Kapitän Gerald Schöber hat jederzeit ein offenes Ohr für Gäste und Crew

Gerald Schöber, Kapitän der Sea Cloud Spirit erklärt: „Ein Schiff bekommt seine Seele erst durch die Menschen an Bord."

Ein Norddeutscher wird Kapitän der neuen Sea Cloud Spirit. Der Flensburger Gerald Schöber bringt dafür jahrelange Windjammer-Erfahrung mit. Zur Schiffstaufe im August übernimmt der 54-Jährige das Kommando auf der Sea Cloud Spirit. „Es ist wirklich etwas Besonderes, der erste Kapitän auf einem so einzigartigen Schiff zu sein“, sagt Schöber.

Typisch norddeutsch? Ja, Gerald Schöber gehört zu den überzeugenden Botschaftern für den hohen Norden. Seine klar akzentuierte Aussprache, seine präzise und verbindliche Art, mit anderen Menschen zu sprechen, weisen ihn als Kind von der Küste aus. „Ich komme aus Flensburg“, stellt er sich kurz und knapp vor. Doch die nächsten Monate wird der 54-Jährige im Mittelmeer und in der Karibik verbringen. Mit der Schiffstaufe im August übernimmt Schöber das Kommando auf der Sea Cloud Spirit. „Es ist wirklich etwas Besonderes, der erste Kapitän auf einem so einzigartigen Schiff zu sein“, sagt er – typisch norddeutsch – ohne Übertreibung.

Kapitän Gerald Schöber ist passionierter Segler

Gerald Schöber ist passionierter Segler. Schon deshalb reizt es ihn, mit der Sea Cloud Spirit ein Schiff zu fahren, das unmittelbar an die legendären Windjammer-Zeiten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts anknüpft. Schnelle und große Dreimast-Vollschiffe wie die „Spirit“ waren seinerzeit das Rückgrat des beginnenden Welthandels und die Brücke zwischen den Kontinenten. „In einer Zeit, in der alles hektischer, schneller und digitaler zu werden scheint, stehen traditionell von Hand gesegelte Schiffe für Entschleunigung und Entspannung pur“, ist der Kapitän überzeugt. Aus diesen Sätzen spricht Erfahrung: „Es ist ein erhabenes Gefühl, wenn ein derart großes Schiff allein von der Kraft des Windes vorwärts geschoben wird“, sagt Schöber, der schon vor dem Wechsel zu Sea Cloud Cruises jahrelang als Kapitän Großsegler geführt hat.

Kapitän Schöber: „Ein Schiff bekommt seine Seele erst durch die Menschen an Bord“

Doch Gerald Schöber ist er nicht der Typ Segler, für den nur die Natur und das Schiff zählen. „Ein Schiff bekommt seine Seele erst durch die Menschen an Bord“, ist seine in den Jahren als Offizier und Kapitän gewachsene Überzeugung und meint damit sowohl Passagiere als auch die Mannschaft. Lange bevor er bei Sea Cloud Cruises anheuerte, hatte er  schon von der besonderen Atmosphäre an Bord der legendären Sea Cloud und ihrer jüngeren Schwester Sea Cloud II gehört – beide Schiffe sind durch das freundschaftliche, familiäre Verhältnis zwischen Crew-Mitgliedern und ihren Gästen geprägt. Wer einmal auf den beiden Schiffen gefahren ist, will diese Atmosphäre auf jeden Fall wieder spüren, die Wiederholer-Quote liegt über 50 Prozent. „Natürlich werden wir diesen Geist auch auf dem neuen Segler schaffen, der Namenszusatz Spirit ist schließlich nicht umsonst gewählt“, verspricht der Kapitän.

Auch in der Besatzung der bisherigen zwei Sea Cloud-Schiffe sind viele seit Jahren und teilweise sogar seit Jahrzehnten im Dienst für die Reederei. Gerald Schöber freut sich darauf, dass etliche dieser erfahrenen Crew-Mitglieder auf der Sea Cloud Spirit an seiner Seite sind. Doch wie in einem guten Orchester muss auf einem Großsegler das Zusammenspiel gut eingeübt sein – das Ganze ist gerade an Bord weit mehr als die Summe seiner Teile.

Teambuilding heißt das neudeutsch; als Norddeutscher formuliert Schöber es aus seiner Erfahrung deutlich präziser: „Man muss den Einzelnen stärken und gleichzeitig den Zusammenhalt aller stützen. „Die Möglichkeit ist dabei immer größer als die Wirklichkeit“, betont er. Schöber beobachtet, leitet an, pflegt den respektvollen und kooperativen Umgang; aber wenn es sein muss, kann er auch deutlich werden – in aller Ruhe aber bestimmt, norddeutsch eben. Mit den notwendigen Schritten und Prozessen hat sich Schöber bereits in seiner Bachelor Thesis („Schiffsführung im 21.Jahrhundert“) zum Abschluss des Nautikstudiums befasst. Die Erfahrung, die er anschließend zunächst als Offizier auf Handelsschiffen und dann als „Master“ auf Großseglern sammelte, ergänzte in der Praxis perfekt die Theorie.

