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Polar Kreuzfahrten bietet Nähe zu Natur- und Tierwelt mit max. 12 Kreuzfahrt-Passagieren

Frank Fietz, Geschäftsführer Polar Kreuzfahrten

Heute im Sonntags-Interview: Frank Fietz, Geschäftsführer Polar Kreuzfahrten

Frank Fietz: Ihnen wurde die Seefahrt quasi in die Wiege gelegt, fuhr doch schon Ihr Vater auf Forschungsschiffen zur See. War es für Sie immer klar, dass das Meer, die Kreuzfahrt und insbesondere Expeditionsreisen Ihre Berufung ist?

(lächelt) Nein überhaupt nicht! Ich habe zwar schon als Kind gebannt den Erzählungen meines Vaters aus fernen Ländern und fremden Kulturen gelauscht, wenn er von seinen Reisen zurückkam. Ich bin allerdings seinem Rat gefolgt und habe erst einmal einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Nur durch einen absoluten Zufall bin ich dann zu einem Reisebüro gekommen.

2005 haben Sie Ihr eigenes, auf Seereisen spezialisiertes Reisebüro, Polar Kreuzfahrten – Fietz GmbH  gegründet. Wie hat sich Ihr Unternehmen seither entwickelt?

2005 war ich häufig mit meinem alten 4×4 Reisemobil auf Expeditionsreise in der Sahara unterwegs. Dort habe ich erstmal nur für mich selber und einige Freunde Fährpassagen nach Nordafrika und nach Island gebucht. Das lief so gut, dass ich irgendwann die Webseite www.ferryman.de an den Start brachte. 2 Jahre später kamen dann die Expeditionskreuzfahrten hinzu, 2007 habe ich die ersten Charterverträge unterschrieben. Seither hat sich das Geschäft, mit einigen Einschränkungen während der Wirtschaftskrise 2009 und 2010, sehr gut entwickelt. Heute arbeitet ein Dutzend hochmotivierter Experten in unserem Büro in Neustadt bei Hannover. Hinzu kommen die leidenschaftlichen Polar-Kreuzfahrten Expeditionsleiter & Guides vor Ort, die alles geben, um unseren Kunden ganz besondere Naturerlebnisse zu bieten.

2014 haben wir als Fietz GmbH unsere Polar-Erlebnisreisen in das Programm aufgenommen: Ca. 40 verschiedene Winterreisen rund um den Polarkreis mit Polarlichtern, Huskytouren, Motorschlittensafaris und mehr in Skandinavien, Grönland, Russland und auf Spitzbergen.

Polar Kreuzfahrten hat sich – wie es der Name schon sagt – auf Expeditions-Kreuzfahrten in Polar-Regionen wie Arktis und Antarktis spezialisiert. Speziell sind bei Ihnen aber weniger die Expeditionsreisen, als vielmehr die Schiffe?

Ja, denn wir möchten unseren Gästen unvergessliche Tier- und Naturerlebnisse ermöglichen und das kann man nur mit wirklich kleinen Gruppen erreichen. Deswegen sind wir in der Hauptsache mit kleinen Schiffen unterwegs. Ich wundere mich immer wieder, welche Schiffe als “klein” betitelt werden. Je nach Betrachtungsweise kann ein Glas Wasser ja halb voll oder halb leer sein. In Zeiten, in denen Schiffe mit über 6.000 Passagieren unterwegs sind, ist ein Schiff mit 250 Gästen vielleicht klein und eines mit 120 Gästen ist aus Sicht der “Kreuzfahrt-Industrie” schon richtig klein. Für uns ist so eine Einheit aber schon ein echter “Brummer”, denn unsere Flotte ist nochmal deutlich kleiner: 12 Passagiere ist für uns die Norm.

Polar-Kreuzfahrten kann aufgrund der Grösse ihrer Flotte Reisen anbieten, die andere Expeditionsschiffe nicht oder nur schlecht befahren können?

