Gedränge an Buffet und Pool? Nicht im Yacht Club der MSC Meraviglia

Empfang der Butler im Yacht Club auf der MSC Meraviglia (Bild Stiegers Kreuzfahrt Tipps)

Vor Jahren führte MSC Kreuzfahrten als erste Reederei, das Schiff im Schiff Konzept, den MSC Yacht Club an Bord der MSC Fantasia ein. Während sich die Gäste im Yacht Club durch ihren persönlichen Butler bedienen lassen, im eigenen Club Restaurant speisen, in der Club-Lounge den Blick auf‘s Meer geniessen oder auf dem eigenen Sonnen-Deck die Stille geniessen, geht es auf dem Rest der Schiffe mit Tausenden von Passagieren recht laut zu und her. Der Spagat zwischen Masse und Luxus auf dem gleich Schiff ist MSC gut gelungen. Nachdem das Konzept anfänglich vom Markt eher skeptisch aufgenommen wurde, sind die Yacht Club Suiten heute praktisch immer ausgebucht. Das hat auch damit zu tun, dass es kein überteuerter Luxus ist. Das Preis-Leistungsverhätlnis für die nicht einmal 200 Gäste im MSC Yacht Club ist sehr gut.

Von Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Einchecken am Hafen in Genua: Hunderte, nein Tausende Passagiere warten darauf, ihr Reich für die nächsten 7 Tage, die MSC Meraviglia betreten zu dürfen. Ich brauche mich nicht in der Schlange anzustellen, auf mich wartet ein Herr, der aus einer anderen Zeit zu stammen scheint: Ein Butler, mit grauer Krawatte, dezent dunkelgrauem Frack, gestreifter Hose und weissen Handschuhen. Er geleitet mich in eine separate Lounge, wo wir schon mit den ersten Köstlichkeiten und natürlich Champagner begrüsst werden. Das also ist der Start in den MSC Yacht Club. Ich gebe gleich zu, es ist nicht meine erste Begegnung mit den Yacht Club, bzw. den Butlern (es gibt auch einige wenige Butlerinnen – sagt man das?). Nach bereits fünf Kreuzfahrten im Yacht Club auf der MSC Splendida, Fantasia und Divina (es fehlt nur noch die Preziosa, die anderen MSC Schiffe haben keinen Yacht Club), genieße ich die Annehmlichkeiten im Yacht Club schon. Aber besonders interessiert mich wie sich dieses separate Schiff im Schiff Konzept den max. 195 Gästen auf dem neuesten Schiff von MSC Kreuzfahrten präsentiert. Denn einiges soll anders – vielleicht auch besser? – sein.

Welcome Mister Hans

Freundlich, zuvorkommend, aber immer mit einem gewissen Abstand stellt sich mein Butler, Sata aus Madagaskar, vor und begrüsst mich mit „Welcome Mister Hans“. Für ihn bin ich ein V.I.P., eine sehr wichtige Person. Wer das erste Mal mit „seinem“ Butler im MSC Yacht Club Kontakt hat, wird sich wohl eher wie in einem fremden Film vorkommen. Denn den Butler kennt man landläufig wohl eher aus dem schwarz-weiss Sketch „Dinner for One“ aus dem Jahr 1963. Seit 55 Jahren stolpert dort Butler James alle Jahre wieder – vornehmlich an Silvester – über den Tigerkopf. Die Wirklichkeit sieht aber ein wenig anders aus und lässt sich live im Yacht Club von aktuell fünf MSC Schiffen (das sechste Schiff, die MSC Seaside folgt in Kürze) erleben.

Ich und mein Butler Sata

Mit diesem Schiff im Schiff Konzept für wenige Gäste pflegen MSC Kreuzfahrten, aber auch andere Reedereien wie Norwegian Cruise Line mit „The Haven“, AIDA mit dem Patio Deck oder TUI Cruises mit der X-Lounge ein Geschäft abseits vom Massenmarkt. Es soll damit auch eine etwas gehobenere – vielleicht auch reichere? – wozu ich mich aber definitiv nicht zähle, Kundschaft angesprochen werden. Wie sagte der frühere Chef von MSC in der Schweiz in einem Interview doch: „Die Idee hinter diesem exklusiven Konzept ist es, ein neues Kundensegmentierung zu erschliessen, das zwar im Villenviertel lebt, aber nicht auf die Annehmlichkeiten einer Großstadt verzichten möchte.“ Der Luxus im MSC Yacht Club muss mit deutlich höheren Kabinenpreisen (nein, hier heisst das natürlich Suite) bezahlt werden. So kostet eine Suite mit Butler rund das Doppelte einer Balkon-Kabine auf den oberen Decks oder gar das vier bis fünffache einer Innenkabine. Für dieses Geld bekommt der Yacht Club Gast aber auch einiges geboten, was den „normalen“ Passagieren verborgen bleibt.

