Saranda in Albanien bietet viel Sonne, schöne Strände und das antike Butrint

Das antike Theater in Butrint wurde im 3. Jahrhundert erbaut und bietet 2‘000 Besuchern Platz (Bild Stieger)

Albanien gehört zweifellos nicht – oder vielleicht noch nicht – zu den Highlights auf der touristischen Landkarte. Dies könnte sich in naher Zukunft ändern. Zum einen ist im Süden des Landes ein dritter Flughafen geplant, die Region verfügt über schöne Sandstrände, 300 Sonnentage, türkis blaues Meer und vor allem hat sie Butrint. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden beeindruckenden archäologischen Ausgrabungen mögen mit ein Grund dafür sein, dass vermehrt auch Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Saranda anlegen.

Von Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

29’000 Quadratkilometer gross ist Albanien, dessen Bevölkerung während vieler Jahrzehnte oder man kann schon sagen Jahrhunderte unterdrückt und unterjocht wurde. Zuletzt durch die Kommunisten. Seit dem Ende des Kommunismus 1991 sind die gut drei Millionen Albaner unabhängig. Das Land hat es innert weniger Jahre geschafft von einem der ärmsten Länder im Osten nicht zu einem reichen, aber zumindest zu einem aufblühenden Staat zu werden. Das aufblühen ihres Landes haben vor allem jene Albaner ermöglicht, die ihre Heimat verlassen, im Ausland während Jahren Geld verdient und dieses wieder in Albanien investiert haben.

Albanien ist Heimat von Mutter Theresa

Die wohl berühmteste Albanerin ist eine Frau die jahrelang in Armut lebte und sich um die Todgeweihten kümmerte: Mutter Teresa. Schon 1929 wanderte die Ordensschwester nach Indien aus und kümmerte sich in den Slums von Kalkutta um Arme, Obdachlose, Kranke und Sterbende. Die Krönung und Ehrung ihrer unermüdlichen Arbeit erfolgte 1979 mit der Verleihung des Friedensnobelpreises. 1997 verstarb Mutter Teresa in Kalkutta. 2016 wurde die gebürtige Albanerin von Papst Franziskus heilig gesprochen. Die Albaner zollen ihrer bekannten und aufopfernden Landsfrau eifrig Tribut. Der Tag der Seligsprechung (5. September) von Mutter Teresa wurde zum Nationalfeiertag erklärt. Ihr Name ziert seither auch den Flughafen in Tirana. Viele Denkmäler zu Ehren der Friedensnobelpreisträgerin finden sich auch im nahen Mazedonien: Denn dort wurde Mutter Teresa unter dem Namen Anjezë Gonxhe Bojaxhiu 1910 als Tochter albanischer Katholiken in der heutigen Hauptstadt Skopje geboren.

Der zweite bekannte Einwohner Albaniens war Fürst Gjergj Kastrioti, genannt Skanderbeg. Der albanische Nationalheld Skanderbeg war einer der grössten Verteidiger des christlichen Europas gegen das osmanische Reich im 15. Jahrhundert. Dieser Titel wurde ihm sogar offiziell von Papst Kalixt III verliehen. Von 1443 bis zu Skanderbegs Tod 1468, besiegte seine Armee konstant Heere der Osmanen, obwohl diese massiv in der Überzahl waren. Skanderbeg trug massgeblich dazu bei, den Einfall der Osmanen nach Europa zu verzögern. Ohne Skanderbegs Widerstand hätte das Europa des Spätmittelalters wohl ganz anders ausgesehen. Zu Ehren Skanderbegs gibt es sogar nach ihm benannte Strassen in Paris, Wien und Berlin.

