Eine Kreuzfahrt nach Corona wird nicht mehr sein wie zuvor

Die Ida Pfeiffer (unten) stösst 2021 zur Flotte von TransOcean. Die Celestyal Crystal ist eines der beiden Schiffe von Celestyal Cruises (Fotos TransOcean/Celestyal Cruises)

«Die Kreuzfahrt nach Corona wird nicht mehr die gleiche sein wie zuvor.» Dies ist die Kernaussage einer von der Kommunikationsagentur Global Communication Experts veranstalteten Kreuzfahrt-Videokonferenz. Dabei waren auch spannende Fakten darüber zu erfahren, wie sich die Kreuzfahrt präsentieren wird, wenn es denn endlich wieder los geht. So werden wohl Masken an Bord – zumindest in der Anfangsphase auf den Flussschiffen – Pflicht sein und Hygiene- und Reinigungsvorschriften verschärft werden. Auch Einbahn-Regelungen wird es wohl geben. Spannend auch die Aussage mit welcher Aussage ein Schiff wirtschaftlich rentabel betrieben werden. Der Break Even liegt bei Cruise & Maritime Voyages (Muttergesellschaft von TransOcean Kreuzfahrten) bei 70 %. Erst 2022 werde man wieder zur Wirtschaftlichkeit und Rentabilität der Vergangenheit zurückkehren können.

Die Ferien Vorbereitungen in der Schweiz, Österreich und Deutschland laufen auf Hochtouren und immer mehr Gaststätten und Hotels öffnen ihre Türen. Doch wie sieht es mit Urlaub auf dem Wasser aus? Hier lohnt sich ein Blick auf die Hochseekreuzfahrt, die Flusskreuzfahrt aber auch auf die touristische Personenschifffahrt, um einen Einblick zu bekommen, was bereits möglich ist und wie die Reedereien die veränderte Situation angehen. Anlässlich einer Videokonferenz schauten heute Christian Verhounig, CEO Cruise & Maritime Voyages (Muttergesellschaft von TransOcean Kreuzfahrten), Theodora Dimopoulou, Regional Director Continental Europe bei Celestyal Cruises, Andrea Kruse, COO von VIVA Cruises und Marie Nauheimer, Geschäftsführerin Primus-Linie, Frankfurter Personenschifffahrt in die Kristallkugel und gaben Einblick in die Zukunft der Schifffahrt auf den Weltmeeren und den europäischen Flüssen. Das  3. GCE-Agentur-Café  fand unter der Gesprächsführung von Dorothea Hohn, Managing Partner bei Global Communication Experts statt.

Viva Cruises fährt mit rund 70 % Kapazität

Marie Nauheimer, Geschäftsführerin Primus-Linie, Frankfurter Personenschifffahrt  erklärt, dass die Corona Zeit dazu genutzt wurde ihre fünf Schiffen auf Vordermann zu bringen, sprich notwendige Reperatur- und Verschönerungsarbeiten zu erledigen. Die moderne Flotte mit ihren fünf Schiffen (Nautilus, Wappen von Frankfurt, Maria Sibylla Merian, Johann Wolfgang von Goethe, Wikinger) verkehrt regelmäßig zwischen Frankfurt, Mainz, Wiesbaden und Seligenstadt  Seit 14 Tagen sind die Schiffe auf dem Main wieder unterwegs und gehören damit zu den ersten Schiffen, die auf dem Wasser wieder fahren. Selbstverständlich mit Abstandsregeln, Mund-Nasen Schutz und erhöhten Hygiene-Massnahmen.

Andrea Kruse von Viva Cruises, verantwortet 10 Schiffe für max. 153 Gäste, die auf Rhein, Donau, Main, Mosel, Elbe, Seine, Rhone und der Ostseeküste unterwegs sind. «Die erste Fahrt mit der Viva Tiara wird am 26. Juni starten», erklärte Kruse. Bei allen Gästen werde Fieber gemessen. Wer über 38 Grad aufweise, könne die Flussreise nicht antreten. Die Messung der Temperatur finde anschliessend täglich statt. Der Reinigungs- und Desinfektionsablauf an Bord der Flussschiffe von Viva Cruises wurde erweitert. Ausserdem ist auf den ersten Reisen stets ein Arzt mit an Bord. Für Gäste und Crew herrscht an Bord Maskenpflicht, ausser im Restaurant und der Lounge. «Wir fahren zum Start nur mit gut 70 % der Kapazität», sagte Andrea Kruse und ergänzte: «Die. Menschen sind reisefreudig, der Grossteil möchte reisen, möchte wieder raus. Wohl gerade auch deshalb verzeichnen wir für unsere ersten Kurzreisen ab Düsseldorf und Frankfurt eine sehr grosse Nachfrage.»

V.l.n.r. Andrea Kruse (VIVA Cruises), Dr. Marie Nauheimer (Primus-Linie), Theodora Dimopoulou (Celestyal Cruises), Christian Verhounig (CMV, TransOcean Kreuzfahrten)

TransOcean wartet nur auf das «Go»

Während die Flusskreuzfahrt langsam, aber ziemlich sicher bald startet, sieht es bei der Hochkreuzfahrt noch nicht nach einem baldigen Start aus: «Wir können noch kein Datum festlegen, wann wir endlich starten können», erklärte Christian Verhounig, CEO Cruise & Maritime Voyages (Muttergesellschaft von TransOcean Kreuzfahrten), Da die Schiffe Astor, Vasco da Gama, Columbus und Ida Pfeiffer  auf ihren Reisen mehre Länder durchfahren und Häfen anlaufen, hänge es natürlich von den jeweiligen Behörden ab, wann der Start erfolgen könne. Verhounig ist aber zuversichtlich: «Wir sind extrem gut aufgestellt, weil wir mit allen Schiffen praktisch ohne No fly Programm unterwegs sind. Die meisten unserer Gäste fahren mit eigenem Auto zum Schiff, womit der Flug entfällt.» Christian Verhounig zeigte sich insbesondere auch vom Umstand erfreut, dass nur wenige Gäste die Reisen abgesagt, sondern nur umgebucht hätten. «Die Menschen wollen Kreuzfahrten unternehmen. Sie fühlen sich wohl an Bord unserer Schiffe und wir sind startklar. Die grosse Frage ist, wann wir endlich loslegen können.»