Freier Blick auf’s Meer von der Club Lounge

Der MSC Yacht Club befindet sich am Bug der MSC Meraviglia (wie auch bei den anderen vier  Schiffen der Fantasia Klasse, die über einen solchen Luxus-Bereich verfügen). Damit haben Gäste in der Lounge und im Club-Restaurant freien Blick auf‘s die Weite des Meeres und die Anlaufhäfen. Der Yacht Club erstrahlt in dezenten dunklen Farben mit viel Gold-Ornamenten und einer geschwungenen Treppe mit echten, in die Glasstufen eingebauten, wunderschön glitzernden Swarovski-Kristallen.
Das Publikum im Yacht Club ist international. Was mir diesmal besonders auffällt: Es sind deutlich mehr Amerikaner im Luxus-Club und dies ist auch recht deutlich hörbar. Der Lautstärkepegel ist denn auch das, was mir an der MSC Meraviglia besonders negativ auffällt. Nicht nur auf dem ganzen Schiff, aber insbesondere in der Galleria Meraviglia – der 96 Meter langen Einkaufs- und Bummelstrasse – und im Selbstbedienungs-Restaurant ist der Lärmpegel deutlich über dem, was ich Ferien nenne. Auch im Yacht Club Restaurant ist es deutlich lauter, als ich mir das von früheren Reisen in diesem Luxus Ressort gewohnt bin. Dies bestätigt mir auch eine Familie aus Düsseldorf, die zum vierten Mal im Yacht Club unterwegs ist und die familiäre, ruhige Atmosphäre in den vier „alten“ Yacht Clubs der Divina, Splendida, Preziosa und Fantasia deutlich bevorzugt.

Yacht Club Gäste sparen täglich einen Kilometer Weg

Schön ist allerdings, dass man für den Besuch des Club-Restaurants nicht mehr durch‘s ganze Schiff zum Heck gehen muss (bei zwei Besuchen pro Tag immerhin über ein Kilometer Weg), sondern dieses im Yacht Club Bereich integriert wurde. Abgeschafft wurde dafür auf der MSC Meraviglia das kleine Frühstücks-Buffet in der Lounge. Nun ist man gezwungen im Club-Restaurant zu speisen und hat keine Möglichkeit mehr sich selbst am Buffet mit Wurst oder Käse zu bedienen. Im Club-Restaurant geniessen die Gäste freie Sitzwahl und freie Tischzeit. Das auf der Meraviglia auf 3-Gänge abgesteckte Menü (früher gab es vier Gänge) ist nach wie vor sehr exklusiv und spricht vor allem Liebhaber von Crevetten, Hummer, Muscheln und Fisch in den verschiedensten Variationen an. Wer Pommes oder einfach nur Spaghetti Bolognese mag, wird im
Club Restaurant der Meraviglia Hunger leiden müssen (Anmerkung: Selbstverständlich kann man Pasta bestellen, nur ist diese wie auch das Filet nicht mehr im täglichen Angebot auf der Karte aufgeführt). Was mir diesmal auf der MSC Meraviglia aufgefallen ist: Die Küchen-Brigade im Yacht Club zaubert zwar optische Freuden auf die Tische, doch der Geschmack der Speisen war doch recht fade und deutlich zu wenig gewürzt. Und dann habe ich doch auch noch mein Aromat zu Hause vergessen… Mein Tischnachbar aus Österreich erklärte lapidar: „Also wegen dem Essen müsste ich den Yacht Club nicht buchen.“ Freude dürften hingegen Weinkenner haben. Das Angebot an Bord der Meraviglia ist riesig und die Preise durchaus vernünftig. Und der Chef-Somelier (den wir schon auf der Fantasia kennenlernten durften) weiss über jeden Wein noch eine schöne Geschichte zu erzählen.

Priorität im Lift für Yacht Club Gäste

Der Yacht Club auf der MSC Meraviglia ist deutlich grösser geworden und neu über vier
Stockwerke verteilt. Mit 195 Passagieren haben rund 50 Gäste mehr Platz im Luxus Bereich wie in den Schiffen der Fantasia-Klasse, darunter auch erstmals Passagiere in Innen-Kabinen. Was sich aber nicht verändert hat, ist die Crew. Nach wie schaffen es die Butler diskret den Gästen jeden Wunsch von den Augen abzulesen und schon nach wenigen Tagen bekommt man automatisch Stilles oder Sparkling Wasser bzw. Cappuccino oder Latte Macchiato serviert.
Besonders angenehm für die Gäste des Yacht Club ist die Priorität beim Fahren mit dem Lift. Der Gast hält seine Cruise Card oder das MSC for me Band an das Lesegerät und schon schwebt ein Lift mit Priorität herbei. Im Aufzug das gleiche Spiel nochmals: Karte ans Lesegerät und schon schwebt man ohne Stop direkt in den Yacht Club Bereich. Einziges Problem: Wenn gleichzeitig noch andere Gäste einsteigen und Etagen aus dem nicht exklusiven Bereich drücken, ist es vorbei mit der Exklusivität.

