MSC Armonia: Wo einst Schröder, Putin und Bush tagten

Ein Paradies für Kinder auf der MSC Armonia (Bild Stieger)

Zum dritten – allerdings nun auch letzten Mal – habe ich letzte Woche eine Kreuzfahrt mit der MSC Armonia unternommen. Dies liegt nicht an der Route durchs westliche Mittelmeer, auch nicht am Unwetter mit 6 Meter hohen Wellen was ein Anlaufen von Marseille und Menorca verunmöglichte, sondern am grossen Lärm, der durch die grosse Anzahl an Passagieren fast überall herrscht und ein Gespräch in einer vernünftigen Lautstärke fast verunmöglicht. Schade: Aus meiner Sicht, hat die MSC Armonia durch die Erhöhung um über 600 Passagiere deutlich an Charme und Attraktivität verloren.

Die MSC Armonia ist eines der wenigen Schiffe in der MSC-Flotte. die die Reederei nicht selbst gebaut, sondern übernommen hat. Gebaut wurde das Schiff im Jahr 2000, ein Jahr später fand die Taufe, damals noch unter dem Namen European Vision statt. Nach dem Konkurs der Reederei, Festival Cruises, im Jahr 2004 (zu der auch die damalige European Stars – heute MSC Sinfonia gehörte) kaufte MSC die beiden Schiffe aus der Konkursmasse. Die MSC Armonia oder eben damalige European Vision hat eine spannende Geschichte. Dort fand im Jahr 2001 das internationale G 8 Treffen statt. Zu diesem hatte (Quelle: Wikipedia) der damalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi geladen. Am Treffen des G8 auf der European Vision/MSC Armonia nahmen unter anderem Wladimir Putin, Tony Blair, George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder teil.

Die MSC Armonia (Bild Stieger)

Die MSC Armonia (Bild Stieger)

MSC Armonia ist Schuld an meiner Liebe zu Kreuzfahrten

Die European Vision war es, die im Jahr 2003 die bis heute ungebrochene Liebe und Freude an Kreuzfahrten auslöste und auch an diesen Kreuzfahrt Blog mitschuldig ist. Vom 2. bis 9. November 2003 war ich nämlich erstmals auf einer Kreuzfahrt, die mich nach Venedig, Dubrovnik, Korfu, Santorini, Rhodos und Athen führte. Und das tolle Erlebnis und Feeling auf der European Vision (oder eben der heutigen Armonia) hat bis heutigen Tag angehalten und dazu geführt, dass ich mittlerweile über 15 Kreuzfahrten gemacht habe.

Die 2. Kreuzfahrt mit der MSC Armonia führte mich im Frühling 2013 nach Safaga, Sharm El Sheik, Eilat, Kairo und Aqaba in Jordanien (ja genau, dort wo die beeindruckende Felsenstadt Petra steht). Ich kann somit die Armonia recht gut beurteilen, was auch dazu führte, dass ich nun vom 23. bis 30. April 2016 zu meiner dritten Kreuzfahrt mit der MSC Armonia gestartet bin. Allerdings meiner letzten Cruise mit diesem Schiff – nicht mit MSC.

MSC Armonia hat ihren Charme verloren

Was gibt den Ausschlag, inskünftig auf Reisen mit der MSC Armonia und wohl auch den drei anderen Schiffen der Lirica Klasse (also der MSC Lirica, MSC Sinfonia und MSC Opera) zu verzichten? Das dürfte wohl das Renaissance Programm und die damit verbundene Erhöhung der Passagierzahlen sein. Im Rahmen des Renaissance Programm wurden die vier MSC-Schiffe von August 2014 bis November 2015 für insgesamt 200 Millionen Euro komplett modernisiert. Zu den Umbauarbeiten der MSC Armonia gehören eine größere Anzahl an Balkonkabinen, großzügigere Gemeinschaftsbereiche, neue, flexible gastronomische Angebote sowie neue altersgerechte Clubs für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen. Darüber hinaus bietet die Armonia einen Outdoor- Wasserpark mit beweglichen Wasserdüsen, Rutschen und vielen anderen Spielmöglichkeiten. Die MSC Armonia ist außerdem das erste Kreuzfahrtschiff der Welt mit speziellen Kinderbereichen, die von Chicco und LEGO gestaltet und altersgerecht ausgestattet wurden. All diese Neuigkeiten sind sicher ganz toll und vermögen – vor allem Kinderherzen – zu erfreuen. Dank der Erhöhung der Kabinenzahl um 193 hat sich allerdings auch die Zahl der Passagiere um 611 auf 2‘680 erhöht. Damit hat die MSC Armonia aber definitiv ihren Charme eines „kleinen“ und ruhigen Schiffs verloren. Die MSC Armonia – ist nach meinem Geschmack sehr, sehr laut geworden – unangenehm laut.