Saranda – neues Ziel für Kreuzfahrtschiffe

Das Aufblühen von Albanien spürt man vor allem auch in der südlichsten Stadt Saranda, dem neuen Kreuzfahrt Ziel verschiedener Reedereien. Einen Anlegesteg gibt es allerdings nicht, weshalb getendert werden muss. 40‘000 Einwohner leben in Saranda, geplant wurde die Stadt vor vielen Jahren nur für 15’000 Bewohner und Bewohnerinnen, was sich durch eine unerfreuliche Verkehrssituation zeigt. Die vielen Albaner die aus dem Ausland zurückgekehrt sind, haben für einen Bauboom gesorgt, der sich insofern negativ äusserst, als dass mittlerweile 4’000 Wohnungen leer und zum Verkauf stehen. Unser Reiseleiter erklärte aber, dass sich die Situation in den nächsten Jahren sicherlich ändern werde. Vermehrt würden Ausländer vor allem aus Skandinavien und Polen Wohnungen aufgrund des günstigen Klimas und der schönen Sandstrände Wohnungen kaufen würden. Albanien und hier vor allem der Süden setzen denn auch voll auf den Tourismus. Dazu gehört auch, dass ein neuer, dritter albanischer Flughafen in der Nähe von Saranda geplant ist.

Archäologische Stätte Butrint ist Zeugnis verschiedener Kulturen und Zivilisationen

Die Geschichte der antiken Hafenstadt Butrint ist auch eine Geschichte der mediterranen Welt. Heute sind die 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen archäologischen Ausgrabungen das meistbesuchte und beliebteste Touristenziel in ganz Albanien. Viele der Monumente, die man in der antiken Stadt besichtigen kann, wurden von einer Archäologischen Delegation aus Italien unter der Leitung von Luigi Maria Ugoline ausgegraben. Ugoline und sein Team arbeiteten während elf Jahren von 1928 – 1939 in Butrint.

Butrint – was soviel bedeutet wie verwundeter Stier – bietet seinen Besucherinnen und Besuchern eine beeindruckende Reise durch verschiedene Epochen der Geschichte, beginnend im 8. Jahrhundert vor Christus. Die damalige Stadt und ihr Erbe bewahren das einmalige Zeugnis der hellenischen, byzantinischen, venezianischen und osmanischen Kulturen und Zivilisationen. Nach der klassischen Mythologie wurde die Stadt unter den Namen Buthrotum gegründet. Die Gründungsväter waren Verbannte, welche die gefallene Stadt Troja verlassen mussten. Der lateinische Poet Virgil von Aenas (ihm zu Ehren gibt es in Brindisi die Virgil Treppe) hatte die Stadt auf seiner Reise nach Italien besucht und Butrint in seinem Epos „Aeneis“ erwähnt.

Butrint bietet historisches Miteinander von Monumenten und Natur

Highlights in Butrint sind der Venezianische Turm am Eingang zur Stadt, wie auch das Asklepios geweihte Heiligtum aus dem 4. Jahrhundert. Das antike, im 3. Jahrhundert erbaute Theater, bietet auf 22 Stufen rund 2‘000 Besuchern Platz. Es wird aufgrund seiner guten Akustik auch heute noch für Veranstaltungen genutzt. Wunderschön und eindrücklich sind die grosse Basilika aus der frühchristlichen Periode und die Taufkapelle. Das 2005 in der der Burg der Akropolis eröffnete Museum beherbergt eine chronische Ausstellung der Geschichte Butrints, von der Bronzezeit bis ins späte Mittelalter.

Es ist das harmonische Miteinander der historischen Monumente, der Natur und der Landschaft die Butrint so einmalig und besuchenswert machen. Die antike Stadt Butrint befindet sich heute im Nationalpark Butrint. Dieser hat eine Fläche von 9’424 Hektaren und geniesst seit 2003 den Status Feuchtgebiet mit nationaler Wichtigkeit. Der Nationalpark Butrint verfügt über eine grosse Flora und Fauna-Vielfalt. Nicht weniger als 800 Pflanzensorten, von denen 16 vom Aussterben bedroht sind sowie 12 sehr seltene Arten sind im Park zu finden. Bis heute wurden im Feuchtgebiet 246 Vogelarten, 105 Fischsorten und 39 Säugetierarten gefunden, von denen viele unter besonderem Schutz stehen.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben

by rettenmund.com