Wie schon gesagt, kann man echte Naturerlebnisse nicht mit einer großen Zahl an Gästen realisieren: Das widerspricht sich einfach. Ich denke es ist selbsterklärend, warum ich mit 12 Gästen und 2 Guides mehr sehen zu sehen bekomme als mit 120 oder gar 250 Leuten, die dann in kleinere Gruppen aufgeteilt im 15 Minutentakt irgendwo durchgeschleust werden. Und natürlich können wir aufgrund der Größe und des Tiefgangs andere Routen fahren als die Großen. Wir befahren Fjorde und Winkel, die für grössere Schiffe nicht erreichbar sind.

Ihre doch sehr kleinen Schiffe wie die MS Cape Race bieten wenig Luxus an Bord. Für wen eignet sich eine solche Expeditionsfahrt und wer sollte eher ein anderes, grösseres Schiff wählen?

Das kommt darauf an, wie man Luxus definiert! Wer unter Luxus einen größtmöglichen Komfort, ein Showprogramm sowie eine Riesenauswahl an Getränken und Speisen versteht, der sollte ein großes Schiff wählen, denn das können kleine Schiffe nicht bieten.

Wer aber besonders intensive Nähe zu Natur- und Tierwelt sucht und verstanden hat, dass man dazu einfach Zeit vor Ort benötigt, der wird diese Qualitätszeit als Luxus verstehen und daher viel Zeit mit Naturbeobachtungen in der ersten Reihe auf einem kleinen Schiff verbringen. Geeignet sind diese Expeditionsreisen für Tier- und Naturfreunde, Hobbyfotografen (wir haben oft Top-Fotografen wie z. B. Norbert Rosing mit Foto-Workshops an Bord), Interessenten von Wissens- und Studienreisen, aktive Menschen mit Abenteuerlust und beruflich stark Beanspruchte, die einmal vollkommen abschalten oder sich etwas Besonderes gönnen wollen. An Bord ist Ruhe und Sie sind unterwegs komplett offline. Auch der schonende Umgang mit Flora & Fauna sind für viele unserer Kunden ein Thema. Das Einzige, was wir als kleine Gruppe in den Polargebieten hinterlassen, sind unsere Fussspuren.

Sicherlich ist der Platz an Bord begrenzt und dadurch ist der Komfort eingeschränkt, aber gerade die Cape Race hat Kabinen mit einer Deckenhöhe die man selbst auf großen Schiffen vergeblich sucht. Und eine kleine Sauna ist auch an Bord!

Eine Expeditions-Kreuzfahrt mit Ihren Schiffen ist, obwohl deutschsprachig geführt und mit zwei deutschsprachigen Lektoren an Bord bezahlbar – auch für Alleinreisende.

Richtig. Unsere Preise enthalten in der Regel das An- und Abreise-Paket inklusive notwendiger Übernachtungen vor oder nach der Expedition sowie sämtliche Zodiac-Fahrten und Ausflüge, Vorträge, Mahlzeiten etc. Es sind nahezu All-Inklusive-Preise von wenigen Ausnahmen wie z. B. alkoholischen Getränken abgesehen. Von daher empfehlen wir bei günstigeren Angeboten genau zu prüfen, was wirklich inklusive ist und welche Zusatzkosten zu addieren sind.

Für Alleinreisende bietet die Cape Race Top-Konditionen, weil der Einzelkabinenaufschlag nur etwa 200 – 300 Euro beträgt. In den anderen kleinen Schiffe unseres Angebots können zumeist Doppelkabinen als halbe Damen- oder Herrenkabine gebucht und geteilt genutzt werden.

Jede Ecke der Arktis hat ihren eigenen Charakter, jedes Ihrer Schiffe ob MS Cape Race, MS Quest (die heißt seit diesem Jahr MS Sea Endurance), MS Sea Spirit oder MS Stockholm, seinen eigenen Charme. Welches sind aktuell die Highlights bei Ihren Kundinnen und Kunden in der Arktis.