Celestyal Cruises möchte am 30. Juli starten

Celestyal Cruises betreibt zwei mittelgroße Schiffe, die Celestyal Olympia und die Celestyal Crystal, die von Theodora Dimopoulou, Regional Director Continental Europe vermarktet werden. Die Reederei wollte ursprünglich am 30. Juni starten – nun ist der Termin auf den 30. Juli verschoben. Die Sicherheit von Passagieren und Crew stehe an oberster Stelle, so Dimopoulou, weshalb Celestyal Cruises mit verringerter Passagier-Kapazität starten werde, Social Distancing bleibe auch an Bord ein Thema, so dass sowohl an Bord, aber auch während dem Tendern und auf Landgängen alle Vorkehrungen getroffen werden, um ein sicheres Reisen zu gewährleisten. Dimopoulou sagte, dass die Nachfrage für 2021 und 2022 sehr gross sei.

Einbahn Regelung zu den Kabinen

Christian Verhounig von TransOcean wies auf den Umstand hin, dass die Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen schon seit je sehr gross sei. «Vor jedem Landgang kommen Zollvertreter, Einwanderungsbehörde und Gesundheitsbehörde an Bord. Erst wenn alle drei Behörden das ok geben, dürfen Passagiere an Land. Kreuzfahrt ist sich somit schon hohe Kontrollstandards gewohnt», sagte Verhouning. Spannend auch seine Aussage zur Frage, ab wann Schiffe wirtschaftlich betrieben werden könnten. Er erklärte, dass die Wirtschaftlichkeit natürlich von Reederei, aber auch von Schiff zu Schiff unterschiedlich sei und nicht verglichen werden könne. «Wenn wir bei uns von 100 % Auslastung sprechen, fahren wir aufgrund der vielen Single-Kabinen effektiv mit 83 % Kapazität, Der Break Even liegt bei durchschnittlich 70 %,.» Der CEO von Cruise & Maritime Voyages und damit der Muttergesellschaft von TransOcean Kreuzfahrten wies auch ausdrücklich darauf hin, dass 2021 nochmals ein durchzogenes Jahr werden würde und man wohl erst 2022 wieder zur Wirtschaftlichkeit und Profitabilität von 2019 zurückkommen werde.

Wenig erfreut werden Gäste wahrscheinlich am Umstand sein, dass in einer ersten Phase auf den Schiffen der Einbahnverkehr eingeführt wird. Das bedeutet, dass man nicht mehr in allen Fällen direkt seine Kabine erreicht, sondern nur via Umweg. «Dies heisst», so Andrea Kruse von Viva Cruises, «dass man auf der einen Seite des Schiffes rein zu den Kabinen und auf der anderen Seite wieder raus geht.» Um Social Distancing zu gewährleisten werde die Flussreederei auch teilweise mit Plexigals Scheiben arbeiten. Ähnlich tönt es von TransOcean. Noch sei allerdings nichts fix, da einfach noch zu wenig Vorgaben von den jeweiligen Behörden vorliegen würden. Klar ist allerdings, so Christian Verhouning: «Eine Kreuzfahrt nach Covid-19 wird eine andere sein, wie zuvor.»

Wird eine Kreuzfahrt teurer oder vielleicht gar günstiger?

Nicht konkret antworten wollten die Vertreter der Reedereien auf die künftige Preisgestaltung. Werden die Preise günstiger, weil die Nachfrage kleiner ist oder gar teurer aufgrund der reduzierten Auslastung? Der Vertreter von Transocean erklärte, dass es fast nicht möglich sei, die Preise sofort anzuheben oder zu senken. «Unsere Gäste buchen ihre Kreuzfahrt 11 Monate im Voraus und so haben wir für 2021 bereits eine 45 % Auslastung», sagte Christian Verhounig. Ins gleiche Horn stiess auch Andrea Kruse. Die Vertreterin von Viva Cruises gab auch der Hoffnung Ausdruck, dass alle Reedereien eine vernünftige Preispolitik betreiben würden. «Der Nachholbedarf ist vorhanden und es ist wichtig, dass wir den Markt nicht mit Dumping-Angeboten ruinieren.»

Alle vier Anbieter von Urlaub auf dem Wasser blicken denn auch hoffnungsvoll in die Zukunft. Der Vertreter von TransOcean sagte: «Alle Reisen die wir absagen, werden zu einem sehr hohen Prozentsatz umgebucht und nicht annuliert. Die Gäste wollen wieder reisen, wollen sich etwas gönnen.» Ähnlich tönt es von Celestyal Cruises: «Die Buchungszahlen sind sehr gut, vor allem für das kommende Jahr. Für das laufende Jahr sind Neubuchungen aktuell noch eher verhalten, was aber auch mit der unsicheren Lage vorhandener Flüge zu tun hat», meinte Theodora Dimopoulou von Celestyal. Und stolz wies sie auch auf den Umstand hin, dass es auf den griechischen Inseln mit Ausnahme von Mykonos (1 oder 2 Fälle) keinen einzigen Corona-Fall gegeben hat.

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