„Der Verantwortung für Menschen und Schiff jederzeit gerecht werden“

So, wie er ein offenes Ohr für jeden in der Besatzung hat, so offen wird er auch den Gästen begegnen. Auf einer der großen schwimmenden Bettenburgen, mit denen die Kreuzfahrtindustrie die Weltmeere füllt, kann sich der Kapitän schnell der Wahrnehmung entziehen. Schöber denkt an so etwas erst gar nicht. Deshalb ist die Sea Cloud Spirit mit maximal 138 Passagiere und ihrer familiären Atmosphäre das richtige Schiff für ihn – „da ist man auch als Kapitän jederzeit ein Teil des Ganzen und natürlich auch für die Gäste sichtbar und ihr Ansprechpartner“, betont er. Es ist zu spüren, dass er sich darauf freut. Schöber gehört aber nicht zu jener Sorte Traumschiff-Kapitän des Fernsehens, die eher Showmaster als Schiffsführer zu sein scheinen: „Als Kapitän trägt man Verantwortung für das gesamte Schiff und alle Menschen an Bord“, sagt er. Dieser Verpflichtung gerecht zu werden, sieht er als seine wichtigste Aufgabe. „Eigentlich ist es aber ganz einfach“, sagt er mit einem Augenzwinkern, „man muss nur zur richtigen Zeit immer das Richtige tun und das 24 Stunden am Tag – und manchmal auch ein wenig länger.“

„Stark in der Sache – flexibel in der Methode“

Gerald Schöber ist auf Umwegen zur Berufsschifffahrt gekommen. Zwar stammt er aus einer maritim geprägten Familie (sein Vater war Marine-Offizier), lernte das Segeln bereits in jungen Jahren auf der Flensburger Förde und diente später selbst vier Jahre bei den „blauen Jungs“. Doch dann entschied er sich nach der Marinezeit, Wirtschaftsinformatik zu studieren und anschließend als IT´ler zu arbeiten. Irgendwann kam – nicht nur familiär – die Zeit für eine neue Orientierung. Gerald Schöber entwickelte seinen neuen persönlichen Kurs auf einem mehrmonatigen Ostseetörn mit dem eigenen Boot und plante, endlich seine Passion zur Profession werden zu lassen. Er studierte Nautik, Seeverkehr und Logistik an der Fachhochschule Flensburg und schloss diese Ausbildung ganz klassisch mit den notwendigen Fahrensjahren als Seekadett ab und fuhr danach als Offizier auf Handelsschiffen bei einer Hamburger Reederei.

Bereits in dieser Zeit sammelte er die Erfahrung im richtigen Umgang mit Besatzungen, in dem sich Freundlichkeit mit Bestimmtheit und Verlässlichkeit verbindet: „Stark in der Sache – flexibel in der Methode ist dabei zu meiner Maxime geworden“ sagt Schöber. Aber mit einem Frachter von Hafen zu Hafen zu pendeln – für den passionierten Segler fehlte schnell der Reiz. Schöber fand ihn wieder, als er das Kommando auf einem anderen Passagier-Großsegler übernahm. „Ein Segelschiff, wie die ,Spirit’ in Dienst zu stellen und dann als Kapitän zu fahren, – das passiert wahrscheinlich nur einmal im Leben – und so ist es eine große Ehre für mich, dass die Reederei Sea Cloud mir diese Aufgabe anvertraut.“

Am 29. August wird Kapitän Schöber erstmals mit Gästen in See stechen – an Bord geht er aber schon in Kürze. In den kommenden Wochen wird er die Sea Cloud und die Sea Cloud II auf ihren Reisen begleiten, um alles über die Schiffe und den Geist an Bord zu erfahren: „Der Spirit der Sea Cloud ist unser Maßstab auch für das neue Schiff.“

Seit 1979 ist Sea Cloud Cruises eine der ersten Adressen in der Welt der Kreuzfahrten. Die fast 90 Jahre alte Viermastbark Sea Cloud und ihre jüngere Schwester Sea Cloud II werden regelmäßig vom Berlitz Cruise Guide unter die besten fünf Kreuzfahrtschiffe der Welt gewählt. Informationen in guten Reisebüro oder direkt bei www.seacloud.com

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  1. […] an Bord.” Mehr über den Kapitän des neuen Grossseglers von Sea Cloud Cruises gibt es hier zu […]

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