Kapitän Pietro Scarpato und Gäste (Bild Stieger)

Kapitän Pietro Scarpato und Gäste (Bild Stieger)

MSC Armonia ideal und günstig für Familien

Die MSC Armonia ist zweifellos ideal für Familien. Für Familien, die das MSC Angebot nutzen, dass Kinder bis 13 Jahre in der Kabine der Eltern an vielen Terminen gratis mitreisen können. Dieses Zielpublikum spricht Gianni Onorato, CEO von MSC Cruises wohl im Herbst 2015 auch an, als er das Umbauprogramm erläutert: „Dank des Renaissanceprogramms können wir das Kreuzfahrterlebnis an Bord weiter ausbauen, dies gilt insbesondere für Familien. Zahlreiche Neuerungen und Innovationen richten sich an eben diese Gäste.“

Für meine Kreuzfahrt hatte ich eine der deutlich teureren Aurea Kabinen gebucht. Dies nicht wegen dem SPA Angebot, das mich weniger interessiert, als vielmehr, weil (ich hatte das schon früher auf der MSC Lirica genossen) die Gäste der Aurea Suiten spezielle Bereiche im Restaurant erhalten. So schreibt MSC auf seiner Schweizer Homepage: „Nehmen Sie Ihr Abendessen zu einer Zeit Ihrer Wahl in einem reservierten Bereich des Restaurants ein» Nur, dass es auf der MSC Armonia diesen reservierten Teil gar nicht gibt und es jeden Abend kurz vor Start des My Choice Dining (freie Tischwahl) einen Riesensturm auf die Tische gab. Völlig unangenehm, da hätte ich genauso gut einen Tisch im La Pergola (wir waren im Marco Polo) nehmen können. Da hat man wenigstens sicher jeden Tag seinen Tisch. Sicher: Man könnte sich den Tisch reservieren lassen, nur halten sich die meisten Passagiere nicht daran und die Dame am Eingangstresen schaffte es nicht, der Heerscharen mächtig zu werden, die um 18.45 Uhr ins Restaurant stürmten.

Essen sehr gut, aber meistens kalt

Lob verdient das Essen im Marco Polo. Die Karte präsentierte sich jeden Tag äusserst abwechslungsreich und vielseitig. Nur schade, dass mit Ausnahme der Suppen – und natürlich der kalten Vorspeisen bzw. dem Dessert und Salaten – fast sämtliches Essen kalt bis halb kalt serviert wurde. Es ist mir absolut unverständlich, wie es die Kellner nicht schafften, das Essen warm zu servieren. Dies obwohl beispielsweise zweimal die Speisen in vorgeheizten Gusseisenpfännchen serviert wurden, die aber offenbar vom Weg der Küche bis ins Marco Polo schon erkaltet waren. Nun denn: Schade, denn die Küche verdient eigentlich wirklich ein grosses Lob und es müsste doch vom Service zu schaffen sein, die Speisen heiss oder zumindest warm zu servieren. Auch unverständlich: Weshalb das Servieren von gerade mal 3 Gängen (inkl. Dessert) 1 ¾ Stunden dauert. Alleine eine halbe Stunde dauerte es in den ersten beiden Tagen bis endlich die Bestellung aufgenommen wurde.