Yacht Club Suiten auf der MSC Meraviglia sind grösser

Was sehr positiv auffällt. Die Suiten im Yacht Club der Meraviglia sind deutlich grösser geworden und entsprechen damit deutlich besser dem Wort Yacht Club. Sie bieten noch mehr Platz und vor allem auch mehr Stauraum. Noch immer kann man aus einer Auswahl sein Lieblings-Kissen (ich bevorzuge Sense) bestellen und auch das Bad erstrahlt nach wie vor in schöner Marmor-Optik mit grosser Glas-Dusche. Grösser geworden ist auch der Bildschirm. Statt einem TV, der besser in einem Camping-Wagen aufgehoben wäre, finden die Gäste nun einen richtig grossen Bildschirm vor. A Propos Bildschirm: Auf der MSC Meraviglia ist sehr vieles vernetzt. Mit dem Armband MSC for me, kann man ohne Cruise Card Türen öffnen, findet Einlass ins Theater (ja im Theater muss man neu reservieren, da dieses mit „nur“ noch 985 Plätzen verkleinert wurde, dafür neu täglich bis zu drei Vorführungen hat) oder bezahlt die Einkäufe in den Shops. Bequem im Zimmer – oder an
den vielen öffentlichen Bildschirmen – kann man nicht nur die Theatervorstellungen oder die Vorführungen des Cirque du Soleil in der Caroussel Lounge buchen, man sieht auch das Tagesprogramm (dieses wird nur noch auf Wunsch in schriftlicher Form abgegeben) oder spezielle Angebote für Einkäufe und Wellness-Behandlungen.

Tea Time im Yacht Club (Bild Stiegers Kreuzfahrt Tipps)

Und damit ich weiss, was in der Heimat geschieht, bringt mir Butler Sata jeden morgen kostenlos den „Blick“ in die Suite. Immer wieder ein Erlebnis ist die Tee-Zeremonie um vier Uhr. Hier zelebrieren die Butler in der Lounge noch immer täglich die wohl britischste, aller britischen Traditionen, echte Tea Time. Nach britischer Tradition wird eine grosse Auswahl an Tee Sorten, von Earl Grey, über den Breakfast Tea bis zum Kräutertee offeriert (selbstverständlich nicht aus dem Beutel). Und auch die typischen Fingerfood-Häppchen, belegt mit Schinken, Frischkäse oder Thunfisch fehlen nicht. Ein Klassiker sind Räucherlachs-Blinis. Auch die eigene Waage kommt nicht zu kurz, indem feine Pastries wie Mini-Cupcakes, Zitronen-Törtchen oder cremartige Windbeutel auf einer blitzenden Etagère serviert werden. Übrigens: Der Afternoon-Tea soll vor gut 200 Jahren von der Herzogin von Bedford einer Freundin der damaligen Queen Victoria erfunden worden sein. Sie begann damals die lange Zeit zwischen Breakfast und Dinner mit Tee und leichtem Gebäck zu überbrücken.

Fast alle Getränke im Yacht Club sind gratis

Fast sämtliche Getränke, ob ein Martini, Whisky oder auch nur eine Cola, sind im Yacht Club kostenlos, selbstverständlich auch alle Getränke und Snacks aus der Mini-Bar. Und mit der Cruise Card können Yacht Club Gäste auch fast überall auf dem Rest des Schiffs kostenlos Getränke bestellen. Dies gilt natürlich auch für das Yacht Club eigene Pool-Deck, das auch deutlich grösser geworden ist, wie auf den vier Schiffen der Fantasia-Klasse. Während weiter unten an Sonnen Tagen die vielen Tausend Passagiere (bei Maximal-Belegung haben auf der MSC Meraviglia 5‘714 Passagiere Platz, bei Doppel-Belegung der Kabinen gut 4‘500) um die besten Liegen „kämpfen“, eng beisammen liegen und von meist extrem lauter Musik beschallt werden, geniesst man im Yacht Club bequeme Liegen mit Polster-Auflage und genügend Abstand zum Nachbarn. Ein kleiner Pool und ein Whirlpool (auf den Fantasia-Schiffen gibt es noch zwei Whirpools) laden zum Bade und selbstverständlich hat es auf dem Sonnendeck auch eine Bar, wo man gemütlich speisen kann. Wer‘s besonders exklusiv mag, dem bringt der Butler die gewünschten Häppchen selbstverständlich auch zur Liege. Wozu den aufstehen bitte?

