Entschleunigung par excellence durch Südfrankreich

Im nostalgischen Zug Train de l’Ardèche mit Dampflok fährt man bei Tournon durchs wilde Doux-Tal, vorbei an rauen Schluchten und malerischen Flussläufen der Ardèche (Foto Stieger)

Auf der Thurgau Rhône von Thurgau Travel lässt es sich komfortabel durch Südfrankreich schippern. Doch man sollte nie ohne Pyjama schlafen.

Von Simone Reich unterwegs mit der Thurgau Rhône

Flamingo rechts!» Der Ruf des aufmerksamen Mitreisenden war laut und deutlich. Sofort bremst der Carchauffeur ab und hält am Strassenrand an. Mit der Kamera bewaffnet eilen alle aus dem Bus und knipsen die eleganten Vögel, die da mit ihren gebogenen Schnäbeln im Brackwasser herumklappern. Der Ausflug ist ein voller Erfolg: Stiere, Pferde und jetzt auch noch Flamingos aus nächster Nähe – formidable kann man da nur sagen.

Städtehopping ohne tägliches Kofferpacken

Der Abstecher in die wilde Camargue fühlt sich an wie ein Katzensprung, denn zum Hotel fährt man nur eine knappe Stunde. Kein Wunder: Das Hotel fährt ja immer mit: Auf dem Fluss trudelt das Flusskreuzfahrtschiff «Thurgau Rhône» von Norden nach Süden und ermöglicht den Passagieren das Städtehopping ohne tägliches Kofferpacken.
Nach dem geschichtsträchtigen Lyon und Arles mit seinem römischen Amphitheater nun also die Camargue. Bei einem Apéritif in einem Café in Saintes-Maries-dela-Mer lassen sich die ersten Eindrücke verarbeiten. Es heisst, so eine Flusskreuzfahrt sei entspannter und erholsamer als eine Cruise auf hoher See. Das kommt hin. Kein Seegang, kein Beschaffungsstress am Buffet – stattdessen wird man rundum verwöhnt, sowohl kulinarisch als auch landschaftlich.
Für Flusskreuzfahrt-Neulinge gibt es aber doch einiges, das schiefgehen kann. So kann es sein, dass man über Nacht an einer neuen Destination ankommt, anlegt und das Kabinenfenster dann gegen die Hafenmauer schaut – es bleibt dann auch nach Sonnenaufgang stockfinster. Also immer den Wecker stellen! Noch problematischer ist es, wenn schon andere Schiffe am Hafen angelegt haben und man quasi in zweiter Reihe parkiert.

Schön brav im Pyjama schlafen!

Dann hat man am Morgen beim Öffnen der Vorhänge keine Hafenmauer vor der Nase, sondern die wildfremde Kabine eines Nachbarschiffs. Man zieht sich also besser etwas über, bevor man die Vorhänge aufreisst. Oder dann halt immer schön brav im Pyjama schlafen!
Einen anderen Fehler hat eine Mitreisende aus Holland gemacht. Für einen kurzen Landgang in Arles nahm die Dame ihre Bordkarte nicht mit. Und wenn diese im Holzfächli an der Réception deponiert ist, geht die Crew davon aus, dass auch der dazugehörige Passagier an Bord ist. Dumm gelaufen! Ihr entsetztes Gesicht, als sie
zum Pier rannte und das Schiff ohne sie ablegte, bleibt unvergesslich. Zwei Stunden und eine teure Taxifahrt später konnte die verlorene Holländerin an einer Schleuse wieder
an Bord gehen.

19. Flusskreuzfahrt mit Thurgau Travel

Aber sonst gibt kaum etwas Erholsameres, als auf dem Oberdeck die Nase in den Fahrtwind zu strecken. Findet auch Barbara Strub (62) aus Bern: «Ich könnte tagelang die Landschaft an mir vorbeiziehen lassen, davon kann ich nie genug bekommen.» Sie und ihr Mann Urs (70) sind sogenannte Repeaters, also Wiederholungstäter. Eigentlich müsste man sie «Heavy Repeaters» nennen, denn es ist schon ihre 19. Flusskreuzfahrt mit Thurgau Travel innerhalb von acht Jahren!

Die erste Fahrt hatte sich mehr zufällig ergeben. Barbara fuhr mit einer Arbeitskollegin auf dem Rhein zum Weihnachtsmarkt in Strassburg. «Ich war hin und weg. Wie die Landschaft an mir vorbeizog, nahm mich völlig in Bann», erzählt sie. Gatte Urs liess sich von ihrer Flussfahrt-Begeisterung mitreissen, und seither reisen die beiden regelmässig auf den Thurgau-Schiffen. Abends sind sie immer die Ersten auf der Tanzfläche. Urs: «Wir gehen seit ein paar Jahren in den Tanzkurs, besuchen auch gerne Bälle. Die Flussreisen bieten eine schöne Gelegenheit für unser Hobby.»
Zwei Tage später trifft man Urs und Barbara wieder an. Herausgeputzt zum Captain’s Dinner sind es einmal mehr die zwei, die den Tanzreigen an Bord eröffnen. Und wahrscheinlich planen sie im Hinterkopf bereits ihre nächste Flussreise.

Tipps in Südfrankreich

Train de l’Ardèche In einem nostalgischen Zug mit Dampflok fährt man bei Tournon durchs wilde Doux-Tal, vorbei an rauen Schluchten und malerischen Flussläufen der Ardèche. An der Endstation wird die Lok von Hand gewendet, und lokale Bauern verkaufen Köstlichkeiten wie Honig, Pilze oder Bonbons. Billetts gibt es ab 16 Euro für die halbe Strecke, die ganze kostet 22 Euro (trainardeche.fr).
Papstpalast Avignon Der riesige Papstpalast aus dem 14. Jahrhundert lässt sich hochmodern erkunden. Mit einem Tablet bekommt man dank zahlreichen 3 D-Animationen einen Eindruck, wie Benedikt XII. und Clemens VI. ihre Gemächer ausstaffieren liessen und was in der Grossküche auf dem Herd brodelte. (palais-des-papes.com).

Flussreisen während Corona

Thurgau Travel befährt normalerweise 70 Destinationen auf über 45 Flüssen und Gewässern mit über 40 Schiffen. Momentan werden wegen Corona nur Länder ohne Quarantänepflicht bereist. Zum Teil werden Routen und Ausflüge an die lokalen Bestimmungen angepasst.
Die Provence-Reise auf der «Thurgau Rhône» ist 2021 ab 990 Franken buchbar (8 Tage März–November); mehr Infos auf www.thurgautravel.ch

Diese Reisereportage ist zuerst in TELE Nr. 38 am 9. September erschienen. Entdecke das aktuellste wöchentliche Schweizer TV-Magazin mit über 90 Sendern. Der übersichtliche Programmteil bietet ausführliche TV-Tagestipps sowie attraktive Wochenhöhepunkte mit Bewertung der TELE-Redaktion. Der ausführliche Magazinteil mit News aus der TV- und Kino-Welt liefert spannende Hintergrundberichte zu neuen TV-Sendungen und Spielfilmen. Abo hier




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