Reiseveranstalter schwächeln – Kreuzfahrt legt zu

MS Amera (Bild Stieger)

Der deutsche Markt für Veranstalter-Reisen ist im Touristikjahr 2018/19 nur noch durch der guten Entwicklung der Kreuzfahrt und vieler mittelständischer Spezialisten gewachsen. Die individuell organisierte Reise hat Marktanteile gewonnen. Das zeigt das fvw Dossier Veranstalter, das die Umsätze der führenden Unternehmen nennt. Die Kreuzfahrt legt markant weiter zu : Die vom Fachmagazin fvw erfassten Reedereien wuchsen beim Umsatz um 11,6. Prozent. Der Umsatz hielt erstmals seit vielen Jahren nicht mit dem Teilnehmerwachstum Schritt – ein Indikator für den zunehmenden Preisdruck.

Insgesamt nahm das Umsatzvolumen aller vorab gebuchten Urlaubs- und Privatreisen ab mindestens einer Übernachtung 2019 um 3,6 Prozent auf 69,5 Mrd. Euro gegenüber 2018 zu. Das ergibt sich aus dem Mobiliätspanel der GfK, das monatlich das private Reiseverhalten von über 40.000 Bundesbürgern in 19.000 Haushalten erfasst. Der Deutsche Reiseverband (DRV) erhält diese Zahlen exklusiv und hat sie der fvw vorab zur Verfügung gestellt.

Selbst organisierte Reisen legen zu

Während 2018 die Veranstalter-Reise wegen des Comebacks der Pauschalreise-Hochburgen Türkei und Ägypten sogar stärker zulegte als die vom Kunden individuell organisierte Reise, kehrte sich dieser Trend 2019 um. Die Ausgaben für organisierte Reisen stiegen nur um 0,7 Prozent auf 35,4 Mrd. Euro, die Ausgaben für selbst zusammengestellte Reisen dagegen um 6,8 Prozent auf 34,1 Mrd. Euro. Auf die Veranstalter-Reise entfällt damit immer noch über die Hälfte aller Reiseausgaben. Im langjährigen Trend legen aber die Individualreisen zu.

Die im fvw Dossier erfassten 53 Veranstalter in Deutschland, Österreich und der Schweiz steigerten ihren Umsatz im Touristikjahr 2018/19 (bis 31. Oktober) um 1,8 Prozent auf 27,7 Mrd. Euro. Nach zwei Vorjahren mit einem kumulierten Umsatzplus von 15 Prozent ist dies eine deutliche Abschwächung.

Seit 2018 bilden die D-A-CH-Zahlen die Grundlage für dieses Dossier, weil eine Reihe von Veranstaltern nur Zahlen für den deutschsprachigen Markt insgesamt berichten und fast alle deutschen Reiseproduzenten ihr Produkt auch in den beiden Nachbarländern vertreiben. Von den 27,7 Mrd. Euro entfallen nach Berechnung der fvw 24,2 Mrd. Euro allein auf den deutschen Markt. Die Veranstalter in Deutschland und Österreich verzeichneten 2018/19 ein leichtes Plus, in der Schweiz lag der Markt knapp im Minus.

Das vergangene Jahr war geprägt von dem Zusammenbruch von Thomas Cook. Der deutsche Veranstalter mit der Hauptmarke Neckermann Reisen absolvierte bis Ende September noch elf Monate des Touristikjahres und ist deshalb im fvw Dossier enthalten. Die fvw schätzt das Umsatzminus auf 20 Prozent, da schon im Sommer der Absatz zurückging. Im reinen Veranstalter-Geschäft ohne die Condor-Einzelplätze betrug der Umsatz noch rund 2,5 Mrd. Euro. Nach der Insolvenzanmeldung buchte ein erheblicher Teil der Cook-Kunden vor allem für die bevorstehenden Herbstferien den Urlaub nochmal neu. Das bescherte den Konkurrenten eine kleine Sonderkonjunktur.

TUI bleibt Marktführer

Im fvw-Ranking gibt es 2018/19 nur leichte Veränderungen. Klarer Marktführer bleibt die TUI Deutschland, deren Umsatz in Deutschland und im D-A-CH-Raum um jeweils ein Prozent auf 5,1 Mrd. Euro beziehungsweise 5,8 Mrd. Euro stieg. Zusammen mit den von der Mutter TUI Group gehaltenen Beteiligungen TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises kommt die börsennotierte Gruppe auf einen Marktanteil von 19,1 Prozent. Dies bezieht sich auf das von DRV/GfK ermittelte deutsche Gesamtvolumen von 35,4 Mrd. Euro.

Nach dem Aus für Thomas Cook ist DER Touristik Nummer zwei. Im reinen Veranstalter-Geschäft im deutschsprachigen Raum war die Rewe-Tochter immer schon die Nummer zwei, zumal sie in der Schweiz mit dem Kauf von Kuoni die Position ausbaute. Aber Thomas Cook rechnete sich auch das Flugeinzelplatzgeschäft der Tochter Condor zu. Die DER Touristik ist nach zwei rückläufigen Jahren mit einem Umsatzplus von 1,2 Prozent 2019 wieder leicht gewachsen und setzte im D-A-CH Raum 3,440 Mrd. Euro als Veranstalter um.

