noch nie eine solche Krise erlebt. Ich habe 1973 zur Zeit der Ölkrisse in der Werft begonnen.Dann kam der 11. September 2001, als plötzlich kein Mensch mehr eine Kreuzfahrt machen wollte und schliesslich die Finanzkrise 2008/2009. Aber die jetzige Krise ist ganz anders. Noch nie hat die ganze Kreuzfahrtflotte der Welt stillgestanden. Das habe ich noch nie erlebt.»

Die Meyer Werft hätte zwar Aufträge bis 2023 und in der Niederlassung Turku gar bis 2024. Aber, so Meyer weiter. Die Verträge für diese Schiffe seien zu anderen Zeiten vereinbart worden. Heute sei es so, dass ein Kunde ihm erklärt habe: «Ich brauche eigentlich Eure Schiffe überhaupt nicht. Ich bin froh, wenn ich die existierende Flotte einsetzen kann.» Aus diesem Grund müsste die Meyer Werft gemeinsam mit den Reedereien eine Lösung finden, die für alle Beteiligten erträglich sei. Bernhard Meyer schliesst mit den Worten: «Ich bin leider der Überzeugung, dass sich der Kreuzfahrtmarkt nicht so schnell erholen wird. Erst 2030 werden wir wieder die Situation haben, die wir 2019 hatten.»

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