Wir sind in der Arktis mit mehreren kleinen Schiffen für 12 Passagiere unterwegs. Die MS Stockholm von 1953 ist unsere Alte Dame: Ein wunderschönes Schiff mit viel Charme, dunklem Holz und poliertem Messing. Sie ist ein echter Klassiker und fährt hauptsächlich in Spitzbergen. Die MS Polaris ist ebenfalls für 12 Gäste, etwas einfacher eingerichtet aber hervorragend geeignet. Die Sea Endurance ist eine ehemalige Fähre, gebaut für die Passagierbeförderung in den Küstengewässern von Grönland. Ihre Eisklasse und Wendigkeit begeistert unsere Kunden seit 2008 jedes Jahr auf’s Neue. Die MS Sea Spirit ist zur Zeit das einzige Schiff, das nach Franz-Josef-Land fahren darf.

Und dann ist da natürlich unsere MS Cape Race. Ich sage deswegen unsere, weil wir sie für die gesamte Sommersaison der nächsten Jahre gechartert haben. Sie fuhr bis letztes Jahr hauptsächlich als Forschungsschiff für die NASA in Grönland und hat sicherlich die präzisesten Seekarten sowohl im Westen als auch im Osten, denn die Forscher haben sehr genaue Karten von den meisten Fjorden und Gletschern erstellt. Diesen Vorteil werden wir in den kommenden Jahren für unsere Kunden nutzen. Darüber hinaus werden wir im Juli 2017 eine zweiwöchige Tour von Grönland nach Spitzbergen entlang der Packeiskante anbieten. Im August und September 2017 befahren wir mit der Cape Race verschiedene spannende Routen in Spitzbergen.

Sie bieten aber nicht nur die Arktis, sondern auch die Antarktis an. Eine Reise in die Antarktis gehört für viele immer noch in die Kategorie «Einmal im Leben». Was ist so faszinierend an Reisen in die Antarktis?

Die Antarktis ist zu recht ein ganz besonderes Ziel: unendliche Weite, riesige Pinguinkolonien und phantastische Landschaften sind eine Herausforderung für unsere Sinne. Was die wenigsten Menschen jedoch wissen ist die Tatsache, dass zeitgleich nur 100 Gäste an Land dürfen. Die anderen müssen warten. Ausserdem kann es passieren, dass die Landgänge wegen eines Wetterumschwungs abgebrochen werden müssen (Stichwort: katabatische Winde). Pech für diejenigen die noch an Bord auf den Landgang warten …

Wen wundert es, wenn wir daher auch mit einem 12 Passagier-Schiff, der Hans Hansson, in der Antarktis unterwegs sind. Diese Reisen sind zwar nicht billig, aber das mehr an “Quality Time” an Land ist den Aufpreis allemal wert. Was man nicht verschweigen darf ist, dass solche kleinen Schiffe nicht den selben Service bieten können wie die Größeren, aber geht es bei einer Polar Kreuzfahrt darum, ein siebengängiges Menü serviert zu bekommen? Ich denke nicht!

Welches ist Ihr persönliches Kreuzfahrt-Highlight?

Neben Spitzbergen liebe ich Südgeorgien. Diese subantarktische Insel hat es mir sehr angetan: Königspinguine, Seeelefanten, Pelzrobben, Albatrosse und und und. Südgeorgien wird im Rahmen einiger Antarktisreisen angelaufen. Die Wetter und die Anlandungsbedingungen sind oft eine Herausforderung. Aber wenn alles klappt und man zum Beispiel in St. Andrews Bay nach einer kleinen Wanderung mit Querung eines Schmelzwasserflusses und Aufstieg auf einen kleinen Hügel auf etwa 100.000 Brutpaare der Königspinguine herunterblickt, bleibt kein Auge trocken. Ein erhabener Moment für alle Naturliebhaber. Ergreifend und ganz besonders.

Im Oktober/November 2017 bieten wir eine Fotoreise speziell nur zu den Falklandinseln und Südgeorgien an. Dann ist Paarungszeit der Seeelefanten, ein phantastisches Schauspiel für Naturliebhaber.

Weitere Informationen bei Polar Kreuzfahrten

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