Im Vergleich: Das Tischwein Glas und der Rotweinkelch (Bild Stieger)

Im Vergleich: Das Tischwein Glas und der Rotweinkelch (Bild Stieger)

Von Tischweingläsern und Rotweinkelchen

Und dann die Krönung: Für mich gehört zu einem guten Essen auch ein guter Wein. Und so bestelle ich für uns (wir waren zu Dritt) einen feinen italienischen Amarone. Ich reagiere ein wenig erstaunt, als mir der Kellner ein kleines Tischweinglas hinstellt, denke aber, er bringt dann schon noch die richtigen Gläser. Aber weit gefehlt: Unser – sonst sehr herzlicher und zuvorkommender – indonesischer Kellner, will mir den Wein nicht in einem Rotweinkelch servieren. Erst auf meine Intervention hin, bringt er mir dann – das Unverständnis ist aber seinem Gesicht anzusehen – einen Rotweinkelch. Ich mache allerdings hier nicht dem Kellner einen Vorwurf, sondern vielmehr dem Oberkellner und der Oberkellnerin (oder was immer diese für eine Bezeichnung hat). Beide schwänzeln immer umher, aber statt mit anzupacken wo Not am Mann wäre, verschwinden sie gleich wieder wenn Arbeit anfallen würde. Immerhin bei der 2. Weinflasche erhielten wir den Barolo (der mit 44 Euro über ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis verfügt) automatisch Rotweinkelche serviert. Ich denke deshalb, die Schulung der Kellner und Kellnerinnen an Bord der Armonia ist zweifellos auf keinem guten Stand und es könnte noch viel getan werden um wenigstens diese Kleinigkeiten aus dem Weg zu räumen. Und noch ein Tipp: Auch ein Oberkellner sollte Vorbild sein und mitanpacken.

Suite grosszügig und gemütlich, aber Lack blättert

Unser Zimmerboy sorgte immer mal wieder für eine nette Überraschung (Bild Stieger)

Unser Zimmerboy sorgte immer mal wieder für eine nette Überraschung (Bild Stieger)

Meine Aurea Suite 1010 war mit 27 Quadratmetern sehr großzügig, gemütlich und freundlich eingerichtet, so wie man es von MSC kennt. Unser Zimmerboy sorgte jeden Tag dafür, dass wir nach dem Frühstück bereits eine gereinigte Kabine vorfanden – absolut top. Kleiner Minuspunkt: Wenn man denn schon ein Schiff für 50 Mio. Euro umbaut. Wieso hat man denn nicht noch ein paar Euro übrig um den abblätternden Lack in den Kabinen (bei mir gut sichtbar beim Ausgang zum Balkon) zu übertünchen?

Auch ziemlich unglücklich gewählt sind die Theatervorstellungen. Das Theater ist für die vielen Menschen zu klein geworden, was bedeutet, dass neu 3 Vorstellungen täglich stattfinden und für diese muss man sich anmelden (selbstverständlich kostenlos). Weshalb aber die erste Vorstellung erst um 19.45 Uhr stattfindet, die zweite um 21.45 Uhr und die letzte erst um 23.00 Uhr, entzieht sich meiner Kenntnis. Es würde doch mehr Sinn machen, die erst bereits um 18.45 Uhr anzusetzen (oder gar um 18.30 Uhr), so dass die letzte Vorstellung vielleicht um 22.00 Uhr stattfinden könnte. So war denn die 2. Vorstellung praktisch immer ausgebucht, während die Vorstellung um 23.00 Uhr fast leer war. Das nur als kleiner Tipp…

Mein Fazit: MSC gerne wieder, MSC Armonia eher nicht

Sehr freundliches und zuvorkommendes Personal

Essen gut, aber leider oft kalt

Restaurant, Selbstbedienungsrestaurant wie fast sämtliche öffentlichen Bereiche sehr lärmig

Der MSC Armonia hat nach meiner Meinung die Vergrößerung und damit die Erhöhung der Passagierzahl definitiv nicht gut getan. Es hat schlicht zu viele Menschen an Bord und ist damit für Ruhesuchende viel zu lärmig. Als einziger Rückzugsort verbleibt das Sonnendeck Top 12, das man allerdings nur bei schönem Wetter nutzen kann.

Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Hier herrscht völlig Ruhe: Das Top 12 Sonnendeck (Bild Stieger)

Hier herrscht völlig Ruhe: Das Top 12 Sonnendeck (Bild Stieger)




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