Die Costa Diadema ist ein schwimmendes Las Vegas

Bruno Hesser, Madlen Jurdezcka und Tiffany Matter - hier beim Besuch in der Küche - begleiteten die 38 Reisebüro-Profis auf der Studienreie (Bild Stiegers Kreuzfahrt Tipps)

Es ist kein Geheimnis und ich gebe es gerne zu: Der Kreuzfahrtschiff-Virus hat mich seit vielen Jahren befallen. Und so habe ich denn nicht lange überlegt, als Costa Schweiz mich einlud, an einer Studienreise mit 38 Reisebüro-Profis teilzunehmen. Unser Tagungsort: Die Königin des Mittelmeeres, die Costa Diadema. 17 Reisbüro-Fachleute waren zuvor noch nie auf Kreuzfahrt und teilweise waren sie recht skeptisch gegenüber dem grossen Schiff. Nach drei Nächten an Bord überwog dann aber das positive Fazit. Nach einiger Zeit hatten sich die Damen und Herren im Labyrinth und Irrgarten der Diadema, dem schwimmenden Las Vegas zurechtgefunden. Das Ziel der Reederei wurde auf jeden Fall erreicht: Die Reisebüro Profis wissen nun aus eigener Anschauung, wem sie die Costa Diadema empfehlen können und wem eher nicht.

Von Hans Stieger, Stiegers Kreuzfahrt Tipps

Es ist immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis, wenn man im Hafen steht und sein Zuhause für die nächsten Tage betrachtet. So ging es mir wieder einmal – aber vor allem wohl auch jenen 17 Reisebüro Profis die noch nie eine Kreuzfahrt erlebt haben. Da steht sie nun also im Hafen von Savona, die Costa Diadema. Ein bisschen mulmig ist es wahrscheinlich einigen schon. Zumal der eisige und kalte Wind schon den Marti Bus (hier gebührt kurz ein Lob an die Marti-Crew für die perfekte Betreuung inkl. Gipfeli und Obst während der Fahrt) ein klein wenig durchgeschüttelt hat. „Da wird es draussen im Mittelmeer wohl noch schlimmer sein“, mutmaßt meine Busnachbarin. Aber gleich vorneweg: Der Wellengang war dann praktisch gleich Null.
Die Costa Diadema trohnt nun also vor uns im Hafen von Savona: 306 Meter lang und 19 Decks (davon 14 für Passagiere zugänglich) oder über 60 Meter hoch (das ist fast halb so hoch wie der Turm vom Wiener Stephans Dom). Mit ihren gigantischen Ausmaßen lässt uns die Diadema fast wie Ameisen erscheinen.

Kinder bis 18 Jahren reisen in der Kabine der Eltern gratis mit

Die Einschiffungsformularitäten sind schnell und zügig erledigt und so können wir rasch das Schiff betreten. Auf der Costa Diadema erwarten die Gäste 1‘862 Kabinen, davon 756 mit Balkon für max. 4‘947 Personen bei Mehrfachbelegung. Für Familien stehen Familienkabinen mit zusätzlichem Komfort zur Verfügung, wie beispielsweise eine Aussenkabine mit Mehrblick, fünf Betten und doppeltem Bad. Dies ist insbesondere deshalb interessant, da Costa für Familien preislich attraktive Kinderangebote hat. Kinder unter 18 Jahren (max. 2 Kinder) reisen bei der Belegung von Oberbetten in der Kabine mit zwei Erwachsenen gratis mit. Am Ende der Kreuzfahrt fällt eine Servicegebühr in Höhe von 10 Euro, bzw. 5 Euro für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren an. Kinder unter vier Jahren reisen komplett gratis mit. Costa hat aber auch ein Herz für Singles mit Kindern. Fährt ein Erwachsener mit einem Jugendlichen bis max. 18 Jahre in der gleichen Kabine, zahlen die Kinder den Happy Family Comfort Tarif (limitiertes Kontingent). Und damit auch die Eltern richtig Urlaub machen können, bietet Costa Unterhaltung und Spass mit dem eigenen Animations-Team in den vier Costa Kinder Club. Die Costa Diadema wurde denn auch 2015 mit dem Kreuzfahrt Guide Award als familienfreundlichstes Schiff des Jahres ausgezeichnet.