Ein Fazit zum MSC Meraviglia Yacht Club

Nach sieben Tagen ist wieder Schluss mit dem exklusiven Service der Butler. Sata begleitet mich zum Bus und es heisst Abschied nehmen. Abschied nehmen von Sata, den ich wie andere Butler schon auf früheren Reisen kennen und schätzen gelernt habe und auch Abschied nehmen von einem schönen, aber nicht ganz lautlosen Schiff bzw. besser nicht ganz leisen Passagieren. Die Kreuzfahrt im Yacht Club der MSC Meraviglia, war bereits meine sechste Reise in diesem exklusiven Bereich.

Mein Fazit: Yacht Club immer gerne wieder. Für das Gedränge um Pool und Buffet bin ich definitiv verloren oder vielleicht auch zu alt. Aber wenn Yacht Club, dann doch lieber im intimeren, gemütlicheren und familiäreren Rahmen der „alten“- Fantasia-Schiffe MSC Splendida, Preziosa, Divina und Fantasia.

Pool im Yacht Club

Blick vom Yacht Club Sonnendeck auf die “Konkurrenz”

Suite 18009 im Yacht Club der MSC Meraviglia (Bild Stiegers Kreuzfahrt Tipps)



6 Antworten

  1. […] MSC Yacht Club wird in diesem Jahr in zwei deutschen Städten stationiert sein: Die MSC Meraviglia bringt das „Schiff-im-Schiff“-Konzept ab April 2018 nach Hamburg. Mit der MSC Preziosa erleben […]

  2. […] gibt es auch noch Suiten mit viel Luxus und teilweise sogar eigenem Butler. MSC bietet mit dem Yacht Club und Norwegian Cruise LIne mit “The Haven”, sogenannte Schiffe im Schiff Konzepte, […]

  3. Kreuzfahrt Blog

    Salü Maggy. Ja klar, es ist natürlich ein bisschen wie 1. und 2. Klasse im Flugzeug oder bei der Bahn. Für mich ist das Schiff eben auch Weg zum Ziel, auch wenn es kaum eine Destination gibt die ich dann nicht besuche. Aber zwischendurch brauche ich die Ruhe und die Erholung vom Alltag und die finde ich im anderen Teil der Meraviglia, also quasi in der 2. Klasse, zu wenig. Wichtig ist uns Beiden aber sicher die Freude an Kreuzfahrten, egal wo und wie. Liebe Grüsse Hans

  4. Kreuzfahrt Blog

    Salü Birgit. Danke für Dein Lob. Dann wünsche ich Dir schon jetzt eine ganz tolle Zeit im Yacht Club auf der Meraviglia. Hans

  5. Vielen Dank für diesen ausführlichen, ehrlichen Bericht. Nachdem wir vom YC auf der Fantasia sehr begeistert waren (und dabei 9 Seetage völlig entspannt und überhaupt nicht gelangweilt verbracht haben), haben wir für nächstes Jahr den YC der Meraviglia gebucht, da wir uns dieses große Schiff nicht im “Normalbereich” vorstellen konnten- wir sind jetzt noch mehr gespannt was uns erwartet…

  6. lieber Hans, danke für Deinen Bericht über den YachtClub. Eigentlich bin ich nicht so sehr begeistert. Es sieht so wie 1. und 2 Klasse Passagiere aus. Ich sehe ein, dass man vornehmer wohnt, aber für mich ist das Schiff immer nur immer ein Weg zum Ziel und nicht der Weg ist das Ziel. Ich geniesse einfach zu sehr die Ausflüge, wohin auch immer und interessiere mich weniger für den sogenannten Luxus an Bord. Ist nur meine Meinung, recht liebe Grüsse, maggy

  7. Kreuzfahrt Blog

    Salü Ulli. Zuerst Danke für Dein Lob. Die MSC Meraviglia ist wirklich ein tolles Schiff, da gibt es überhaupt nichts zu mäkeln, für mich einfach zu laut. Wenn Dir das nichts ausmachst, kannst Du es auf jeden Fall versuchen. Auf der Diadema sind ja auch viele südländische, nicht immer ganz leise Gäste oder? Schönen Sonntag Hans

  8. Es war wieder interresant Deinen Ausführungen/Erfahruungen zu folgen.
    Nachdem ich die auch schon >größere< COSTA DIADEMA kennenlernte wollte ich den Schritt zur Meraviglia wagen,was aber noch zu überlegen scheint?!
    Danke und schönen Sonntag
    Ulli aus dem Allgäu

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