Die FTI Group ist der DER Touristik dicht auf den Fersen und dürfte auf dem deutschen Quellmarkt schon an zweiter Stelle rangieren, da die DER Touristik in der Schweiz und Österreich stärker ist. FTI hat 2019 mit einem Plus von zehn Prozent auf 3,360 Mrd. Euro wieder überproportional zugelegt. Auf den weiteren Plätzen folgen Aida und Alltours. Auf Platz sieben schob sich mit dem Umsatzsprung durch die neue Mein Schiff 2 TUI Cruises an Schauinsland-Reisen vorbei.

Platz neu für Hotelplan

Auf Platz neun rangiert der Schweizer Lokalmatador Hotelplan, der mit den in der Holiday Home Division (Platz 14) gebündelten Veranstaltern Interhome und Interchalet sowie zukünftig zusätzlich mit dem Neuerwerb Vtours (Platz 11) einen beträchtlichen Anteil des Umsatzes in Deutschland erzielt.

Aus den von der fvw erhobenen Zahlen lassen sich weitere Trends für 2019 ablesen:

Der Badeurlaub mit Fluganreise ist rückläufig : Die großen Veranstalter sowie dynamisch produzierende Mittelständler, deren Fokus die Sonne- und Strand-Ziele am Mittelmeer, auf den Kanaren und auf der Fernstrecke sind, verzeichnen kumuliert ein leichtes Umsatzminus. Die Zuwächse in der Türkei, in Äypten, ein auf dem Niveau der starken Vorjahre liegendes Griechenland-Geschäft sowie mehr Kunden für die USA und Mexiko konnten die Rückgänge vor allem in Spanien, Bulgarien, Thailand und der Karibik nicht ausgleichen.

Kreuzfahrt legt zu

Die Kreuzfahrt legt weiter zu : Die vom fvw erfassten Reedereien wuchsen beim Umsatz um 11,6. Prozent. Alle großen Hochsee-Anbieter sind enthalten, bei Flussreisen fehlen einige Veranstalter wie Nicko Cruises. Da Flussreisen weniger stark wuchsen, könnte der Gesamtmarkt um knapp zehn Prozent gestiegen sein. Der Umsatz hielt erstmals seit vielen Jahren nicht mit dem Teilnehmerwachstum Schritt – ein Indikator für den zunehmenden Preisdruck. Ohne die Kreuzfahrtanbieter hätte sich für den von der fvw erfassten Veranstalter-Markt ein Umsatzminus von 0,2 Prozent ergeben.
Der Mittelstand behauptet sich gut: Wie in den Vorjahren wuchsen die Veranstalter mit einem Umsatz von unter einer Milliarde Euro mit einem Zuwachs von 4,6 Prozent deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Diese Unternehmen haben sich zumeist auf spezielle Destinationen oder Reiseformen spezialisiert.
Umsatz entwickelt sich besser als Teilnehmerzahl : Wie in den Vorjahren gibt es eine Differenz zwischen dem Umsatz und der Zahl der Gäste. Die Teilnehmerzahlen im fvw Dossier sind zwar teilweise nur Näherungswerte, weil Bausteinveranstalter die Umsätze der gebuchten Einzelleistungen wie Flug, Hotel und Mietwagen, aber oft nicht die dahinter stehende Zahl der Reisenden registrieren. Auf der Basis des Dossiers gibt es ein Minus bei den Teilnehmern von 1,8 Prozent.
Höherer Gewinn: Gut die Hälfte der Veranstalter, die dazu im fvw-Fragebogen antworteten, freuen sich über höhere Gewinne, bei einem Drittel blieb der Ertrag konstant. Im Vorjahr hatte das Flugchaos für Gewinnrückgänge gesorgt. 2019 verzeichneten einige Veranstalter durch die Germania-Pleite Einbußen. Vor allem aber drückten das sich nur zäh entwickelnde Sommergeschäft und zuletzt auch Sonderangebote von Thomas Cook die Margen. Viele Spezialisten zeigen sich jedoch zufrieden mit dem Jahr.
Für 2019/20 zeigen sich viele Veranstalter laut der fvw-Umfrage optimistisch, kaum ein Unternehmen rechnet mit Rückgängen. Die Großen wollen sich ihr Stück vom 2,5 Mrd. Euro schweren Umsatzkuchen von Thomas Cook sichern, Mittelständler in ihren Nischen wachsen. Allerdings fand die Umfrage vor dem Ausbruch des Coronavirus statt. Auch der schwache Buchungsstart im Januar mit einem leicht unter dem Vorjahresniveau liegenden Umsatz in den Reisebüros und die sich abschwächende Konjunktur deuten nicht auf ein großes Plus hin. Die fvw erwartet ein Umsatzplus von maximal zwei Prozent im laufenden Jahr.

Infos unter www.fvw-medien.de

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