Die Diadema setzt auf Design, Kunst und noch mehr Italien

Die Costa Flotte besteht aktuell aus 15 Kreuzfahrtschiffen, wobei die Costa Diadema, das jüngste und gleichzeitig auch das grösste Costa Schiff ist (mit der Costa Smeralda wird die Diadema 2019 als Flaggschif abgelöst). Die Diadema setzt auf ein klareres Design und hat deutlich weniger bunte, knallige, pompöse Farben, weniger Bling, Bling oder grelle Stoffe wie die 14 Schwesterschiffe. Die Räume sind meist in Creme- und Brauntönen gehalten, dazu kommen verschiedene bunte Akzente, aber nicht zu grell: Gelb, Orange und Gold, dunkles Rot oder Violett. Oft bilden Quadrate und Dreiecke die Muster, zum Beispiel auf den Sitzpolstern im Restaurant. Manchmal passen die Muster so finde ich – Designer Joseph Farcus möge mir dies verzeihen – nicht wirklich zusammen.
Die Costa Diadema setzt voll auf Kunst. Überall finden sich kleinere und grössere Kunstwerke, insgesamt sollen es 7‘874 Reproduktionen von 41 bekannten und auch weniger bekannten Künstlern (davon 38 aus Italien) sein. So schaut der Gast manchmal auf eine kindliche Prinzessin mit Vögeln, auf Bergkristalle oder in abstrakte Frauengesichter. Costa spricht gar von einem „Museum auf zwölf Decks“, doch die Werke fügen sich eher dezent in das Gesamtbild der Innenarchitektur ein.

3-4 Tonnen Nudeln und 20‘000 Liter Bier pro Woche

Die Reederei bewirbt das Schiff als Botschafterin für „Italy‘s Finest“. Damit ist gemeint, dass es viel leckeres Essen und guten Wein in einer locker-leichten Atmosphäre geben soll – also Angebote für Genießer, für die Italien in der Welt bekannt ist. Für Essen und Trinken stehen auf der Costa Diadema insgesamt sieben Restaurants und elf Bars zu Verfügung. Die klassische italienische Küche wird im Fiorentino, im Corona Blu und im Adularia serviert. Selbstverständlich gehören zur „Italianita“ auch eine Pizzeria und die Gelateria Amarillo. Für italienisches Lebensgefühl sorgen auch die 80 Sorten Wein an Bord, die man zum Beispiel in der „Vinoteca Gran Duca di Toscana“ trinken kann. In Selbstbedienung kauft man sich dort z.B. 1 dl Tignanello 5.80 Euro, 1 dl Rosso di Montalcino gibt’s schon für 3.60 Euro. Aber auch für die Fans fernöstlicher Gaumenfreuden ist mit dem japanisch-asiatischen Teppanyaki gesorgt, während Gourmands im Samsara Restaurant ihr bevorzugtes Lokal finden. In diesem Zusammenhang drei spannende Zahlen: Jede Woche werden auf der Costa Diadema vier bis fünf Tonnen Mehl, drei bis vier Tonnen Nudeln und fast 20‘000 Liter Bier verbraucht.

Auf der Costa Diadema am Meer entlang spazieren

Ein Highlight an Bord der Diadema ist die mehr als 500 Meter lange Freiluftpromenade auf Deck fünf – eine Premiere bei Costa. Der Gast spaziert buchstäblich dem Meer entlang. Die „Passeggiata“ ist verbunden mit den Restaurants und Bars, die jeweils einen kleinen, überdachten Außenbereich haben, sodass man das Gefühl hat, direkt über der See zu dinieren. Allerdings musste ich mir für den Rundgang dann doch eine dicke Jacke überziehen- aber im Sommer sicher ein ganz tolles Erlebnis.
Das Wellness-Center Samsara Spa ist sagenhafte 6‘200 Quadratmeter gross und verläuft über vier Ebenen. Mit integriert im Spa ist das Fitness-Studio, Thalassotherapie-Becken, Behandlungsräume, Türkisches Bad, Sauna und Solarium. Drei – überschaubare – Swimmingpools, davon einer mit ausfahrbarem Glasdach sorgen für kühle Abwechslung im Sommer und acht Whirlpools – jetzt im Winter – für warme Glieder. Auf einem 200 Meter langen Jogging-Parcours kann man sich die angefutterten Pfunde abtrainieren. Und schließlich bietet die Costa Diadema auch noch viel, viel Unterhaltung. Ob im 3-geschossigen Theater Emerald, dem 4-D-Kino, dem interaktiven Star-Laser, dem Grand Prix-Simulator, dem Country Rock Club, der Diskothek oder dem Casino. Und wer noch ein klein wenig Geld übrig hat: Eine Shopping-Meile lädt zum „lädele“ ein.

17 Reisebüro-Profis erstmals auf Kreuzfahrt

Zum Abschluss der 4-tägigen Studienreise hatten die drei Betreuer von Costa Schweiz Madlen Jurdeczka, Tiffany Matter und Bruno Hesser zum Workshop eingeladen. Gespannt waren sie natürlich insbesondere darauf, wie die Reisebüro-Profis die erste Kreuzfahrt, oder die alten Hasen die Costa Diadema erlebt hatten. Im Vorfeld hatte ich einige doch recht kritische Stimmen vernommen und war nun gespannt, was ich am Workshop hören würde. Um es gleich vorweg zunehmen: Die meisten Erst-Kreuzfahrer waren positiv überrascht. Eine Dame meinte, dass man zuerst fast erschlagen werde, sich dann aber nach drei Tagen an die Grösse des Schiffs und die vielen Menschen gewöhnt habe. „Die Costa Diadema bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, aber mein Schiff ist das nicht“, waren weitere Bemerkungen. Am meisten bemängelt wurde das Essen im Fiorentino. Nicht dass es ungenießbar wäre, sondern einfach sehr unterschiedlich, mal wirklich sehr gut und heiss, dann wieder nur lauwarm oder gar kalt und kaum genießbar. Viel, Lob von den Reisebüroprofis erhielten die Spezialitätenrestaurants wie das Samsara, die Pizzeria und vor allem das Tepanyaki. „Zuerst fühlte ich mich auf dem Schiff wie in einem Irrgarten aus dem es keinen Ausweg gibt. Nach einiger Zeit habe ich diesen dann doch gefunden“, sagte eine weitere Reisebüro-Mitarbeiterin und die Kollegin ergänzte, es sei wie ein schwimmendes Labyrinth, aber eines mit vielen Ruhe Oasen und Rückzugsorten. Durchwegs gelobt wurde von den Reisebüro-Profis die stets freundliche Crew, aber vor allem auch die Möglichkeit solch ein Schiff mal live erleben zu können. „Nur so ist es uns möglich die richtigen Menschen aufs richtige Schiff zu bringen“, die absolut korrekten Schlussworte einer jungen Reisebüro-Fachfrau.

Im nächsten Jahr feiert Costa sein 70-Jahr-Jubiläum (am 31. März 1948 wurden bei einer Olivenöl-Lieferung nach Buenos Aires erstmals bezahlende Passagiere, allesamt aus Italien, mitgenommen) mit viel Aktivitäten. Costa versteht sich seit bald 70-Jahren als Botschafter von und für Italien. Die Reederei lebt dabei nicht nur das Beste von Italien vor und will dieses Gefühl an die Gäste weitergeben. Costa hat noch heute ihren Hauptsitz im italienischen Genua und alle Schiffe fahren unter italienischer Flagge. Italien bildet das Herz der Gesellschaft. So sagt denn Costa Schweiz Chefin Dominika Lange: „Italianità bezieht sich nicht nur darauf, italienische Marken an Bord anzubieten. Es geht darum, unseren Passagieren italienische Lebensfreude und Gastfreundschaft zu vermitteln.“ Das gehe nicht nur darum Pizza, Gelati und Spaghetti oder Armani zu bieten, sondern auch die italienische Lebensart, das italienische Lebensgefühl zu vermitteln.

Mein Fazit der Costa Diadema: Perfekt und günstig für Familien und Jugendliche

Iitalienische Lebensfreude vermittelt die – abgesehen vom Kader – allerdings kaum italienischstämmige Crew (der Grossteil stammt aus dem Fernen Osten) täglich, stündlich ja jede Minute. Ich habe stets freundliche Crew-Mitglieder erlebt, immer mit einem Lächeln auf den Lippen und sehr hilfsbereit. Da lässt es sich denn auch über Kleinigkeiten hinweg sehen, wie dass ich beim in die Kabine bestellten Frühstück statt einem Cappuccino einen Kaffe Latte erhalte und das Messer vergessen wird, dass die Tagliatelle einmal kalt serviert wird und in der Dusche noch immer der Duschvorhang am Körper klebt. Das sind dann wirklich Nebensächlichkeiten. Das Preis-Leistungsverhältnis bei Costa ist top und stimmt in jeder Hinsicht. Die Costa Diadema eignet sich sicherlich nicht für Ruhesuchende, ist aber ein perfektes und sehr günstiges Ferienangebot für Familien. Günstiger kann eine Familie kaum Ferien verbringen und dies bei Vollpension. Ideal ist das Kreuzfahrtschiff auch für Jugendliche, die ein grosses Unterhaltungsangebot schätzen und ohne Koffer packen zu müssen, jeden Tag eine neue Stadt erleben und erkunden möchten. Wie ein Reisebüroprofi doch so schön sagte: „Die Costa Diadema ist ein schwimmendes Las Vegas“.

Täglich wird auf der Costa Diadema Mozarella hergestellt

Spaghetti, Tagliatelli etc. gehören natürlich zum Angebot auf der Diadema

Immer wieder spannende Blick in die Küche

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